Kehrtwende in Den Haag

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Der ehemalige kroatische General Ante Gotovina ist vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überraschend freigesprochen worden. Im Berufungsverfahren erklärten die Richter die Verurteilung Gotovinas mangels klarer Beweise für unrechtmäßig und ordneten die sofortige Freilassung an. Das UN-Tribunal sah es nicht als erwiesen an, dass der kroatische General während einer Militäroffensive zur Rückeroberung der Region Krajina im Jahr 1995 Krankenhäuser und andere zivile Ziele angreifen ließ. Ebenfalls freigesprochen wurde der mitangeklagte Polizeikommandeur Mladen Markac.

Vor dem Gebäude wurde das Urteil mit Freudengesängen aufgenommen - hier die Frau von Mladen Markac im Kreise von Unterstützern. Aber das war nichts im Vergleich zur Reaktion in Zagreb, wo das Urteil auf einem zentralen Platz live übertragen wurde. Gotovina wird von vielen Kroaten als Kriegsheld verehrt. Ivica Borisic, Kriegsveteran:

O-Ton Ivica Borisic:

"Gott sei Dank - was passieren sollte, ist passiert! Wir haben unser Kroatien verteidigt und unsere Generäle wurden vor Gericht gestellt. Ich hoffe, dass das kroatische Volk nun sieht, dass wir nicht Teil einer kriminellen Unternehmung waren."

Der kroatische Regierungschef Zoran Milanovic äußerte sich nach dem Urteil zurückhaltender:

O-Ton Zoran Milanovic:

"Offenbar sind diese beiden Männer unschuldudig, aber das heißt nicht, dass der Krieg nicht schwierig, blutig und gerecht war, soweit Kroatien betroffen ist. Es wurden Fehler gemacht in dem Krieg, Fehler, für die der Staat Kroatien letztendlich verantwortlich ist, nicht Gotovina oder Markac."

Serbien kritisierte dagenen die Freilassung der beiden Männer scharf. Das UN-Tribunal habe mit dieser Entscheidung jegliche Glaubwürdigkeit verloren, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Rasim Ljajic.

Der überraschende Freispruch ist die bislang spektakulärste Kehrtwende in der fast 20-jährigen Geschichte des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag. In dem ersten Prozess war Gotovina zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Markac hätte 18 Jahre hinter Gittern gesollt.

Gotovina und Markac wurden noch am Freitag zurück nach Kroatien geflogen.

ORT: DEN HAAG (NIEDERLANDE), ZAGREB (KROATIEN), BELGRAD (SERBIEN)

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