Vermutlich "Zombie-Brände" in der Arktis entdeckt

„Zombie-Brände“ - das sind Feuer aus dem Vorjahr, die während des Winters unter der Oberfläche weiterschwelen und im Frühjahr erneut ausbrechen. Sie wurden jetzt vermutlich in der Arktis entdeckt.

Der "Wetterraum" im des "Kopernikus-Atmosphärenüberwachungsdienst". Hier werden Daten, auch zu Zombie-Bränden dargestellt. (Foto: Andrew Brookes / ECMWF)

Unsterbliche Flammen: Es gibt Feuer, die verlöschen über Monate oder gar Jahre nicht. Sie schwelen den Winter über unbemerkt im Untergrund und flammen im Frühjahr, wenn es wärmer und trockener wird, wieder auf. Ein Gebiet, in dem solche „Zombie-Brände“ vorkommen, ist die Arktis – rund um den nördlichen Polarkreis.

Er umfasst beispielsweise Teile Kanadas, Grönlands, Russlands und Skandinaviens. Dort könnten jetzt, so berichtet es der „Kopernikus-Atmosphärenüberwachungsdienst“ – ein Dienst der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) – solche „Zombie-Brände“ aus dem Winterschlaf erwacht sein. Mithilfe von Satelliten werden die Brände nun überwacht.

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Der größte Brand, den der Planet je erlebt hat

Im Gespräch mit dem Online-Medium Mashable sagt Thomas Smith, Assistenzprofessor für Umweltgeographie an der London School of Economics, über den Begriff der „Zombie-Brände: „Er beschreibt sehr genau, wie sich diese Feuer verhalten. Sie erholen sich und sind sehr schwer zu töten.“

Im April wurde beispielsweise in der Nähe von Willow, in Alaska, ein noch schwelendes Feuer entdeckt. Es war im August vergangenen Jahres ausgebrochen und brennt seither vor sich hin. Solche „überwinternden“ Brände gibt es meist in Folgejahren, nachdem es großflächig und heftig gebrannt hat. Wie vergangenes Jahr in der Arktis, als dort wochenlang über 100.000 Hektar brannten – die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb damals von dem „wohl größten Brand, den der Planet je erlebt hat“.

In den Randgebieten dieses Vorjahresfeuers entstehen könnten nun neue Feuer entstehen. Thomas Smith sagt: „Es deutet alles darauf hin, dass Feuer aus 2019 überlebt haben und nun die trockene Vegetation entzünden könnten.“ Sicher sei aber nicht, ob alle Feuer, die jüngst vom „Kopernikus-Atmosphärenüberwachungsdienst“ erfasst wurden, „Zombie-Brände“ seien. Smith sagt, sie könnten auch aus landwirtschaftlichen Zwecken und damit absichtlich gelegt worden oder aus Versehen entstanden sein.

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Besonders trockene Vegetation wegen Hitzewellen in Sibirien und Russland

Wenn es sich aber wirklich um Überreste der gigantischen Brände von 2019 handeln würde, so schreibt die ESA in einer Pressemitteilung von diesem Mittwoch, könnte das zu einem kumulativen Effekt führen und in erneuten, jedoch stärkeren und großflächigeren, Bränden in denselben Arktis-Regionen gipfeln.

Zwar kommt es dort immer wieder zu Bränden, doch nicht in dem nun befürchteten Ausmaß. Dazu sagt Smith: „Es könnte dazu noch eine ziemlich lange Brandsaison werden.“ Das liege an der besonders trockenen Vegetation – aufgrund der jüngsten Hitzewellen in Sibirien, wo durchschnittlich Temperaturen von über 40 Grad Celsius herrschten und dem heißesten russischen Winter seit Jahren.

Große Herausforderung für die Zukunft

Weil sich die Arktis aufgrund der globalen Erwärmung immer weiter aufheizt, erwarten Forschende dort in Zukunft häufiger „Zombie-Brände“. Weil die Gegend riesig und teilweise menschenleer ist, dazu die Feuer an entlegenen Orten ohne Straßen oder Wege ausbrechen, ist es eine große Herausforderung, sie unter Kontrolle zu halten oder gar zu löschen.

Das wird jedoch eine der großen Herausforderungen für die Zukunft sein. Denn die Brände in der Arktis fressen sich nicht nur durch Waldgebiete, sondern verbrennen auch großflächig Torf – dabei werden riesige Mengen klimawirksames Methan freigesetzt. Das wirkt 25-fach stärker bei der Erderwärmung als Kohlendioxid. Dieses selbstverstärkende System gilt es, aufzuhalten. Denn wird es wärmer, erzeugt das trockenere Vegetation und damit mehr Brände, die mehr Wälder und Torfgebiete verbrennen und damit mehr Methan und Kohlendioxid freisetzen.

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