Verletzte bei Schlägerei zwischen Flüchtlingen in Calais

Bei Zusammenstößen zwischen afrikanischen Flüchtlingen in der nordfranzösischen Stadt Calais sind in der Nacht rund 50 Menschen verletzt worden, darunter einer schwer

Bei Zusammenstößen zwischen afrikanischen Flüchtlingen in der nordfranzösischen Stadt Calais sind in der Nacht rund 50 Menschen verletzt worden, darunter einer schwer. Hunderte Sudanesen und Eritreer, die von der Hafenstadt aus nach Großbritannien gelangen wollen, waren den Behörden zufolge in mehrere Schlägereien verwickelt. Die französische Grenzpolizei schlug unterdessen wegen des Zustroms illegaler Einwanderer über Italien Alarm.

Zu einer ersten Schlägerei in Calais war es am Montagabend zwischen etwa hundert Sudanesen und Eritreern bei einer Essensausgabe im Zentrum von Calais gekommen, wie die Präfektur mitteilte. Dabei wurden drei Menschen leicht verletzt, die Polizei schritt ein. Nach dem Essen kam es erneut zu Zusammenstößen, diesmal im Hafengebiet von Calais, die in der Nacht andauerten. Insgesamt wurden demnach 51 Menschen leicht verletzt und ein Mann schwer, der wegen eines Schädeltraumas ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Nach Angaben eines Hafen-Angestellten waren in der Nacht etwa 300 Flüchtlinge an der Schlägerei beteiligt. Schon in der Nacht von Sonntag auf Montag war es in Calais zu Zusammenstößen zwischen Einwanderern in einem Industriegebiet in der Nähe einer Fabrik gekommen, die von hunderten Flüchtlingen besetzt worden war. Dabei hatte es 13 Leichtverletzte gegeben.

Nach Angaben von Hilfsorganisationen in Calais geht es bei den Auseinandersetzungen um "Gebietskämpfe". Zwischen 1200 und 1300 Flüchtlinge seien in der Stadt, die sich inzwischen die Plätze - durch den Tunnel und über den Hafen - nach Großbritannien streitig machten. Véronique Devise vom katholischen Hilfsdienst sprach von einer etwas "explosiven" Stimmung.

Nach Angaben der Präfektur beauftragte die Regierung inzwischen unter anderem die Einwanderungsbehörde, noch in dieser Woche Vorschläge für die Flüchtlingsproblematik in Calais zu machen - vom Asylrecht über Notunterkünfte bis hin zu Rückkehr-Hilfen.

In Calais hausen Flüchtlinge seit Jahren unter teils unmenschlichen Bedingungen, regelmäßig werden ihre Lager geräumt. So wurden Ende Mai drei Lager mit improvisierten Zelten von insgesamt rund 550 Flüchtlingen zerstört. Die Behörden gaben als Grund vor allem die hygienischen Zustände an, in den Lagern war demnach die Krätze ausgebrochen.

Viele illegale Einwanderer kommen über Italien nach Frankreich. In einem Bericht der französischen Grenzpolizei, aus dem die Zeitung "Le Figaro" zitierte, war von einem drastischen Anstieg im ersten Halbjahr die Rede. Das Fehlen von Ausweispapieren oder anderen Hinweisen auf eine Einwanderung über Italien mache eine Rückschiebung dorthin praktisch unmöglich.

Demnach kamen in den ersten sechs Monaten des Jahres 61.591 illegale Einwanderer auf dem Seeweg nach Italien. Im Vorjahreszeitraum seien es nur 7913 gewesen. Neben den Eritreern, die 31 Prozent dieser Flüchtlinge ausmachten, folgten Syrer mit 17 Prozent an zweiter Stelle.

Eritrea zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. In dem afrikanischen Land wird die Bevölkerung brutal unterdrückt, unbezahlte Zwangsarbeit ist weit verbreitet.