Volk ist "untröstlich": Kim Jong-un hat abgenommen

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Im nordkoreanischen Staatsfernsehen wird ein Interview mit einem Bürger ausgestrahlt, der sich zum Gewichtsverlust seines Machthabers äußert: Er sagt, es breche die Herzen der Menschen.

Kim Jong-un im Jahr 2019: Damals war der nordkoreanische Machthaber noch weitaus fülliger. (Bild: Reuters / Athit Perawongmetha)
Kim Jong-un im Jahr 2019: Damals war der nordkoreanische Machthaber noch weitaus fülliger. (Bild: Reuters / Athit Perawongmetha)

Kim Jong-un beschäftigt einmal mehr die internationale Presse: Es geht dabei aber ausnahmsweise nicht um die Androhung eines Atomkriegs des, wie ihn Donald Trump einmal nannte, „little rocket man“. Sondern um ein eigentlich viel privateres Thema: das Gewicht des nordkoreanischen Machthabers.

Lange Zunahme, jetzt Gewichtsverlust

Ursprung ist ein aktueller Bericht im nordkoreanischen Staatsfernsehen KCTV, in dem ein namentlich nicht genannter Bürger aus der Hauptstadt Pjöngjang erzählt, dass er „untröstlich“ sei zu sehen, wie viel Gewicht Kim Jong-un in letzter Zeit verloren habe. Dies breche „die Herzen der Menschen“, die beim Anblick des Obersten Führers „sofort zu Weinen anfangen“ würden.

Das ist, so schreibt CNN, auf mehrere öffentliche Auftritte zurückzuführen, die tatsächlich zeigen: Kim Jong-un hat merklich abgenommen. Was eine Art Trendwende ist, denn seit seiner Machtübernahme vor rund zehn Jahren hat er zugenommen. 

Der Merkur schreibt von über 45 Kilogramm bei einem Startgewicht von rund 90 Kilogramm, was aus Berichten des Nachrichtendienstes des Nachbarlandes Südkorea hervorgehen würde.

Offiziell noch im Krieg

Der Gesundheitszustand Kim Jong-uns ist ein wohl gehütetes Staatsgeheimnis, weil er angeblich in paranoider Angst vor einer Invasion oder einem Regierungssturz lebt. Deshalb will er sich, schreibt CNN, seinem Volk stets gesund und kraftvoll präsentieren und damit den souveränen Anführer geben. 

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Dazu kommt, dass sich Nordkorea genau genommen noch im Krieg mit den USA und Südkorea befindet und der Glaube verbreitet ist, dass die beiden kapitalistischen Mächte weiterhin still und leise den Untergang Nordkoreas planen. Ein kranker Kim Jong-un könnte, so das Denken, Nordkorea angreifbar und schwach wirken lassen.

Kein Geld, keine Lebensmittel

Dabei befindet sich das Land seit geraumer Zeit in einer, teils selbstverschuldeten, schweren Krise: Das Volk leidet Hunger. Während der Coronaviruspandemie hat sich Nordkorea komplett abgeschottet, der Handel mit China wurde um rund 90 Prozent reduziert. Das Problem: Ein schwerer Sturm im vergangenen Jahr hat die Landwirtschaft hart getroffen, ausfallende Ernten können jetzt aufgrund der geschlossenen Grenzen nicht durch Importe ersetzt werden.

Was zu einer, das hat Kim Jong-un kürzlich selbst zugegeben, Lebensmittelkrise geführt hat. Die Vereinten Nationen haben ausgerechnet, dass dem Land rund 860.000 Tonnen Lebensmittel fehlen dürften.

Obendrauf kommen die Sanktionen wegen des Atomprogramms, an dem das Land weiterhin festhält. Die Frankfurter Rundschau fasst die Folgen daraus so zusammen: „Dem Land geht das Geld aus.“

Aufopferungsvoll für sein Volk

Vielleicht ist die Lebensmittelkrise nun bei Kim Jong-un angekommen, vielleicht muss er aber auch aus gesundheitlichen Gründen abnehmen. Warum auch immer, die Gewichtsabnahme werde mit Sicherheit öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt, vermutet Cheong Seong-chang, ein Nordkorea-Experte, im Interview mit CNN: „Entweder hat sich Pjöngjang entschieden, den Gewichtsverlust im Staatsfernsehen zu erwähnen, um ihn herunterzuspielen.“ Oder der Beitrag sei der Beginn einer Propaganda-Offensive gewesen, die davon erzähle, dass Kim Jong-un Gewicht verloren habe, weil er sich überarbeite, während er das Leben für sein Volk verbessern wolle.

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