Viel Beifall für CeBIT-Neuausrichtung - und leise Zweifel

Die CeBIT soll künftig wieder stärker für Privatbesucher geöffnet werden und deutlich später im Jahr beginnen. Foto: Friso Gentsch

Die geplante Radikalkur für die Technologiemesse CeBIT erhält große Zustimmung aus der Digitalwirtschaft - sorgt aber auch für Überraschung.

Die Deutsche Telekom sieht die Neusausrichtung als richtigen Schritt an, will die eigene Teilnahme ab 2018 aber vom Konzept abhängig machen. Für Hewlett Packard Enterprise Deutschland ist es eine Chance, private Besucher mit einzubeziehen - es gebe keine andere Messe, die die Debatte über die Folgen der Digitalisierung in der Gesellschaft so breit führe, sagte Sprecher Patrik Endlund. Der IT-Sicherheitsspezialist Secusmart reagierte dagegen überrascht.

Secusmart-Sprecherin Swenja Hintzen sagte, sie habe geglaubt, einem Aprilscherz aufgesessen zu sein. Sie sei «sehr überrascht», dass das vor einigen Jahren schon einmal neu ausgerichtete Konzept mit Ausrichtung auf Geschäftskunden verworfen werde.

Für Secusmart, Anbieter von sicherer Kommunikationstechnik, stelle sich die Frage, ob mit dem neuen Termin im Sommer die eigene Zielgruppe, nämlich die Behörden, noch erreicht werde. Stefan Rojacher von Kaspersky Lab erklärte: «Die starke rückläufige Entwicklung der vergangenen Jahre und eine Verwässerung eines eindeutigen Messekonzepts machen es derzeit schwer, an einen erfolgreichen Neustart der CeBIT zu glauben.»

Nach Angaben der Deutschen Messe waren alle im Messeausschuss vertretenen Unternehmen, darunter beispielsweise Vodafone oder Intel Deutschland, in die Neukonzeption eingebunden. Die CeBIT soll künftig wieder stärker für Privatbesucher geöffnet werden und deutlich später im Jahr beginnen - die nächste CeBIT ist für Sommer 2018 (11. bis 15. Juni) geplant. Außerdem wird die Technologie-Schau um einen Tag verkürzt.

Beifall für die Pläne kam vom Vorstand der Deutschen Telekom, Reinhard Clemens, der die Neuausrichtung «richtig und konsequent» nannte. Sprecher Harald Lindlar kündigte an, die Telekom werde im Sommer in Workshops mit der Messegesellschaft zusammenarbeiten. Vom Ergebnis hänge die Teilnahme 2018 ab. Der Sprecher sagte, es habe den festen Plan gegeben, die eigene Messestrategie zu überdenken. Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter sagte: «Je klarer sich die CeBIT mit diesem neuen Konzept positioniert, desto sicherer ist ihre Zukunft.»

Intel-Deutschland-Geschäftsführer Christian Lamprechter betonte: «Das Konzept der neuen CeBIT ist passgenau auf die Anforderungen des Marktes und der Branche zugeschnitten.» Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernard Rohleder sieht die die Zeit für tiefgreifende Veränderungen gekommen. Das neue Konzept der Messe biete die Chance auf mehr Dialog: «So kann sie gleichzeitig Orientierungspunkt, Leuchtturm der digitalen Transformation und Plattform für den Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sein.»

Auch im an Bedeutung gewinnenden Drohnen-Segment der Messe gibt es Zustimmung. Jörg Schamuhn, Europachef eines der weltweit größten Drohnen-Herstellers, Yuneec, sagte: «Für uns ist das eine sehr positive Änderung. Es ist wichtig, dass sich die CeBIT zeitlich ein wenig vom Mobile World Congress in Barcelona absetzt - und wenn wir unsere Produkte bei sommerlichem Wetter auch noch im Freien präsentieren können, ist das aus meiner Sicht gut.»

Der deutsche Netzwerk-Ausrüster Lancom ist froh, dass die CeBIT nicht abgeschafft wurde: «Wir werden sie auf jeden Fall ausprobieren», sagte Pamela Krosta-Hartl. Die Verschiebung in den Sommer gebe Lancom die Möglichkeit, über eine Teilnahme am Mobile World Congress Ende Februar nachzudenken. «Für uns wird wichtig sein, dass der Business-Bereich nicht untergeht im Festival-Charakter», betonte sie. Es habe sich abgezeichnet, dass sich etwas ändern müsse: «Wir hoffen, dass die Veranstalter den richtigen Riecher haben und die CeBIT auch etwas vom früheren Glanz zurückgewinnt.»

Secusmart-Sprecherin Hintzen hätte dagegen dem bisherigen Messekonzept gerne noch ein bis zwei Jahre Zeit gegeben. Zwar begrüße sie die Verkürzung um einen Tag, findet den Strategiewechsel aber «etwas panisch».

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