Papst-Geburtsort Marktl von Rücktritt überrascht

Reuters DE Videos11. Februar 2013


Kaum war die Nachricht vom Papst-Rücktritt in der Welt, strömten die Journalisten schon in den Geburtsort von Benedikt XVI, ins bayerische Marktl am Inn. Schon als Joseph Ratzinger 2005 zum Papst gewählt wurde, erfuhr das 2700-Seelen-Dorf einen gigantischen Ansturm. Anfangs kamen jährlich 200 000 Neugierige in den Ort, mittlerweile sind es immer noch

rund die Hälfte.

Die Menschen in Marktl haben der Amtzeit von Benedikt XVI. viel zu verdanken, auch wirtschaftlich. Dass er jetzt zurücktritt hat den Bürgermeister des Ortes Hubert Gschwender überrascht. Jetzt wünscht er dem berühmtesten Sohn des Ortes alles Gute.

"Ja, ich wünsche ihm Gesundheit vor allen Dingen und die Ruhe und die Muße, dass er das tut, was er schon immer gern getan hat: Lesen und Schreiben und Philosophieren. Ich werde ihm sicher einen Brief schreiben und überlegen, ganz genau überlegen, was da rein kommt, aber mich freut es, dass er jetzt auch ein bisschen Ruhe hat."

Der Rücktritt von Benedikt dem XVI. sei für Marktl ein großer Verlust, sagt Pfarrer Josef Kaiser:

"Wir sind traurig darüber natürlich, weil er ist einer von uns. Wir können nichts dafür, hab ich schon so oft gesagt. Er ist nicht nur ein deutscher Papst nach 500 Jahren, oder was, sondern ein Marktler, ein Bayer und ein Marktler. Er spricht unsere Sprache, meine Sprache. Wenn man ihn trifft, dann ist das ein Kontakt, das ist wunderbar."

Überraschung aber auch Verständnis bei den anderen Menschen, die am Tage der Rücktritts-Ankündigung nach Marktl gekommen sind.

"Also ich habe heute diesen Rücktritt gesehen. Und ich war ein bisschen erschüttert, in welchem Zustand er ist. Er ist wirklich nicht gut beieinander. Und dafür tut´s mir leid. Das ändert nichts daran, dass ich ein sehr zwiespältiges Verhältnis zur katholischen Kirche habe."

"Also etwas erschrocken bin ich schon. Als er gewählt wurde habe ich gedacht, ein Südafrikaner hätte dran gemusst, ein Amerikaner. Aber ich habe gesagt, gib ihm eine Chance. Und jetzt bin ich ganz erschrocken, dass er sagt, ich gehe vorher."

Dass nach dem Papst-Rücktritt weniger Besucher nach Marktl kommen werden, befürchtet kaum einer.

Erfahrungen aus dem polnischen Geburtsort von Papst Johannes Paul II sprechen dagegen.

Allein rund 15.000 Menschen pro Jahr sehen sich das zum Museum umgebaute Geburtshaus-Haus des Papstes von innen an.

ORT: MARKTL

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen