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27 Stunden Streik bei der Lufthansa - 100.000 Passagiere betroffen

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat das Bodenpersonal der Lufthansa zu einem 27-stündigen Warnstreik aufgerufen. Betroffen sind die Flughäfen Frankfurt am Main, München, Hamburg, Berlin und Düsseldorf. (Kirill KUDRYAVTSEV)
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat das Bodenpersonal der Lufthansa zu einem 27-stündigen Warnstreik aufgerufen. Betroffen sind die Flughäfen Frankfurt am Main, München, Hamburg, Berlin und Düsseldorf. (Kirill KUDRYAVTSEV)

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat das Bodenpersonal der Lufthansa zu einem 27-stündigen Warnstreik aufgerufen. Betroffen sind von Mittwoch um 4.00 Uhr an bis Donnerstag um 7.10 Uhr die Flughäfen Frankfurt am Main, München, Hamburg, Berlin und Düsseldorf, wie Verdi am Montag mitteilte. Die Lufthansa kritisierte den Arbeitskampf als "in Länge und Ausmaß völlig unverständlich". Mehr als 100.000 Passagiere seien betroffen.

Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen für die Beschäftigten am Boden in den Konzerngesellschaften Deutsche Lufthansa, Lufthansa Technik, Lufthansa Cargo und weiteren. Verdi gab die Zahl der Mitarbeiter mit rund 25.000 an, die Lufthansa sprach von 20.000.

Laut Verdi hat die Lufthansa in den Verhandlungen bisher ein "völlig unzureichendes Angebot" vorgelegt, das "breit in den Betrieben diskutiert und dabei als unzureichend und spalterisch kritisiert" worden sei. Etwa sei im ersten Jahr eine durchschnittliche Erhöhung von weniger als zwei Prozent angeboten worden. Darüber hinaus sollten Beschäftigte außerhalb der Lufthansa Technik eine geringere Inflationsausgleichsprämie erhalten.

Der Konzern bietet über eine Laufzeit von 36 Monaten zunächst eine Einmalzahlung in zwei Schritten, dann eine Gehaltserhöhung um 200 Euro und zwei prozentuale Lohnerhöhungen um drei Prozent im April 2025 und 2,5 Prozent im April 2026. Außerdem gebe es Budget für weitere drei Prozent "für weitere im Detail auszuarbeitende Themen", wie einen Zuschuss zum Deutschlandticket.

Insgesamt entspreche dies einer angebotenen Entgelterhöhung von über 13 Prozent, erklärte die Lufthansa. Außerdem sollen Arbeits- und Vergütungsbedingungen zwischen Ost und West angeglichen werden. Das Unternehmen verweist auch auf bereits erfolgte Gehaltserhöhungen in Höhe von im Schnitt 11,5 Prozent in den vergangenen 18 Monaten. Doch "noch vor Beginn der eigentlichen Verhandlungen" habe Verdi nun zum Streik aufgerufen, kritisierte Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann

Laut der Gewerkschaft haben die Beschäftigten bei der Lufthansa wegen der Inflation heute dennoch "rund zehn Prozent weniger in der Tasche als noch vor drei Jahren". Und obwohl der Konzern Rekordgewinne einfahre, "soll sich diese Situation mit dem Angebot der Arbeitgeber weiter verschlimmern". Der Streik gebe darauf "eine klare Antwort", erklärte Verdi-Verhandlungsführer Marvin Reschinsky.

Die Lufthansa müsse dem Bodenpersonal die gleichen Erhöhungen zugestehen wie anderen Beschäftigtengruppen. "Dazu gab es am Verhandlungstisch jedoch keine Bereitschaft", fügte Reschinsky hinzu. Für ein Ende des Personalmangels und einen besseren Service brauche es attraktivere Arbeitsbedingungen. "Sollte die Lufthansa das nach diesem ersten Warnstreik nicht einsehen, dann sind die Beschäftigten auch zu längeren Streiks bereit."

Da das gesamte Bodenpersonal von der Wartung bis zur Passagier- und Flugzeugabfertigung zum Warnstreik aufgerufen ist, wird es laut Verdi voraussichtlich "zu größeren Flugausfällen und Verzögerungen kommen". Die Lufthansa sprach von über 100.000 betroffenen Passagieren, derzeit werde an einem Sonderflugplan gearbeitet.

Verdi fordert 12,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 500 Euro monatlich. Bei einer Laufzeit von zwölf Monaten wird zudem eine konzerneinheitliche Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3000 Euro gefordert. Darüber hinaus soll die Schichtarbeit aufgewertet werden. Das Angebot der Lufthansa weicht davon vor allem beim deutlich niedrigeren Sockelbetrag von mindestens 200 Euro sowie der drei Mal so langen Laufzeit von 36 Monaten ab. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 12. Februar angesetzt.

pe/jm