In dunklen Roben stapfen sie durch den Schnee - zielstrebig, majestätisch, bedrohlich. Am Ende von "New Moon - Bis(s) zur Mittagsstunde", dem zweiten Teil der "Twilight"-Reihe, mag Edwards und Bellas Begegnung mit den Volturi ja noch glimpflich ausgegangen sein. Doch nun haben die italienischen Urvampire einen Vorwand gefunden, um bei den amerikanischen Artgenossen mit dem menschen- und werwolffreundlichen Lebenswandel nach dem Rechten zu sehen. So unerbittlich die Volturi in "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 2" (Start: 22. November) auch sind - ihre Darsteller sind nicht vor den Twi-Hards und ihrer Vampirliebe gefeit.

Äußerst friedfertig sieht Dakota Fanning aus, so ganz ohne dicken Kajal und leuchtrote Kontaktlinsen. Und das Lächeln, das auf den Lippen ihrer Vampirin Jane so diabolisch scheint, wirkt unter normalen Umständen eigentlich ganz liebreizend. Ihre Fans jedenfalls nennen die 18-Jährige "Lovely Dakota" und widmen ihr unter dakota-fanning.org einen Traum in Rosa. Eine naheliegende Farbwahl für die Fanpage einer Schauspielerin, deren Lieblingsfarbe Pink sein soll. Nur ... stimmt diese Angabe überhaupt noch? Zwar trugen die Administratoren eine beachtliche Menge Informationen zusammen - etwa, dass Fanning mit zwei Jahren schon lesen lernte, ihren Costars gern Schals strickt und ihr erstes Handy von Tom Cruise geschenkt bekam. Doch im Gegensatz zum gut gepflegten Newsfeed wurden die Rubriken "Biografie" und "Fakten" augenscheinlich vor Jahren zuletzt überarbeitet. Vielleicht gefällt der jungen Frau mittlerweile Petrol besser als Pink? Zumindest trug sie auf der Premiere von "Breaking Dawn" ein Kleid in jenem Grünton.

Cameron Bright, der im Film Janes nicht minder furchteinflößenden Bruder Alec spielt, schritt kurz nach Dakota Fanning im Burberry-Anzug über den Roten Teppich. Seine Anhänger kannten das Outfit bereits vor Brights Ankunft im Nokia Theatre: Der Darsteller, der vor seiner Vampirkarriere schon in "Butterfly Effect" und "X-Men: Der letzte Widerstand" Rollen übernahm, veröffentlichte zuvor ein Foto davon unter twitter.com/cameronbright. Via Miniblog nimmt der 19-Jährige regelmäßig Kontakt zu seinen Bewunderern auf und beantwortet auch Fragen: Wie es ist, wenn einen Millionen Menschen im Kino sehen können? Sehr merkwürdig, aber cool. Wo er Weihnachten verbringt? In Kanada. Wie die Premiere war? Surreal.

Im direkten Vergleich mit Brights Social-Media-Präsenz mutet die offizielle Homepage seines kanadischen Landsmanns Christopher Heyerdahl doch deutlich distanzierter an. Die Biografie auf der grau-schwarz gestalteten Seite liest sich wie eine verknappte Text-Variante der Filmografie, nicht einmal sein Alter gibt der (dem Vernehmen nach) 49-Jährige preis. Schmunzeln muss man angesichts der Rollenauswahl Heyerdahls dennoch: Bevor er in der "Twilight"-Reihe das schweigsamste Drittel der Volturi-Oberen spielte, wirkte der Schauspieler im Vampir-Actionfilm "Blade: Trinity" mit. Und seit einiger Zeit taucht er auch in der Serie "True Blood" hin und wieder als Gast-Vampir auf.

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Bei seinem Kollegen Jamie Campbell Bower reichte schon eine einzige Vampirrolle aus, um die Fantasie der Fans zu beflügeln: Ist der Brite etwa ein echter Vampir? Unter Berufung auf das britische Boulevard-Blatt "The Sun" beschreiben die Betreiber von www.jamie-bower.de verdächtige Verhaltensmuster, die der 24-Jährige um den Kinostart von "New Moon" (2009) an den Tag gelegt haben soll. Allerdings ist der Artikel, in dem dem Darsteller des zweiten Volturi-Clanchefs Caius ein "blutiges Verbrechen" an einer Gruppe ahnungsloser Fans nachgesagt wird, mit "Halloween Streich 2009" betitelt. Ansonsten kochen die deutschen Bower-Fans ihr Süppchen fernab der Gerüchteküche: Sie konzentrieren sich lieber auf die musikalischen und schauspielerischen Ambitionen des Ex-Models, statt die aufgelöste Verlobung mit "Harry Potter"-Co-Star Bonnie Wright oder die angebliche Romanze mit seiner aktuellen "Chroniken der Unterwelt"-Drehpartnerin Lily Collins breitzutreten.

Gleichermaßen sparsam gehen die Bewunderer von Michael Sheen mit Details aus dem Liebesleben ihres Idols um - Bemerkungen wie die, dass auf der "Breaking Dawn"-Premiere auch Sheens Freundin Rachel McAdams auftauchen könnte, haben auf michaelsheen-online.com Seltenheitswert. Stattdessen erwähnen die Autoren seiner Fanpage-Biografie lieber, dass der Mann, der in der "Twilight"-Reihe den hinterlistigen Volturi-Wortführer Aro gibt, Sohn eines Jack-Nicholson-Imitators ist und beinahe Profi-Fußballer geworden wäre. Zudem erlegten sich die Ersteller der Seite eine "No paparazzi"-Verpflichtung auf: Man respektiere die Privatsphäre des Walisers und werde von der Veröffentlichung von Paparazzi-Bildern absehen. Und siehe da - auch ohne kompromittierende Schnappschüsse ist die Galerie der Fanpage gut gefüllt. So eine Regelung würden Sheens stets belagerte Kollegen Kristen Stewart und Robert Pattinson sicherlich auch gutheißen ...



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