Vormarsch in Ostukraine: "Sie vernichten alles, was lebt"

Zerbombte Häuserreihen, leere Straßen, Leichen und Sirenengeheul: Sjewjerodonezk gleicht einem Trümmerfeld. Die strategisch wichtige Stadt im Donbas steht kurz vor dem Fall.

Moskau kontrolliert 70 Prozent Sjewjerodonezks

Laut dem Militärgouverneur der Region sind über 70 Prozent Sjewjerodonezks in der Hand der russischen Angreifer. Mindestens 15.000 Menschen harren noch ohne Strom und fließend Wasser in der Stadt aus - eine Evakuierung ist momentan unmöglich.

Auch in der nahe gelegenen Stadt Lyssytschansk wächst die Angst der Menschen. Sie befürchten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die russischen Streitkräfte auch sie einkesseln

"Das ist kein Krieg an der Front, das ist ein Krieg gegen Zivilisten, der ganze Städte und Dörfer, der alles Leben vernichtet", sagt Polizeichef Oleh Hryhorov.

Die Einheimischen überleben dank humanitärer Hilfslieferungen. Die 65-jährige Helena ist nach Wochen des Kriegs noch immer fassungslos: "Um Ihnen die Wahrheit zu sagen, ich kann nicht glauben, dass ich in meinem Alter noch in eine Notunterkunft ziehen musste. Ich lebe wie eine Obdachlose."

"Provokation": Streit um Waffenlieferungen aus Deutschland und USA

Angesichts der Eskalation in weiten Teilen der Ostukraine zeigte sich Präsident Wolodymyr Selenskyj erfreut über die Pläne Deutschlands und der USA, modernere Raketensysteme in die Ukraine zu schicken.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf Washington dagegen vor, "Öl ins Feuer zu gießen": "Die Forderung der Ukraine nach schweren Waffen ist eine direkte Provokation mit dem Ziel, den Westen in Feindseligkeiten hineinzuziehen", so Lawrow.

Die USA wiesen die Anschuldigungen zurück. Kiew habe versprochen, die neuen Abwehrsysteme nicht gegen Ziele auf russischem Boden einzusetzen. Die Waffenlieferungen seien also keineswegs der Grund für die Eskalation.

"Russland greift die Ukraine an, nicht umgekehrt", sagte US-Außenminister Antony Blinken. "Der beste Weg, eine Eskalation zu vermeiden, ist, dass Russland die Aggression und den Krieg, den es begonnen hat, beendet. Es liegt voll und ganz in Moskaus Macht, das zu tun."

Schaffen es Putins Truppen Sjewjerodonezk und Lyssytschansk einzunehmen, wäre die gesamte Region Luhansk unter ihrer Kontrolle.

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