Verdi kritisiert "vage" Ankündigung Spahns für weiteren Pflege-Bonus

·Lesedauer: 2 Min.
Klinikstation in Essen

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat scharfe Kritik an der Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geübt, dem Krankenpflegepersonal in Kliniken eine weitere Prämie zu gewähren. "Bei den Beschäftigten, die tagtäglich alles geben, um Menschenleben zu retten und zu schützen, stößt es auf völliges Unverständnis, wenn Bundesgesundheitsminister Spahn vage eine weitere Corona-Prämie für das nächste Jahr in Aussicht stellt", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler der "Rheinischen Post" vom Donnerstag.

Stattdessen müsse "erstmal der Murks der bisherigen Prämien-Regelung unverzüglich nachgebessert werden", so Bühler. Dass bisher nur ein kleiner Teil der Krankenhausbeschäftigten eine Prämie erhalte, sei "ein Armutszeugnis". Die Beschäftigten im Gesundheitswesen "wollen keinen einmaligen Bonus, sondern eine Aufwertung ihrer Berufe und vor allem eine dauerhafte Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen", sagte die Gewerkschafterin. Ganz oben auf der Liste stehe die Forderung nach einer verbindlichen Personalausstattung, die sich am Pflegebedarf orientiert.

Wenn Spahn ein Zeichen setzen wolle, brauche es umgehend ein nachhaltiges Personalbemessungssystem. "Das kann der Bundesgesundheitsminister gleich zu Beginn des neuen Jahres auf den Weg bringen", sagte Bühler.

Spahn hatte am Dienstagabend eine weitere Prämie für das Pflegepersonal in Aussicht gestellt, weitere Einzelheiten dazu jedoch noch nicht genannt. Man müsse sehen, ob es nach der zweiten Ansteckungswelle eine weitere Regelung im nächsten Jahr brauche - auch für einen steuerfreien Bonus, sagte Spahn im ZDF.

Die Bundesregierung hatte im Sommer entschieden, dass Pflegekräfte in Altenheimen sowie Beschäftigte in Kliniken eine einmalige Corona-Prämie in Höhe von 1000 Euro bekommen sollten. Kritiker hatten moniert, dass wegen der Kriterien für die Verteilung der Gelder viele Beschäftigte außen vor bleiben. Berücksichtigt wurden nur Krankenhäuser, die bis zum Stichtag im September durch die Corona-Pandemie besonders belastet wurden. 70 Prozent der Kliniken in Deutschland werden deshalb bei der Prämie nicht einbezogen.

cha/lan