Volkswagen, Mercedes, Audi - Deutsche Hersteller in der Krise: Chinas Autobauer erobern ihren Markt zurück

Besucher auf der Automesse „Auto Shanghai“.<span class="copyright">dpa/kyodo</span>
Besucher auf der Automesse „Auto Shanghai“.dpa/kyodo

VW, Audi und Mercedes haben in den vergangenen Monaten allesamt Absatzeinbrüche erlitten, wie neue Zahlen zeigen. Vor allem in der mit Abstand wichtigsten Region überhaupt ging es steil bergab, weil die heimische Konkurrenz ihren eigenen Markt zurückerobert.

Zwischen April und Juni lieferte Deutschlands größter Autobauer Volkswagen##chartIcon ganze 2,24 Millionen Fahrzeuge aus. Doch das ist weniger, als sich die Wolfsburger wohl erhofft haben. Denn zum Vorjahr sank der Absatz damit um 3,8 Prozent.

Dramatischer ist die Lage bei der Tochter Audi, die jüngst Halbjahreszahlen vorlegte. Mit nur noch 833.000 ausgelieferten Fahrzeugen rutschte der Absatz zum Vorjahr um 8,2 Prozent ab. Auch die Luxusmarken Bentley und Lamborghini halfen wenig. Rechnet man diese hinzu, sind es zwar 844.000 Autos, aber weiter 8,2 Prozent weniger als in der ersten Jahreshälfte 2023.

 

Die gleichen Probleme plagen den heimischen Konkurrenten Mercedes-Benz##chartIcon . Die Stuttgarter setzten im zweiten Quartal 600.100 Pkws ab. Bei den Vans gab es mit 103.400 ausgelieferten Fahrzeugen zwar ein Plus von drei Prozent. Doch der Absatz bei den deutlich wichtigeren Pkws sank um vier Prozent auf 496.700 Fahrzeuge.

Beim Geschäft mit den Stromern läuft es allenfalls durchwachsen

„Wie angekündigt, haben wir im sehr intensiven Wettbewerbsumfeld in China bewusst nachhaltiger Wertschöpfung den Vorrang vor höheren Volumen gegeben, um unsere langfristigen strategischen Ziele zu erreichen“, erklärte Audi-Vertriebschefin Hildegard Wortmann, die auch im Gesamtkonzern für das Ressort zuständig ist, die Absatzzahlen.

Nachhaltige Wertschöpfung – das klingt auch nach E-Mobilität. In diesem Bereich lief es zuletzt allenfalls durchwachsen. So lieferte Volkswagen zwischen Januar und Juni mit 317.200 Stromern minimal weniger aus als im vorigen Halbjahr.

Hier kämpfen die Wolfsburger vor allem in den USA und Westeuropa mit einer deutlich schwächeren Nachfrage. In beiden Regionen sank der E-Auto-Absatz um 15 Prozent zum Vergleichszeitraum. Immerhin: Der Auftragsbestand in Westeuropa für Elektroautos stieg leicht auf 170.000 Stück.

Bei der Tochter Audi gab es hier den einzigen kleinen Lichtblick inmitten des Absatzschwunds. Mit 76.700 verkauften Stromern setzte Audi 1,3 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2023. Damals fiel der Zuwachs zum Vorjahr mit massiven 51 Prozent jedoch deutlich höher aus.

Deutlich schlechter sieht es beim Konkurrenten Mercedes aus. Mit Verkäufen von 45.800 Elektroautos im zweiten Quartal steht hier ein dickes Minus von 25 Prozent zum Vorjahresquartal zu Buche. Nur noch jedes 13. verkaufte Auto war damit vollelektrisch, im ersten Quartal war es noch jedes zehnte.

Chinesische Rivalen erobern ihren Heimatmarkt zurück

Der größte Belastungsfaktor – hier gleichen sich die drei Autobauer – ist ein maues Geschäft in China. Im Reich der Mitte machen die Autobauer zwischen 29 und 38 Prozent ihres Absatzes. Woran es hapert, zeigt ein Blick auf den Markt dort schnell.

Der jüngste Monatsbericht des Datendienstleisters Marklines signalisiert eindrücklich, dass die hiesigen Autobauer die Oberhand gewinnen. Insgesamt läuft der Markt dort rund: In den ersten sechs Monaten betrug der Absatz im Schnitt 2,34 Millionen Fahrzeuge, ein Plus von sechs Prozent zum Mittelwert des Vorjahres und sogar von 17 Prozent zum Wert des Jahres 2022.

