Vorsitzender der Bischofskonferenz würdigt Papst Benedikts Leistung als Theologe

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, hat den verstorbenen Papst Benedikt XVI. als "beeindruckender Theologe und erfahrener Hirte" gewürdigt. "Gerade als Kirche in Deutschland denken wir dankbar an Papst Benedikt XVI.: In unserem Land wurde er geboren, hier war seine Heimat, hier hat er als theologischer Lehrer und Bischof das kirchliche Leben mitgeprägt", erklärte Bätzing am Samstag.

Der Verstorbene sei eine Persönlichkeit gewesen, die der Kirche auch in schwierigen Zeiten Hoffnung und Richtung vermittelt habe. "Papst Benedikt hat die Stimme des Evangeliums - gelegen oder ungelegen - hörbar gemacht." Ihn habe sein theologisches Denkvermögen, seine politische Urteilskraft und sein persönlicher Umgang mit vielen Menschen ausgezeichnet.

Bätzing, der Bischof von Limburg ist, trat dort vor die Presse und würdigte unter anderem Benedikts Rücktritt im Jahr 2013. Der Papst habe damals deutlich gemacht, dass sein Amt und seine Person "nicht eins kann sein, dass das Amt es erwartet und vonnöten erscheinen lässt, dass man es weitergibt, wenn die eigenen Kräfte nicht mehr ausreichen". Die Geschichte werde es zeigen, aber "manche sagten, vielleicht war das die größte Tat seines Lebens".

Bätzing ging auch auf die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche ein. Papst Benedikt habe klar gemacht, dass jeder Missbrauch ein Verbrechen sei und bessere Strukturen in der Kirche nötig seien. Als erster Papst habe er "Betroffene eingeladen, zum Gespräch, um sie zu hören (...) Das war ein echter Umbruch".

Insbesondere zur Aufarbeitung des Missbrauchskandals im Erzbistum München und Freising, wo Benedikt vor seinem Wechsel in den Vatikan als Erzbischof Joseph Ratzinger tätig war, fand Bätzing jedoch auch kritische Worte. Zwar habe Ratzinger sich an der Aufarbeitung beteiligt und die Betroffenen um Vergebung gebeten. Doch seien Fragen offen geblieben "und er ist mit diesen Fragen in die Ewigkeit Gottes gegangen".

Umstritten ist vor allem die Rolle Ratzingers beim Einsatz eines pädophilen Priesters, der aus dem Bistum Essen nach München gekommen war. Der Geistliche wurde trotz bereits bekannter Missbrauchsfälle weiter im Gemeindedienst eingesetzt und beging weitere Missbrauchstaten.

pe/ran