Verschollene Uniformjacke nach Sturm "Sandy" entdeckt

Richmond (dapd). Ein Gefühl der Schwermut überkam Donna Gugger, als sie den Schutt von der Küste von New Jersey auflas. Noch Wochen nach Megasturm "Sandy" glich der Strand einer Trümmerlandschaft: Zertrümmerte Möbel und Metallstücke lagen herum; hier und da ragten von Terrassen gefegte Stühle und aus Kommoden geschleuderte Jeans aus dem Sand. Ein graues Stoffbündel mit leuchtenden Messingknöpfen machte Gugger jedoch stutzig.

Auf den ersten Blick musste sie an ein etwas zu protzig geratenes Halloweenkostüm im Stil der knallbunten Jacken auf dem Sgt.-Pepper-Album der Beatles denken. Dann sah Gugger ein zweites Mal hin, zog vorsichtig am Stoff und staunte.

Es war kein Kostüm. Es war ein 80 Jahre alter Uniformrock, der dem inzwischen verstorbenen Kriegshelden Chester deGavre gehörte. 1933 ging er von der renommierten US-Militärakademie West Point ab. Schon in seinem Jahrbuch wurde er als ein Soldat mit einem "Herzen wie einem stürmischen See" beschrieben. Bevor er 1993 im Alter von 85 Jahren starb, diente deGavre als Brigadegeneral. Während des Zweiten Weltkriegs hatte er einem der ersten US-Fallschirmjägerbataillone angehört und 1944 als Generalstabschef an der Luftinvasion Südfrankreichs teilgenommen.

Die Reise der Uniformjacke ist so rätselhaft wie ihre Geschichte. Niemand weiß, wie sie ihren Weg von deGavres Haus an der rund 160 Kilometer entfernten Ostküste Virginias Haus zum Ufer von Jersey fand. Und seine Witwe Tita deGavre wusste noch nicht einmal, dass es die Jacke überhaupt gibt. Als Gugger ihr die Jacke vor einigen Tagen persönlich überbrachte, war sie sprachlos. "Ich hätte es nicht für möglich gehalten", sagte deGavre. "Wo ist sie die ganze Zeit über gewesen?"

Für die 98-Jährige ist das Kleidungsstück natürlich weitaus mehr als nur ein verschollenes Relikt, das nun wieder aufgetaucht ist. Es ist ein Stück von ihrem Ehemann, das sie in Ehren halten will. Neben einigen der Uniformen und Militärauszeichnungen an der Wand soll die Jacke nun ihren neuen Platz finden.

Unterdessen geht das Rätselraten weiter. Auch Chester deGavres früheres Elternhaus in Red Bank, das weniger als 16 Kilometer vom Fundort der Jacke entfernt liegt, liefert keine heiße Spur. So wurde das Anwesen im Laufe der Jahre schon oft verkauft. "Jemand muss sie (die Jacke) wohl mit größter Sorgfalt verwahrt haben", mutmaßt Tita deGavre. "Ob das Haus ihres Besitzers von 'Sandy' weggefegt wurde, kann ich nicht sagen."

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Für Gugger ist ihr Fund vor allem ein Symbol des Aufbruchs und der Hoffnung in einer von Kummer und Leid geprägten Region. Mit einigen Mitgliedern eines örtlichen Yachtclubs hatte sich die 48-jährige Pharmazeutin zusammengetan, um sich nach dem Sturm an den Aufräumarbeiten zu beteiligen. "Ich sah Jeans, Jacken, Stühle, Rucksäcke - alles Mögliche", erzählt Gugger. "Aber dass inmitten all der Zerstörung und Traurigkeit etwas so Gutes in all dem Schutt zu finden sein könnte, machte mich überglücklich."

Guger nahm die Jacke erst einmal mit nach Hause, schüttelte den Sand aus und wusch sie. Beim näheren Hinsehen bemerkte sie die aufgestickten Worte "West Point" und "Für deGrave" im Innenfutter. Sie setzte sich mit dem Absolventenverband der Militärakademie in Verbindung, der das Kleidungsstück aufbewahrte und schließlich die Familie von deGavre ausfindig machte.

Die mit kunstvollen Quasten geschmückte Jacke habe sich seit ihrer Einführung an der Akademie im Jahr 1816 kaum verändert, sagte der pensionierte Oberst Chris Needels, ein Familienfreund der deGavres. So werde sie auch heute noch bei formalen Anlässen und Paraden getragen.

Wie die wertvolle Jacke an die Küste von Jersey geweht wurde, wird für Gugger immer ein Rätsel bleiben. "Es ist ein Wunder und Geheimnis, wie sie auf dem Strand landete und ich sie dann auflas. Es geht nicht so sehr um die Jacke als um die Reise."

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