Wie viel "Jacko" steckt in Paris Jackson?

John Fasnaugh
·Lesedauer: 4 Min.

Lässt sich ein Jahrhunderttalent vererben? Paris Jackson, die Tochter des "King of Pop" Michael Jackson, hat mit "Wilted" ihr erstes Album veröffentlicht.

Paris Jackson
Mit 22 Jahren hat Paris Jackson ihr Debütalbum "Wilted" veröffentlicht. (Bild: © 2020 Dragonflower Enterprises, LLC / Republic Records)

Mit 22 Jahren veröffentlicht Paris Jackson ihr Debütalbum. In dem Alter hatte ihr Vater schon fünf Solo-Platten aufgenommen, Millionen Tonträger verkauft und gerade seinen ersten Grammy gewonnen. Mit 22 Jahren war er also längst ein Superstar. Sicher, es ist nicht fair, Paris und Michael Jackson zu vergleichen. Er wurde mit einer One-in-a-Million-Stimme in eine brutale Pop-Maschine hineingeboren und schon als Kleinkind auf unbedingten Erfolg getrimmt, sie hingegen wuchs als maximal behütete Tochter des "King of Pop" auf. Die Voraussetzungen könnten unterschiedlicher kaum sein. Aber vielleicht gibt es ja auch gemeinsame Nenner? Wie viel "Jacko" steckt in Paris Jackson?

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Über das biologische Verhältnis von Michael und Paris Jackson wurde immer wieder spekuliert. Insider behaupten, es gebe kein biologisches Verhältnis, und auch Jacksons ehemaliger Leibarzt Conrad Murray erklärte einmal vielsagend, den "wahren" Ursprung der "Jacko"-Nachkömmlinge zu kennen. Die offizielle Version lautet: Paris ist (wie ihr Bruder Michael Joseph, genannt Prince) das gemeinsame Kind von Michael Jackson und dessen zweiter Ehefrau Debbie Rowe. Das dritte Kind, Prince Michael Jackson II. ("Blanket"), wurde von einer anderen Frau ausgetragen, deren Identität bis heute nicht bekannt ist.

Prince, Blanket und Paris Jackson
Michael Jacksons Kinder: Michael Joseph, genannt Prince, Prince Michael Jackson II. ("Blanket") und Paris Jackson. (Bild: © 2020 Dragonflower Enterprises, LLC / Republic Records)

Geht man mit der offiziellen Version, so hat Paris nichts von ihrem Vater geerbt, das man sofort sehen oder hören könnte. Sie ist weiß, und sie ist definitiv keine Ausnahmesängerin. Ob sie tanzen kann, weiß man nicht. Was nicht heißt, dass es da keine guten Anlagen gäbe. Die attraktive junge Frau besitzt eine warme, wohlklingende Stimme, in der aber auch immer ein wenig Melancholie mitschwingt und die wunderbar zu der Musik passt, die man auf "Wilted" hört. Akustikgitarren, Schellen, verträumter Folk, ein bisschen Alternative-Pop: Diese Musik ist ansprechend, aber völlig anders als alles, was man von Michael Jackson kennt.

Persönlich und authentisch

Die Lieder der Jackson 5, die Musik auf "Off The Wall", "Thriller", "Bad", "Dangerous" - all das war immer für die große Bühne gedacht. Die Songs wurden so konzipiert und performt, dass sie möglichst viele Menschen berühren und begeistern. Immer noch größer, immer noch spektakulärer. In den Songs von Paris Jackson findet sich nichts, das so ein Entertainment-Verständnis andeuten würde. Für sie ist Pop offenbar kein großer leerer Raum, in den man die universellen Wünsche und Sehnsüchte der Weltbevölkerung projiziert, sondern eine Möglichkeit, sich als Person glaubhaft auszudrücken. Dazu gehören in diesem Fall auch Schatten und Abgründe.

Paris Jacksons zuletzt veröffentlichte erste Single "Let Down" ist ein schwermütiges Trennungslied, zu dem ein blutiges Musikvideo im Gothic-Stil gedreht wurde. Der Albumtitel "Wilted" bedeutet übersetzt "welk", und tatsächlich zeichnet Paris Jackson in ihren Texten auch Bilder von verwelkenden Blumen - und auch von Knochen, die zu Staub zerfallen. In "Eyelids" singt sie: "Cut my eyelids so I can't see you float out the door". Diese Musik ist wenig geeignet, um die Laune zu heben, und zum Tanzen animiert sie erst recht nicht. Sie fühlt sich aber tausendmal persönlicher als alles, was man je von Michael Jackson gehört hat - und ist vielleicht auch authentischer.

Das Aufwachsen in einem goldenen Käfig, öffentliche Auftritte mit verhülltem Gesicht, der tragische Tod ihres Vaters (damals war sie elf Jahre alt) - und dann noch all die negativen Schlagzeilen, die seither entstanden sind: Das hinterlässt Spuren, die Paris Jackson auch nicht verstecken möchte. In Interviews räumte sie bereits ein, an Depressionen gelitten zu haben; das US-Portal "TMZ" berichtete 2019 auch von einem angeblichen Suizidversuch, den Paris hinterher aber abstritt. So oder so: Dass ein solches Leben, wie sie es bisher führte, zu einem Album wie "Wilted" führt, ist nachvollziehbar.

Eine eigenständige Künstlerin

Man könnte nun sagen: Es gibt keine künstlerische Schnittmenge zwischen Paris Jackson und Michael Jackson - außer vielleicht einem gemeinsamen Sinn für Melodien und deren zeitgemäße Umsetzung. So eine finale Einordnung lässt "Wilted" aber eigentlich noch gar nicht zu. Dafür klingt diese Platte noch zu sehr nach Aufräumen, zu sehr nach Abgrenzung - was vielleicht auch zeigt, dass Paris Jackson es mit der Karriere ernst meint. Wie sonst könnte sie sich als eigenständige Künstlerin etablieren, wenn nicht mit einer Antithese zum Werk ihres übergroßen Vaters? Und: Was hätte langweiliger sein können als eine junge Frau, die versucht, ihren Papa nachzuahmen, den größten Popstar aller Zeiten?

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So, wie sie es macht, macht Paris Jackson es gut, und man hat auch nicht den Eindruck, dass sie auf "Wilted" schon alles gezeigt hat. Wer weiß, vielleicht singt sie irgendwann zu Piano und Streichern jene ganz großen Balladen, die nie in die Diskografie ihres Vaters gepasst hätten. Oder vielleicht tritt sie irgendwann auch direkt in die Fußstapfen von Michael Jackson - dahingehend jedenfalls, wie Paris Jackson als "richtige" Popmusikerin klingen würde, sind weiterhin die kühnsten Fantasien möglich.

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