Verurteilter bosnischer Kroatenführer erneut vor UN-Tribunal

Der ehemalige bosnische Kroatenführer Jadranko Prlic hat am Montag vor dem UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien Berufung gegen seine 25-jährige Haftstrafe eingelegt. Er sei nicht Teil der Befehlskette gewesen, sagte Prlic vor fünf Richtern des Tribunals in Den Haag und fügte hinzu, die Kroaten seien im Bosnien-Krieg zu ihrer Verteidigung "gezwungen" gewesen. Fünf ehemalige Mitangeklagte, die zeitgleich mit Prlic zu Haftstrafen zwischen zehn und 20 Jahren verurteilt wurden, legten ebenfalls Berufung ein.

Prlic war im Mai 2013 wegen der Ermordung und Vertreibung von Muslimen im Bosnien-Krieg zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Der heute 57-Jährige war damals Präsident der selbsternannten bosnisch-kroatischen Republik Herceg-Bosna.

Prlics Anwalt Michael Karnavas warf dem Gericht eine "absichtliche Vernachlässigung von Beweisen, eine niederträchtige Missachtung der Umstände" sowie Parteilichkeit vor. Die Vertreterin der Anklage, Katrina Gustafon, sagte, die "Verschwörungstheorie" sei zentraler Bestandteil von Prlics Berufungsverfahren. Das Urteil soll dem UN-Tribunal zufolge in November fallen.

Der Bosnien-Krieg (1992-1995) kostete mehr als 100.000 Menschen das Leben, 2,2 Millionen Menschen wurden vertrieben. Zwar standen sich im Bosnien-Krieg überwiegend bosnische Muslime und bosnische Serben gegenüber, allerdings gab es zeitweise auch heftige Kämpfe zwischen bosnischen Muslimen und bosnischen Kroaten.

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