Corona-Krise: Diskussion um Schutzmasken

·Lesedauer: 4 Min.
Jena plant eine Maskenpflicht. (Symbolbild: Getty)
Jena plant eine Maskenpflicht. (Symbolbild: Getty)

JENA (dpa-AFX) - Die thüringische Stadt Jena plant in der Coronavirus-Pandemie eine Maskenpflicht. "In einer Woche soll das Tragen eines Mund-und-Nasen-Schutzes in Jenaer Verkaufsstellen, dem öffentlichen Nahverkehr und Gebäuden mit Publikumsverkehr verpflichtend werden", teilte die Stadt mit. Die Maßnahme sei vom Fachdienst Gesundheit angemahnt worden. Ziel sei es, die Sicherheit des Personals im öffentlichen Leben zu erhöhen. Neben Masken seien auch Tücher oder Schals als Schutz möglich, wenn sie Nase und Mund bedeckten.

Die Stadt hat nach eigenen Angaben eine Grundausstattung an Masken. Damit wolle man Pflegekräfte, Ärzte, Fahrer im öffentlichen Nahverkehr und andere Menschen in systemrelevanter Infrastruktur versorgen. An die Bevölkerung erging die Bitte: "Nähen Sie sich selbst und anderen Menschen den wichtigen Mund-Nasen-Schutz, um die Verbreitung des Virus einzudämmen."

Lesen Sie auch: Verbraucherschützer warnen vor falschen Corona-Tipps

Eine Mundschutzpflicht unter anderem für Einkäufe in Supermärkten hatte auch bereits die österreichische Regierung am Montag angekündigt. Dabei ist der Nutzen der Masken umstritten: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus keinen Nutzen im allgemeinen Mundschutz-Tragen. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, sagte der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan am Montag in Genf. Vielmehr gebe es zusätzliche Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnähmen und sich dabei womöglich infizierten.

Spahn und Laschet gegen Maskenpflicht in Deutschland

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich gegen eine Tragepflicht für Schutzmasken in Deutschland ausgesprochen. «In der jetzigen Lage sehe ich keine Notwendigkeit zu einer Verpflichtung», sagte der CDU-Politiker am Dienstag in Düsseldorf. Spahn hatte zuvor zusammen mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) das Universitätsklinikum in Düsseldorf besucht.

Armin Laschet und Jens Spahn sind sich einig. (Bild: Federico Gambarini/dpa-POOL/dpa)
Armin Laschet und Jens Spahn sind sich einig. (Bild: Federico Gambarini/dpa-POOL/dpa)

Der Minister sagte, es müsse unterschieden werden zwischen medizinischen Masken zum Schutz des medizinischen Personals vor einer Ansteckung und anderen in der Öffentlichkeit getragenen - auch selbstgenähten - Masken. Bei diesen gehe es darum, andere nicht anzustecken. Sie könnten «tatsächlich auch eine Hilfe sein dabei, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen». Er nehme wahr, dass es eine zunehmende Bereitschaft gebe, aus Solidarität mit anderen, diese Masken zu tragen, sagte Spahn.

Laschet nannte Spahns Äußerungen «treffend». Man sei jetzt prioritär damit beschäftigt, Masken für den medizinischen Bereich zu beschaffen. «Und wenn es sich gesellschaftlich entwickelt, dass jeder den anderen auch schützen will, dann ist das in Ordnung. Eine Pflicht sehe ich nicht.»

Spahn will die Produktion von Schutzmasken in Deutschland vorantreiben. Die Krise habe gezeigt, dass man bei so sensiblen Produkten von keinem Land der Welt abhängig sein dürfe, sagte Spahn am Dienstag in Düsseldorf. Sein Haus arbeite zusammen mit dem Finanzministerium, um entsprechende Anreize zur Inlandsproduktion zu schaffen. Niemand hätte erwartet, dass ein Produkt, das Cent-Beträge koste, auf dem internationalen Markt so umkämpft sein würde. Die Abhängigkeit vor allem von einem einzigen Land wie in diesem Fall China dürfe nicht so bleiben. Gerade beim Thema Schutzmasken müsse mit einer eigenen Produktion eine stärkere Unabhängigkeit erreicht werden.

Söder fordert "nationale Notfallproduktion"

Eine Schutzmaskenpflicht in Supermärkten wie in Österreich sei derzeit nicht geplant, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin". Zuerst müsse man abwarten, ob die in Deutschland getroffenen Maßnahmen helfen. "Es ist wichtig, dass wir uns jetzt an die grundlegenden Beschränkungen halten (...) und nicht über Exit-Strategien nachdenken", sagte Söder.

Auch Markus Söder äußert sich zur Diskussion um Schutzmasken. (Bild: Peter Kneffel/dpa /dpa)
Auch Markus Söder äußert sich zur Diskussion um Schutzmasken. (Bild: Peter Kneffel/dpa /dpa)

Der CSU-Chef forderte zugleich eine "nationale Notfallproduktion" von Schutzmasken. "Was wir dringend brauchen sind mehr Masken und zwar die hochwertigen Masken für unser gesamtes Personal in den Krankenhäusern und Arztpraxen", sagte er. "Wichtig ist, dass wir eine nationale Notfallproduktion endlich bekommen." Die deutsche Wirtschaft müsse jetzt darauf umstellen. Es brauche einen ausreichenden Vorrat in Krankenhäusern, Arztpraxen und Altersheimen.

Coronavirus: Diese Internetseiten und Hotlines sollte man kennen

Der FDP-Bundestagsfraktionsvize Michael Theurer sagte, die Bundesregierung müsse hier mehr Führungsverantwortung übernehmen und im Dialog mit der Wirtschaft die Notfallproduktion von Schutzmasken organisieren und vorantreiben. "In dieser historischen Krise muss die Wirtschaft noch viel stärker bei der Produktion der in Deutschland fehlenden ca. eine Milliarde Schutzmasken einspringen." Das medizinische Personal brauche dringend vor allem Viren hemmende FFP2- und FFP3-Spezialmasken.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner kritisierte Söders Vorstoß als "unrealistisch" und "unsolidarisch". Es brauche Zulieferung aus dem Ausland, um möglichst schnell und viel Schutzausrüstung herzustellen. "Da hilft eine staatliche europäische Koordinierung mehr als nationale Alleingänge." Zudem müsse auch die Belieferung der "Corona-Hotspots" sichergestellt sein. "Wir können andere EU-Staaten nicht alleine lassen, die nicht diese Kapazität haben und zu ihnen sagen: Pech gehabt."

Corona-Krise: Die aktuellen Entwicklungen gibt’s hier