Viel Lärm um fast nichts

"Wenn man kein iPhone hat, hat man kein iPhone." - So einfach wie logisch bringt ein Apple-Jünger den Hype um das Trend-Smartphone auf den Punkt. Warum die Gadgets mit dem Apfel-Logo derart beliebt sind, wollte Das Erste mit "Der Apple-Check" enthüllen. Dazu wurden unter anderem Neurowissenschaftler herangezogen, die in Studien herausfanden, dass Apple-Produkte dieselbe Region im Gehirn ansprechen, die auch auf emotionale Gesichter reagiert. Immerhin, diese Information war neu. Abgesehen davon förderte die Sendung allerdings wenig Überraschendes zutage: Dass Apple-Geräte relativ teuer, gut bedienbar und unflexibel konstruiert sind, ist bekannt, ebenso sind unmenschliche Arbeitsbedingungen beim Zulieferer Foxconn kein Geheimnis. Auch die anschließende "Hart aber fair"-Debatte bei Frank Plasberg lieferte zum Thema "Handy an, Hirn aus - wie doof machen uns Apple und Co.?" kaum bahnbrechende Erkenntnisse.

Von Anfang an fand man sich in einer Diskussion wieder, die sich fast ausschließlich darum drehte, ab welchem Alter es angebracht ist, Kindern ein Smartphone oder iPad in die Hand zu drücken. Schauspielerin Gesine Cukrowski, Mutter einer elfjährigen Tochter, hält nichts von den neuen Gadgets und schickt ihr Kind auf eine Waldorfschule - weil viele Kinder dort weder ein Handy noch einen Fernseher zur Verfügung haben. Medienpädagogin Paula Bleckmann plädierte in der Sendung dafür, die Kids erst ab 15 Jahren mit der digitalen Welt in Berührung kommen zu lassen, da in diesem Alter die kindliche Entwicklung entsprechend vorangeschritten sei.

Wer ein echter Pirat ist, wettert natürlich mit Verve gegen solche vermeintlichen Utopien: Christopher Lauer, Fraktionschef der Berliner Piraten, gerierte sich etwas blasiert als Lanzenbrecher für die neuen Medien und argumentierte, man könne gar nicht früh genug damit anfangen. Womit er nicht Unrecht hat: Sowohl Eltern als auch Kinder müssen den Umgang mit der komplexen Technik zunächst lernen, eine "digitale Risikokompetenz" erwerben. Mit dieser Forderung wendete sich der Pirat auch an Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Der hält Unterricht in neuen Medien ab der fünften Klasse für sinnvoll. Um eine Einschätzung, wie sich etwa Internet, Tablets und Apps gewinnbringend in den Unterricht einbauen ließen, wurde der Gymnasiallehrer leider nicht gebeten. Er konnte lediglich den zunehmenden Sprachverlust von Schülern durch das ständige SMS Schreiben und Chatten beklagen, bevor Lauer ihm wie so oft das Wort abschnitt.

Der einzig durchweg Besonnene in einer Runde blieb deshalb Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar. Er stellte fest, dass viele Eltern mit der neuen Technik überfordert seien und zunächst lernen müssten, sich zu entspannen: Auch wenn ein Kind ein Handy hat, muss es nicht ständig erreichbar sein und braucht seine Freiräume. Außerdem verdeutlichte Yogeshwar die bislang sträflich vernachlässigte Tatsache, dass das Internet nicht nur Gefahren wie Cybermobbing und Suchtpotenzial birgt, sondern auch ein riesiger Wissensfundus ist.

Der aufrüttelndste Satz, der in der Sendung fiel, stammte jedoch von einer Grundschülerin, die in einem Einspieler zu Wort kam und sich zwischen einem iPad, einem lebenden Kaninchen und einem Fahrrad entscheiden sollte: "Ich habe ein iPad, aber ich war noch nie so nah an einem Hasen", sagte die Kleine, während sie das flauschige Tierchen kraulte. Noch deutlicher kann man nicht auf den Punkt bringen, dass es in erster Instanz an den Eltern liegt, den Medienkonsum ihrer Kinder altersgerecht zu gestalten und dafür zu sorgen, dass der Bezug zur echten Welt nicht verlorengeht - beispielsweise durch einen Besuch im Streichelzoo.

Letztlich lockte "Der Apple-Check" lediglich magere 2,5 Millionen Interessierte vor die Bildschirme, Frank Plasberg konnte mit 2,98 Millionen Zuschauern nur geringfügig mehr Publikum für sich gewinnen. Bei Facebook und Twitter diskutierten sowohl Apple-Jünger als auch Plasberg-Seher immerhin eifrig über die beiden Sendungen: "Weitere Kunden von Foxconn: Acer, Amazon, Dell, HP, Microsoft, Nintendo, Nokia, Sony, Toshiba. Nur mal so." kommentiert User @dennishorn den "Apple-Check". "Ranga Yogeshwar war der einzige Lichtpunkt in der Sendung ... Plasberg scheitert an seinem eigenen Motto 'Hart aber fair'", findet User Peter Schwarz auf Facebook. Als Fazit lässt sich feststellen, dass Das Erste ein scheinbar heißes Eisen anpacken wollte, jedoch gnadenlos an einer eindimensionalen Herangehensweise scheiterte. Schade, denn beide Themenkomplexe hätten eine kritische und fundierte Analyse verdient.

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