Kölner Innenstadt: So sehen Heumarkt und Neumarkt ohne Straßen und Gleise aus

Die Verkehrsdezernentin wirbt mit Entwürfen für den Bau einer Ost-West-U-Bahn.

Wenn der öffentliche Nahverkehr ausgebaut wird, hat das in der Regel erhebliche Auswirkungen auf das Stadtbild.

Würde der Autoverkehr am Neumarkt vollständig auf die Südseite gelegt, könnte die Fläche für die Fußgänger deutlich vergrößert werden. Oder: Würden die Stadtbahnen der Linien 1, 7 und 9 vor dem Heumarkt in einem neuen U-Bahn-Tunnel verschwinden, könnten die beiden Teile des Platzes wieder enger miteinander verknüpft werden.

Verkehrsdezernentin Andrea Blome, die mittlerweile 100 Tage in ihrem neuen Amt tätig ist, zeigte am Dienstag im Rahmen der Diskussionsreihe „KVB-Lounge“ der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) erstmals, wie die beiden Stadtplätze nach dem Bau einer Ost-West-U-Bahn aussehen könnten. Die Entwürfe des Büro WES Landschaftsarchitektur präsentieren großzügige Flächen, auf denen die Passanten entlangflanieren. Auf dem Heumarkt sind zwar Fahrspuren zu erkennen, die dazugehörigen Autos wurden allerdings weggelassen.

Wahrscheinlich vom Bund gefördert

Mit diesen schönen Bildern will Blome dafür werben, das politisch umstrittene Projekt anzugehen. Viele Ratspolitiker zeigen sich zurzeit skeptisch, ob ein kurzer Tunnel zwischen Heumarkt und Neumarkt tatsächlich sinnvoll wäre. Diese Variante verfügt allerdings über das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis und wird daher sehr wahrscheinlich vom Bund finanziell gefördert.

Die Verkehrsdezernentin selbst bevorzugt auch einen längeren Tunnel, der bis zum Rudolfplatz führt, falls dieser ebenfalls förderfähig sein sollte. „Das wäre sicher sinnvoller“, sagte Blome. Schließlich ließe sich dann der Verkehr am Neumarkt deutlich leichter neu ordnen.

„Köln hat unglaublich viele Chancen, die aber nicht so genutzt werden, wie es möglich wäre“, sagte Architekt Kaspar Kraemer. Er bemängelte, dass das Stadtbild nach wie vor zusammengewürfelt wirke. Das Problem zu vieler Verkehrsschilder an einem Ort sei zwar vielfach korrigiert worden, aber längst nicht stadtweit.

Die roten Radwege, die anderenorts blau oder grün eingefärbt sind, erinnerten ihn an Blutspuren. Kraemer kritisierte auch den Eingang zum U-Bahn-Tunnel der Nord-Süd-Stadtbahn auf der Bonner Straße in Höhe der Marktstraße. „Das entspricht nicht meiner Vorstellung eines guten Stadtbildes. Das sieht eher aus wie ein Güterbahnhof“, sagte er.

Verkehrsdezernentin Blome versprach, im Fall eines Baus der Ost-West-U-Bahn für den Heumarkt eine elegantere Lösung zu finden. Der Stadtrat soll noch vor der Sommerpause eine Vorlage zur Beratung erhalten. Nach dem Sommer soll eine Bürgerbeteiligung inklusive einer Befragung starten.

Rasengleise in Frankreich

Der Leipziger Verkehrsplaner Stephan Besier, der die Hochbahnsteige der Nord-Süd-Stadtbahn auf der Bonner Straße gestaltete, zeigte Fotos trostloser Gleisanlagen in Köln und im Kontrast dazu Rasengleise in Frankreich.

„Wir dürfen den Verkehr nicht so ausarten lassen, dass er die Lebensqualität zerstört“, sagte er. Besier riet den Kölnern, mehr Rasengleise wie an der Cäcilienstraße zu bauen. „Immer zu sagen, »das muss in einen Tunnel«, bringt uns nicht weiter“, kommentierte er die Pläne für einen neuen U-Bahn-Tunnel zwischen Heumarkt und Neumarkt. Der Autoverkehr störe an dieser Stelle und nicht der Stadtbahnverkehr.

Frankreich habe mit der Renaissance der Straßenbahn große Erfolge erzielt. „Das sieht gut aus und man kommt sich nicht vor wie auf einem Verladebahnhof.

„Es droht kein Rückfall“

KVB-Chef Jürgen Fenske sagte, dass in den vergangenen Jahren in Köln vorbildliche Bahnanlagen entstanden seien. „Es droht kein Rückfall“, sagte er. Er würde unheimlich gerne dem Vorbild Wiens und Kopenhagens folgen. „Dort haben die Menschen aber auch entschieden, das Auto stehen zu lassen, während wir den Umstieg in Köln noch nicht hinbekommen“, so Fenske.

Darüber hinaus gebe es in anderen Ländern auch bessere Finanzierungsmodelle für den öffentlichen Nahverkehr....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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