Verwirrung um Luftangriff in Nordsyrien mit 49 Toten

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Suche nach Opfern in Al-Dschineh

Die USA haben die Verantwortung für einen Luftangriff auf eine Moschee in Nordsyrien mit fast 50 Todesopfern zurückgewiesen. Die Kampfjets hätten nicht die Moschee, sondern ein nahe gelegenes Gebäude mit Dutzenden Al-Kaida-Führungsmitgliedern bombardiert, erklärte das US-Verteidigungsministerium am Freitag. Nach Angaben von Aktivisten wurden bei dem Angriff im Dorf Al-Dschineh 49 Menschen getötet, die meisten von ihnen waren demnach Zivilisten.

Pentagon-Sprecher Jeff Davis zeigte ein Schwarz-Weiß-Foto und sagte dazu, die Moschee stehe noch. "Die Moschee ist relativ unbeschädigt", sagte er. Das Bombardement habe eindeutig das anvisierte Ziel getroffen, das vom Pentagon seit einiger Zeit überwachte Gebäude. Dabei seien "einige" der Al-Kaida-Mitglieder getötet worden. Es gebe "keine glaubwürdigen Informationen", dass bei dem Angriff Zivilisten getötet worden seien.

Ein anderer Sprecher des US-Verteidigungsministeriums sagte, das bei dem Angriffe zerstörte Gebäude habe als Treffpunkt für Al-Kaida-Anführer und Ausbildungsstätte für Dschihadisten gedient.

Das 30 Kilometer westlich der Großstadt Aleppo gelegene Al-Dschineh wird nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte vollständig von bewaffneten Rebellen kontrolliert, die für den Sturz des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad kämpfen. Es gebe dort keine Dschihadisten. Diese befänden sich in anderen Gebieten der Provinz Aleppo und in der Nachbarprovinz Idlib.

Das zuständige US-Zentralkommando (Centcom) hatte zuvor erklärt, Ziel des Angriffs vom Donnerstagabend sei ein Treffen von Al-Kaida-Mitgliedern in einem etwa 15 Meter von einer Moschee entfernten Gebäude gewesen. Auf der Luftaufnahme, die Pentagon-Sprecher Davis zeigte, war neben der Moschee ein schwer beschädigtes Gebäude zu sehen. Das Centcom ist das Zentralkommando der US-Truppen im Nahen und Mittleren Osten.

In der Centcom-Erklärung hieß es, dass die "US-Streitkräfte einen Luftangriff auf eine Versammlung von Al-Kaida in der Provinz Idlib ausgeführt haben, bei dem mehrere Terroristen getötet wurden". Centcom-Sprecher John Thomas stellte später klar, dass der genaue Ort des Luftangriffs unklar sei. Es handele sich aber wohl um denselben Angriff, der die Moschee im Dorf Al-Dschineh in der Nachbarprovinz Aleppo getroffen habe.

Die Beobachtungsstelle erklärte, bei Luftangriffen auf die Moschee seien mindestens 49 Menschen getötet und mehr als hundert weitere verletzt worden. Die Moschee sei während des Abendgebets getroffen worden. Die meisten der Opfer seien Zivilisten.

Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Für Medien sind ihre Angaben zumeist kaum zu überprüfen. Ein AFP-Reporter in Al-Dschineh sah Rettungskräfte, die sich durch die Trümmer eines Gebäudes gruben, das auf einem Schild als Moschee gekennzeichnet war. Demnach wurde das Gebäude weitgehend zerstört. Direkt angrenzend befand sich eine ältere Moschee, die weniger schwer beschädigt wurde.

Sowohl die syrischen Streitkräfte und ihre russischen Verbündeten als auch die US-geführte Anti-IS-Koalition fliegen Luftangriffe in Nordsyrien. Seit Ende Dezember gilt in Syrien eine landesweite Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierung, die jedoch von beiden Seiten nicht eingehalten wird. Der Kampf gegen Dschihadistengruppen wie Al-Kaida ist von der Waffenruhe ausgenommen.

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