Versicherte sollen mit Smartphone auf Patientenakte zugreifen können

Bundesgesundheitsminister Spahn

Wie auf das Bankkonto sollen gesetzlich Krankenversicherte in Zukunft mit dem Smartphone oder Tablet auf ihre elektronische Patientenakte zugreifen können. Diesen Service sollen die Kassen nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) spätestens 2021 anbieten müssen. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Montag kündigte Spahn noch für diesen Monat entsprechende Vorgaben an.

Die Bundesregierung will die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorantreiben. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, noch in dieser Wahlperiode eine elektronische Patientenakte (ePA) für alle Versicherten einzuführen. Auf diese Weise sollen beispielsweise Notfalldaten oder der Medikationsplan bereitgestellt werden.

"Versicherte sollen auch auf Tablets und Smartphones auf ihre elektronische Patientenakte zugreifen können", sagte Spahn der "FAZ". "Das ist nicht das Ende der elektronischen Gesundheitskarte, aber eine zusätzliche, patientenfreundliche Option." Der Versicherte solle wie beim Online-Banking mit PIN und TAN einfacheren Zugriff auf seine eigenen Daten bekommen.

Die Kassen, die mit den Neuerungen nicht bis Ende 2020 warten wollten, würden jetzt die "notwendige Rechtssicherheit" bekommen, sagte Spahn weiter. Die Maßnahmen sollen demnach in den kommenden Wochen gesetzlich auf den Weg gebracht werden.

Der Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK) begrüßte die Ankündigung. "So bekommen Kassen endlich Rechtssicherheit, eine ePA anbieten zu können", erklärte der Vorstand des BKK Dachverbandes, Franz Knieps. Versicherte und Patienten seien im Gesundheitswesen derzeit mit einer "Zettelwirtschaft" konfrontiert. "Sie können die meisten Dinge des Alltags wie etwa Online-Banking und Reisebuchungen mit ihrem Smartphone erledigen und wollen im wichtigen Bereich der Gesundheit nicht von der Digitalisierung abgekoppelt sein."

Die FDP warf der Bundesregierung vor, das Thema elektronische Patientenakte verschlafen zu haben. "Wir brauchen dringend einen Rahmen, um den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen zu regeln", forderte die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus. "Dabei ist es wichtig, dass die Patienten selbst entscheiden, ob und welche ihrer Daten gespeichert werden dürfen."

Auch die Grünen forderten, die Versicherten müssten über die Akten bestimmen können. "Nötig sind einheitliche Bedingungen für alle von der gesetzlichen Krankenversicherung finanzierten elektronischen Akten", erklärte die Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink. "Die künftige Akte gehört in die Hände der Patientinnen und Patienten. Wer die Kasse wechselt, muss seine Patientenakte ohne Probleme mitnehmen können."