Davon zwacken sich aber Hersteller wie BYD##chartIcon , Geely oder Chery immer größere Anteile ab. Der Absatz des Platzhirsches BYD stieg im Juni laut Marklines um 21,1 Prozent, während die Hersteller Geely und Chery 17,1 respektive 53,6 Prozent mehr Fahrzeuge auslieferten als im Vorjahr.

Alle anderen Hersteller mussten teils deutliche Rückgänge hinnehmen. FAW-VW beispielsweise, ein Joint Venture zwischen des Staatshersteller FAW sowie Volkswagen und Audi, büßte im Juni heftige 25,5 Prozent seines Absatzes zum Vorjahresmonat ein.

Damit setzt sich der Trend fort, der bereits in den Mai-Zahlen absehbar war. In diesem Monat wuchs der gesamte Absatz in der Volksrepublik um 1,5 Prozent zum Vorjahresmonat. Die wirklichen Gewinner dieses moderaten Wachstums aber waren chinesische und koreanische Marken, mit Zuwächsen von 18,4 respektive 26,9 Prozent. Bei allen anderen Herstellern, seien es deutsche, amerikanische oder japanische, schrumpfte der Absatz. Und zwar zweistellig.

Deutschlands Autobauer hoffen auf ein starkes zweites Halbjahr

Diese Probleme sind den Herstellern bewusst. So erwartet Mercedes beispielsweise, im Wachstumsmarkt China im zweiten Halbjahr wieder aufzuholen, dank der Einführung von Modellen wie der neuen G-Klasse sowie einer vollen Produktverfügbarkeit dort.

Ähnlich verkündet VW-Vertriebschefin Wortmann: „Für das Gesamtjahr 2024 rechnen wir aufgrund des An- und Hochlaufs zahlreicher wichtiger Modelle im zweiten Halbjahr weiter mit einem leichten Anstieg der weltweiten Auslieferungen gegenüber dem Vorjahr.“

Was wenig zu diesem Ausblick passt: Die erst am Dienstag gekappte Prognose des Volkswagen-Konzerns. Noch nach dem ersten Quartal bekräftigten die Wolfsburger eine angestrebte Jahresumsatzrendite von 7,5 Prozent. Nun senkte der Konzern diese Prognose auf 7,0 Prozent, wie unter anderem Bloomberg berichtete .

Verantwortlich macht der Konzern dafür potentielle Kosten für Audis Werk in Brüssel. Dort wird nur das Stromer-Flaggschiff Q8 e-tron produziert – und auch hier mangelt es an der nötigen Nachfrage. Die Tochter erwägt daher eine Schließung. Das würde teuer werden, wie auch weitere Um- und Abbaumaßnahmen bei Volkswagen. Der Konzern geht von bis zu 2,6 Milliarden Euro an Belastungen für das Ergebnis aus.

Es dürfte dabei nicht nur bei Volkswagen bleiben, wie Analyst Philippe Houchois der Investmentbank Jefferies vermutet. Eine Schließung des Werks wäre „Teil des Effizienz- und Umbauprogramms bei Volkswagen“ und „ein Indikator weiterer Restrukturierungsmaßnahmen über die europäische Automobilindustrie in den kommenden Jahren“, so der Analyst.

Auto-Aktien hinken dem Dax meilenweit hinterher

Die Börsianer jedenfalls haben eine klare Meinung zu den strauchelnden Autobauern, deren E-Auto-Strategie nun mehr und mehr in Frage gestellt wird. Volkswagens Aktie verlor in den vergangenen zwölf Monaten gut ein Fünftel an Wert, die Mercedes-Papiere noch gut fünf Prozent, während der Dax um rund 17 Prozent zulegte.

 

Übrigens: Auch die BMW##chartIcon -Aktie verlor im vergangenen Jahr gut zwölf Prozent. Allerdings läuft es beim Absatz deutlich besser als bei den beiden anderen deutschen Auto-Riesen. Im zweiten Quartal verkauften die Münchner mit 565.553 Pkws zwei Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

Bei den Stromern steigerte BMW den Absatz indes um satte 22,2 Prozent auf 108.000 vollelektrische Autos. Es war auch lediglich die BMW-Aktie, welche zuletzt unter einer Expertenumfrage von FOCUS online als lohnende, heimische Alternative zu anderen Elektroauto-Papieren genannt wurde.