Vermieter lässt Bäume fällen: Streit um Wohnungskündigung in Köln-Bayenthal eskaliert

Albert Sünder wehrt sich gegen neuen Eigentümer, der seine Gartenbäume fällen lässt.

Was am Morgen des 10. März auf dem Grundstück an der Ecke Schönhauser Straße und Alteburger Straße passiert ist, nennt Albert Sünder „ein Massaker“.

Seine neuen Vermieter ließen an dem Tag unter Protest der Mieter zahlreiche Bäume fällen, darunter eine alte Kirsche mit prächtig blühender Krone und ein Pflaumenbaum, zur Geburt von Sünders Tochter 1984 gepflanzt. „Das war ein Vogelparadies hier“, sagt der 59-Jährige zwischen abgesägten Stämmen und einem Wall aus Zweigen in seinem Garten.

Es geht ihm aber nicht allein um die Bäume: Die Bewohner sollen mit der Aktion vertrieben werden, glaubt der Maschinenschlosser.

Mieter sollen ausziehen

Fest steht: Das Haus auf dem Grundstück soll abgerissen werden. Der neue Eigentümer erwarb die Villa im August 2015 und hat andere Pläne. Die Stadtverwaltung bestätigt auf Anfrage eine Baugenehmigung für 24 Wohnungen und eine Tiefgarage.

Mit dem Wohnungsamt hat der neue Eigentümer, ein Unternehmen, zudem einen 20 Jahre laufenden Mietvertrag abgeschlossen. Zum 1. September schon sollen Flüchtlinge in den Neubau einziehen.

Eine mit gut einer Million Euro bezuschusste Finanzierung durch die NRW-Bank ist zugesagt. Sünder soll ausziehen, nach 33 Jahren.

Mit ihm seine Untermieter, darunter seine Partnerin, die den Garten 15 Jahre lang gehegt hat. Wie viele Mieter, die aus ihren angestammten Quartieren raus müssen, machen sie sich große Sorgen.

Eine vergleichbar bezahlbare und zentrale Wohnung für die Hausgemeinschaft sei heutzutage kaum noch zu finden, fürchten sie.

Räumungsklage abgewiesen

Der neue Eigentümer kündigt Sünder als Hauptmieter fristlos im Mai 2016. Die Untervermietung sei eine Verletzung des Mietvertrags, argumentiert der Eigentümer-Anwalt. Eine Richterin am Amtsgericht jedoch weist die Räumungsklage im November ab. Das Urteil im Berufungsverfahren steht noch aus.

Sünder erhält zusätzlich eine ordentliche Kündigung. Ende Februar hätten alle Bewohner demnach ausziehen müssen. Die neuen Eigentümer berufen sich auf einen Paragrafen, der eine Kündigung erlaubt, wenn der Vermieter an einer „angemessenen wirtschaftlichen Verwertung“ der Immobilie gehindert wird. Auch diese Begründung will der Mieter erst vor Gericht prüfen lassen. Auf Anfrage dieser Zeitung will sich der neue Eigentümer nicht äußern.

Stattdessen meldet sich ein Rechtsanwalt telefonisch und spricht ohne erkennbaren Anlass von einer „presserechtlichen Prüfung“ der Berichterstattung. Auf im Anschluss per E-Mail gestellte Fragen zur Kündigung antwortet er nicht, mit Verweis auf das laufende Verfahren.

Zweifel an rechtmäßiger Rodung der Bäume

Zur Rodung des Gartens teilt der Anwalt mit, sie sei rechtzeitig angekündigt worden, die erforderlichen Genehmigungen hätten vorgelegen. Sünder hat Zweifel, dass bei ihrer Erteilung alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Laut Stadtverwaltung sei ein Mitarbeiter am 19. Juli 2016 vor Ort gewesen. „Hier war keiner“, sagt Sünder. Die Genehmigung der Stadt listet drei Bäume auf, weist aber auch darauf hin, dass die Arbeiten gestoppt werden müssen, sollten brütende Vögel betroffen sein. Laut Sünder war das erkennbar der Fall.

Was aber noch schwerer wiegen könnte: Er habe den Vermietern, dem Arbeiter und zwei Sicherheitsleuten an besagtem Morgen den Zutritt verweigert, sagt er.

Er zeigt Fotos auf seinem Telefon, auf denen das Tor zum Grundstück zu sehen ist. Es lehnt neben dem Eingang. Sünder sagt, der Eigentümer hätte es aus den Angeln gehoben.

„Der Eigentümer hat kein Hausrecht“

Bei den Polizisten, die er alarmiert, erstattet er Anzeige, unter anderem wegen Hausfriedensbruchs. Die Beamten ließen die Arbeiter vor Ort aber gewähren. In einem Schreiben des Anwalts der Eigentümer an das Gericht heißt es, die Geschäftsführer hätten zum Öffnen durch die Stäbe des Tors gegriffen.

Die gefällten Bäume stellten außerdem eine Gefahr dar, so das Schreiben weiter. Die Fällung zusätzlicher Bäume sei zur Sicherung der einsturzgefährdeten Außenmauer des Gartens notwendig gewesen. Ein Gutachter vor Ort habe das festgestellt. In der Fällgenehmigung der Stadtverwaltung ist davon keine Rede.

Auf Nachfrage wird ausschließlich mit dem Neubau argumentiert. Jürgen Becher, Geschäftsführer vom Mieterverein, sieht den Eigentümer im Unrecht: „Der Eigentümer hat kein Hausrecht“, sagt er zum geschilderten Fall. Der Garten gehöre zum Mietobjekt.

Das Vorgehen insgesamt wirke, als solle den Mietern „das Wohnen verleidet werden“. Dabei rechnet er durchaus mit guten Chancen, die ordentliche Kündigung vor Gericht durchzusetzen.

Ein genehmigter Neubau und eine Begründung, warum im vermieteten Zustand zu wenig Einkünfte zu erzielen sind, hält er für aussichtsreiche Argumente. „Das ist sicher nicht erfreulich“, sagt er aus Mietersicht....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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