Verbraucherzentrale analysiert 180 Briefe zu Preiserhöhungen von Strom und Gas: Das sind die dreisten Tricks der Anbieter

Die Verbraucherzentrale hatte dazu aufgerufen, Briefe mit Preiserhöhungen an sie zu schicken. - Copyright: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck
Die Verbraucherzentrale hatte dazu aufgerufen, Briefe mit Preiserhöhungen an sie zu schicken. - Copyright: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck

Die Preise für Strom und Gas sind seit dem Krieg in der Ukraine sprunghaft angestiegen. Viele Energie-Unternehmen haben bereits höhere Preise für ihre Kundinnen und Kunden angekündigt. Die Verbraucherzentrale hat nun analysiert, wie die Anbieter das getan haben.

Über 180 Briefe, die an Kunden verschickt wurden, analysierten die Verbraucherschützer dafür. Die Schreiben stammen aus dem Zeitraum Oktober 2021 bis April 2022 und wurden von den Kunden selbst an die Verbraucherschützer gesandt. Dabei fielen immer wiederkehrende Muster auf, mit denen Kunden die gestiegenen Preise beigebracht wurden.

Hier stellen wir euch einige davon vor.

1. Preise mehrmals in wenigen Monat angehoben

Laut der Verbraucherzentrale wurden Kunden alle paar Monate Briefe mit Preiserhöhungen geschickt. Normal sei es hingegen, dass Anbieter einmal im Jahr, zum Jahreswechsel, die Ankündigung von neuen Preisen herausschickten. In einem Beispiel-Fall, der den Verbraucherschützern vorliegt, wurden dem Kunden sechs Preiserhöhungen in nur einem Jahr angekündigt – überbracht mittels vier Briefen. In einem Brief wurden teilweise direkt zwei gestaffelte Erhöhungen kommuniziert. Der Kunde, der mit Kosten in Höhe von 1174,80 Euro gestartet war, sollte zuletzt 2526,20 Euro zahlen – eine Steigerung von 115 Prozent.

"Es ist davon auszugehen, dass Verbraucher:innen mit einer derartigen Flut an Preiserhöhungsschreiben nicht rechnen. Vielmehr zeigt das Beispiel, dass Preiserhöhungen in kürzesten Zeitabständen aus Sicht des vzbv undurchsichtig sind", so das Fazit der Verbraucherschützer dazu.

2. Kurzfristige Preisanstiege

In der Regel müssen Verbraucher mindestens sechs Wochen vor einer Preiserhöhung informiert werden. Die Verbraucherschützer entdeckten aber auch hier Anbieter, die ihre Kunden sehr viel kurzfristiger informierten. In einem Fall soll der Stromanbieter sogar mit einem Brief vom 28.12.2021 – während der Weihnachtsferien – seine nur vier Tage später neu geltenden Preise mitgeteilt haben. Ab Januar 2022 sollte sich der Arbeitspreis demnach von 39,31 Cent pro Kilowattstunde auf 57,03 Cent pro Kilowattstunde und der Grundpreis von 257,74 Euro auf 286,99 Euro erhöht haben. Das ist eine Preissteigerung von fast 40 Prozent.

Durch die kurzfristigen Schreiben machten es die Anbieter den Kunden schwer, sich nach Alternativen umzusehen und gegebenenfalls zu kündigen, so die Verbraucherschützer.

3. Höhere Preise, die in Schreiben "versteckt" werden

Ein weiterer Trick ist laut Verbraucherschützern das Verstecken der schlechten Nachricht (Preiserhöhung) in Briefen, die erstmal so gar nicht danach klingen. Beispiel: In einem Fall soll ein Gasanbieter in der Betreffzeile seines Schreibens einfach „Vertragsverlängerung“ geschrieben haben und seinem Kunden ein „Folgeangebot“ gemacht haben. Das beinhaltete allerdings auch neue Preise.

"Entsprechend gestaltete Schreiben bergen das Risiko, dass Verbraucher:innen nach dem Lesen der ersten Zeilen abbrechen, weil sie nicht damit rechnen, dass im weiteren Verlauf des Schreibens für sie konkrete Informationen enthalten sein könnten", so die Verbraucherschützer.

4. Preise hoch, trotz Preisgarantie

Ihr habt zu einem neuen Stromanbieter gewechselt, weil dieser euch versprochen hat, in den nächsten zwölf Monaten würde der Preis sich nicht ändern? Leider lauerten auch hier Fallstricke, sagt die Verbraucherzentrale. In einem Fall sei es einem Stromkunden passiert, dass er trotz Garantie von gleichbleibenden Preisen nur zehn Tage nach dem Abschluss des Vertrags ein Schreiben erhalten habe, das ihn über eine "Neuordnung der Produktlandschaft" informiert habe. So argumentierte der Anbieter, dass der Tarif, für den sich der Kunde entschieden hatte, leider nicht mehr möglich sei. Stattdessen solle er jetzt statt 34,63 Cent pro Kilowattstunde plötzlich 79,10 Cent pro Kilowattstunde zahlen – mehr als das Doppelte des ausgehandelten Preises.

Aus Sicht der Verbraucherschützer handelt es sich "um eine klassische Preiserhöhung. Das
Verhalten des Anbieters kann Verbraucher:innen dazu verleiten, eine Sonderkündigung
aufgrund der vermeintlichen Preiserhöhung auszusprechen, statt auf das Fortführen
der vertraglichen Vereinbarung zu bestehen."

Wenn ihr das nächste Mal also einen Brief euer Strom- oder Gas-Versorger über neue Preise erhaltet, lest ihn euch gründlich durch. Vielleicht ist die Art, wie euer Anbieter die Preise erhöht hat, nicht zulässig. Die Verbraucherzentrale hat aufgrund ihrer Untersuchungen bereits mehrere Unterlassungsverfahren eingeleitet.


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