Versagen der Behörden: Die unfassbare Geschichte des Scheiterns im Fall Anis Amri

Hätten die Berliner Behörden Anis Amri vor dem Anschlag aus dem Verkehr ziehen können? Ein Sonderermittler prüft das ab heute.

Die Blumen liegen noch immer an der Gedächtniskirche. Stumme Zeugen der Trauer, Zeichen der Erinnerung, Mahnungen, angesichts der Schreckenstat, die sich hier ereignete, nicht zur Tagesordnung überzugehen. Vier Monate ist es her, dass der damals 23 Jahre alte Anis Amri in eine Menge von Menschen raste, die auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz den Tag ausklingen lassen wollten. Zwölf Marktbesucher fanden an diesem 19. Dezember 2016 den Tod. 67 wurden verletzt.

Den deutschen Sicherheitsbehörden war Anis Amri schon vor seiner Todesfahrt bestens bekannt. Hätten sie den Anschlag verhindern können? Auf diese Frage sucht ab sofort der vom Senat eingesetzte Sonderermittler Bruno Jost eine Antwort. Der frühere Bundesanwalt soll volle Akteneinsicht erhalten, an keinerlei Weisungen gebunden sein und bis zur Sommerpause einen Zwischenbericht vorlegen.

Die Erwartungen an den Juristen sind hoch. Denn die bisherigen Versuche, die Arbeit der Behörden in den regulären Ausschusssitzungen aufzuarbeiten, verliefen schleppend. Vor allem die Polizei musste sich den Vorwurf gefallen lassen, relevante Erkenntnisse erst dann zu bestätigen, wenn sie – etwa durch Recherchen von Journalisten – ohnehin schon bekannt waren.

Der LKW trug bei seiner tödlichen Fahrt über den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz sichtbare Schäden davon. Hier wird das Fahrzeug abtransportiert. Britta Pedersen / dpa Polizisten sichern den Tatort an der Gedächtniskirche am Morgen nach dem Anschlag. Britta Pedersen / dpa Der LKW am Breitscheidplatz. Britta Pedersen / dpa Noch immer herrscht Fassungslosigkeit angesichts des Anschlags mit einem LKW. Michael Kappeler / dpa Der Laster war mit hoher Geschwindigkeit über den Markt gefahren, erfasste Menschen und Weihnachtsmarktstände. Thomas Peise Der Laster kam erst nach Dutzenden Metern zum Stehen. Thomas Peise Einsatzkräfte kümmerten sich um die Verletzten am Weihnachtsmarkt. Thomas Peise Der Sattelzug hinterließ eine Spur der Verwüstung. Johanna Ewald Er war durch eine Gasse zwischen den Buden gerast, die als Rettungsgasse und Laufweg dienen sollte. BM Die Polizei hat den Breitscheidplatz unmittelbar nach dem Anschlag am Montagabend weiträumig abgesperrt. BM Zahlreiche Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr rasten zum Einsatzort. Feuerwehrleute kümmern sich um Verletzte. Thomas Peise Die Rettungskräfte versorgten Dutzende Verletzte und brachten sie in umliegende Krankenhäuser. Thomas Peise Rettungskräfte von Feuerwehr und Polizei kümmern sich um eine Betroffene. Thomas Peise Der Laster drückte auch diese Bude ein. Thomas Peise Der Laster hatte zahlreiche Besucher des Weihnachtsmarktes überrollt und erfasst. Zwölf Menschen starben, 48 weitere wurden verletzt. Thomas Peise Einsatzkräfte bauen am Rande des Weihnachtsmarktes ein Zelt ab, indem sie zuvor Verletzten erste Hilfe geleistet hatten. Thomas Peise Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Innensenator Andreas Geisel (SPD) treffen am Breitscheidplatz ein. Thomas Peise Michael Müller und Andreas Geisel geben Interviews. Die Bestürzung ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Thomas Peise Der Lkw auf dem Weihnachtsmarkt. An der Budapester Straße war er zum Stehen gekommen. dpa/Paul Zinken

FDP und AfD im Berliner Abgeordnetenhaus haben die Einsetzung des Sonderermittlers kritisiert. Klarheit müsse man im Lichte der Öffentlichkeit schaffen und nicht im stillen Kämmerlein, sagte etwa der FDP-Innenexperte Marcel Lu­the. Mit der Forderung, e...

Lesen Sie hier weiter!

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen