Venezuela: Angsthasenspiele in Caracas

Thomas Fischermann

Trotz humanitärer Katastrophe und weltweitem Druck: Nicolás Maduro sitzt in Venezuela fester an der Macht, als viele dachten. Wie Juan Guaidó geht er auf volles Risiko.

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro am 7. Februar in Venzuelas Hauptstadt Caracas © Carlos Barria/Reuters

Politiker in Washington, Bogotá, Brasília und etlichen weiteren Hauptstädten werden dieser Tage ganz schön nervös. Sie haben den Umsturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro geplant, doch ihre Aktion hat schnell an Schwung verloren und könnte sogar noch scheitern.

Der venezolanische Oppositionspolitiker und Parlamentschef Juan Guaidó hatte sich am 23. Januar selber zum Präsidenten des südamerikanischen Landes erklärt, dabei eine sehr großzügige Interpretation der venezolanischen Verfassung bemüht und prompt eine Serie vorher abgesprochener Unterstützungserklärungen von inzwischen mehr als 40 Ländern erhalten, auch von Deutschland. Es folgten beeindruckende Massendemonstrationen auf den Straßen von Caracas, ein paar Militärs und ein Botschafter erklärten ihren Wechsel zu den Umstürzlern. Aber jetzt? 

Im Präsidentenpalast sitzt nach wie vor Nicolás Maduro, die Demos sind abgeflaut, und die allermeisten im Militär sind dem bisherigen Regime treu geblieben. Freilich: Das Blatt kann sich noch wenden, Venezuela ist immer für Überraschungen gut, aber die Aktionen der Umstürzler und ihrer Helfer in aller Welt erscheinen zunehmend etwas nervös. Von diplomatischen Krisentreffen wird berichtet: Der brasilianische Außenminister traf den Nationalen Sicherheitsberater der USA in Washington, Vertreter einer Reihe Maduro-feindlicher Regierungen aus Südamerika kamen in Kanada zusammen und so weiter.

Geheimdienst und Polizei gehorchen

In den USA schimpft Marco Rubio, US-Senator für Florida, über seinen Twitter-Account (@marcorubio) alle paar Stunden über das "menschenverachtende" Regime in Caracas, fordert dortige Militärs zum Überlaufen auf und droht mit Interventionen. US-Außenminister Mike Pompeo wies kürzlich darauf hin, dass das Maduro-Regime angeblich Hisbollah-Kämpfern Unterschlupf gewähre, wofür es auch tatsächlich Anzeichen gibt. Nur ist so etwas in der jetzigen Lage auch Signal: Irgendwelche Terrorgefahren werden in den USA üblicherweise heraufbeschworen, um die Bevölkerung auf einen Militärschlag einzustimmen. Präsident Donald Trump und sein Vize Mike Pence haben sich beide ausdrücklich einen Einmarsch in Venezuela offengehalten. Gerade noch hat das Weiße Haus ein Propagandavideo veröffentlicht, in dem Maduro mit Stalin, Mussolini und Saddam Hussein verglichen wird.

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