Verbände rufen nach Veröffentlichung von IPCC-Bericht zu raschem Handeln auf

Nach der Veröffentlichung des neuen IPCC-Berichts haben Umwelt- und Entwicklungsverbände auch in Deutschland eine radikale Umkehr in der Landwirtschaftspolitik gefordert. "Eine Politik, die die Welt mit billigem Fleisch ernähren will, fährt das Klima vor die Wand", warnte der Präsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR), Kai Niebert. Der dafür notwendige Sojaanbau und die entstehende Gülle zerstörten weltweit wertvolle Böden und heizten dem Klima ein.

"Das Ausmaß unserer Naturzerstörung ist so groß, dass unsere Wälder und Böden es nicht mehr schaffen, das CO2 zu binden, das durch Abholzung, Verbrennung und Landnutzung freigesetzt wird", erklärte Niebert . Notwendig sei beim Klimaschutz nicht nur der Ausbau erneuerbarer Energien, "sondern auch eine andere, sanftere Landwirtschaft". Für die EU bedeute dies "eine Revolution der gemeinsamen Agrarpolitik".

"Der Bericht bestätigt, dass die vom Menschen verursachte Überhitzung der Atmosphäre schon jetzt zu mehr Hitzewellen und Dürren, heftigeren Starkregen und Überschwemmungen führt", erklärte der Klimaexperte der Organisation Oxfam, Jan Kowalzig. Als besonders besorgniserregend wertete er die Warnungen des Weltklimarats IPCC, wonach "eine Erwärmung um drei bis vier Grad Celsius, auf die wir uns derzeit zubewegen, die weltweite Nahrungsmittelversorgung schwer und unumkehrbar beeinträchtigen dürfte".

Kowalzig forderte einen "Ausbau agro-ökologischer Anbauverfahren als Alternative zur industriellen Landwirtschaft". Dies trage dazu bei, "die Bodenfruchtbarkeit zu schützen und zu erhöhen, die Treibhausgasemissionen zu verringern und die Ernten in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft zu verbessern". Ohne ein Umsteuern gefährde der Klimawandel vor allem in den Ländern des globalen Südens die Lebensgrundlagen von Hunderten Millionen Menschen.

"Bei der Landwirtschaft müssen wir weg von einem System der Überproduktion und des Überkonsums, bei dem für das Futter unserer Schweine in Deutschland Regenwald und Grasland in Südamerika Plantagen weichen müssen", verlangte auch der WWF-Agarexperte Rolf Sommer. Zugleich müssten Kohleausstieg und Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben werden.

Die Politik müsse jetzt "endlich die überfällige Agrarwende vollziehen sowie Wälder weltweit vor Abholzung schützen und nachhaltig nutzen", verlangte auch der Agrarexperte des Umweltverband BUND, Christian Rehmer. "Die notwendigen Umstellungen in der Landnutzung sind tiefgreifend und sie müssen nun sehr schnell erfolgen", forderte der Politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals.

"Die Landnutzung ist ein Haupttreiber des Klimawandels, kann aber durch CO2-Bindung auch Teil der Lösung sein", erklärte die Geschäftsführerin der Klima-Allianz Deutschland, Christiane Averbeck. Auch sie kritisierte industrielle Landnutzung und Lebensmittelindustrie, die "sehr große Verursacher der Klimakrise" seien. Konkret verlangte sie "eine deutliche Reduktion der Tierbestände und eine Veränderung der landwirtschaftlichen Praktiken, hin zu umwelt- und klimaverträglichen Anbaumethoden".

Ein radikales Umsteuern hatte zuvor auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace gefordert. "Raus aus Kohle, Öl und Gas und zugleich eine Agrar- und Waldwende", dafür müsse die Bundesregierung jetzt die Weichen stellen, sagte der Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser, der Nachrichtenagentur AFP.