"Zu viele Quatscher, null Ahnung": Dieter Bohlen wettert gegen deutsche ESC-Jurys

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"Pop-Titan" Dieter Bohlen hält nicht viel von Deutschlands Vorgehensweise beim "Eurovision Song Contest".  (Bild: 2018 Getty Images/Florian Ebener)
"Pop-Titan" Dieter Bohlen hält nicht viel von Deutschlands Vorgehensweise beim "Eurovision Song Contest". (Bild: 2018 Getty Images/Florian Ebener)

Nachdem für Deutschland beim "Eurovision Song Contest" zum wiederholten Male der Erfolg ausblieb und der Hamburger Jendrick mit drei Punkten abgeschlagen auf dem vorletzten Platz landete, äußerte sich nun Dieter Bohlen zum Debakel. Er sieht den Fehler im öffentlich-rechtlichen System.

Lied mit x - das war wohl nix. Drei Punkte gab es für Deutschland beim 65. Eurovision Song Contest in Rotterdam. Bei insgesamt 39 Teilnehmerländern, also maximal 4.332 zu vergebenden Punkten - das muss man erst mal schaffen. Jendrik, der aus Hamburg stammende Starter für Deutschland, bewahrte trotz der krachenden Bruchlandung mit seinem flotten Song "I Don't Feel Hate" Haltung und erklärte noch am Samstagabend, mit seiner eigenen Leistung sei er "happy, ich hab mich wohlgefühlt".

Vielsagend auch, was der junge, bis dato unbekannte Künstler nach seinem Auftritt gebenüber "Bild.de" einräumte. "Ich habe schon vor zwei Monaten vermutet, dass ich nicht die Erwartungen der anderen erfüllen werde. Aber ganz ehrlich: Mein Ziel war es, zum ESC zu kommen!" Dies habe er geschafft, indem er der deutschen Vorauswahl-Jury gezielt einen Song nach deren Gusto vorgelegt habe: "Ich wusste, dass 'I Don't Feel Hate' nicht mein bestes Lied ist, ich habe geilere, aber ich wusste auch, dass ich von den deutschen Jurys nur mit diesem Lied für den ESC ausgewählt werde. Bisschen hinterhältig, oder?"

Gute Laune, mieses Abschneiden: Für Jendrik und seinen Song "I Don't Feel Hate" war beim ESC-Finale in Rotterdam nicht viel zu holen. (Bild: 2021 Getty Images/Dean Mouhtaropoulos)
Gute Laune, mieses Abschneiden: Für Jendrik und seinen Song "I Don't Feel Hate" war beim ESC-Finale in Rotterdam nicht viel zu holen. (Bild: 2021 Getty Images/Dean Mouhtaropoulos)

Dieter Bohlen: "Hits macht man wie in der Bootsfahrt"

Einer, der über dieses Procedere nur noch den Kopf schütteln kann, ist Deutschlands "Pop-Titan": Wie Dieter Bohlen der "Bild"-Zeitung erklärte, seien die Gremienentscheidungen des federführenden NDR das Problem. Diese seien "nicht gut, um den besten Titel zu finden. So werden keine Hits produziert", stellte Bohlen fest. Bereits am Sonntag hatte der 67-Jährige, der zuletzt als Juror bei "Deutschland sucht den Superstar" (RTL) geschasst wurde, in seiner Instagram-Story über das Ergebnis gelästert und seinen Followern die Frage gestellt: "Was ist schlimmer: Drei Punkte beim Grand Prix oder drei Punkte in Flensburg?"

Laut Bohlen müsse Deutschland wieder auf einen tonangebenden Musikproduzenten setzen, um beim nächsten Eurovision Song Contest eine echte Chance zu haben. Das habe das Beispiel Stefan Raab gezeigt, der Lena Meyer-Landrut entdeckte und zum Sieg führte. Bohlen: "Er hat alles relativ alleine bestimmt und es hat funktioniert. Hits macht man wie in der Bootsfahrt: Da gibt es einen Kapitän, der bestimmt, in welche Richtung man fährt."

"In der Ehe sind Kompromisse richtig, beim ESC nicht"

Die momentane Vorgehensweise der ARD sei hingegen nicht geeignet, um einen Hit zu landen. Es seien "zu viele Quatscher am Werk, die null Ahnung haben", so der Ex-"DSDS"-Juror. Er selbst deutete auf Nachfrage an, sich unter Umständen bei der Suche nach dem nächsten deutschen ESC-Starter einbringen zu wollen - allerdings nur alleine. Für Bohlen ist klar: "In der Ehe sind Kompromisse richtig, beim ESC nicht."

Dass Bohlens Worte an verantwortlicher Stelle Gehör finden, deutet sich bislang indes nicht an. Auf "Bild.de"-Nachfrage gab der NDR zu verstehen: "Dieses Lied wurde von den beiden zuständigen Fachjurys aus 20 internationalen Musikexpertinnen und -experten, die bereits Jurorinnen bzw. Juroren beim ESC waren, sowie 100 Fans, die ein mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen haben, ausgewählt." Eine Änderung des Vorauswahlverfahrens sei nicht geplant.

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