VOX-"Löwen" feiern Wald-Retter: Doch im entscheidenden Moment ging nur die Mailbox ran

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"Sie gehen reisen, und wir pflanzen Bäume": Chris Kaiser, der Gründer des Öko-Startups "B'n'Tree" möchte mit dem Vermittlungsgeld, das er von den großen Reisebuchungsplattformen einsammelt, Gutes tun und bedrohte Wälder weltweit wieder aufforsten. Seine Forderung: 75.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile. (Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius)
"Sie gehen reisen, und wir pflanzen Bäume": Chris Kaiser, der Gründer des Öko-Startups "B'n'Tree" möchte mit dem Vermittlungsgeld, das er von den großen Reisebuchungsplattformen einsammelt, Gutes tun und bedrohte Wälder weltweit wieder aufforsten. Seine Forderung: 75.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile. (Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius)

Ein wirklich würdiger Abschluss der neunten Staffel der VOX-Gründershow und ein Abend, den man lange nicht vergisst. In den letzten Sendeminuten lieferten sich Carsten Maschmeyer und Judith Williams einen hitzigen Kampf gegen Georg Kofler und Nils Glagau. Und dabei ging es nicht mal um Profite.

Die vielen Fans einer der weiterhin besten Show-Reihen im deutschen Fernsehen wissen es längst: Immer dann, wenn der meistens kühle Star-Investor Carsten Maschmeyer unvermittelt Gefühle zeigt, wird es ernst in der "Höhle der Löwen".

So fiel es dem zweifachen Familienvater, der sich nach der Heirat mit Schauspielerin Veronica Ferres auch um deren Tochter Lilly bemüht, diesmal zu, am späten Montagabend zum Staffelfinale des mittlerweile neunten Durchlaufs der VOX-Dauerbrennershow das verspätete Wort zum Sonntag zu sprechen. "Wir haben die Erde von unseren Kindern geliehen", sagte Maschmeyer. "Aber wir haben nur eine." Daher sei es unerlässlich, für ihren Erhalt zu kämpfen - und Geld-Interessen auch mal hintanzustellen.

"Sensationelle Idee", jubelt er über die Weltrettungsidee eines 33-Jährigen, der im grünen T-Shirt mit einem stilisierten Grüne-Lunge-Logo über dem muskulösen Oberkörper wortmächtig Werbung machte für eine Geschäftsidee, die eigentlich gar kein Geschäft sein soll. Sondern ein gigantisches weltweites Öko-Projekt. "Pro Minute verlieren wir 30 Fußballfelder im Regenwald", beklagte Chris Kaiser die fortschreitende globale Umweltkatastrophe durch die Vernichtung der Baumbestände. Er weiß, wovon er spricht - auch aus eigener Anschauung: Kaiser ist trotz seines vergleichsweise jungen Alters ein weit gereister Tourismusmanager, der als Sohn eines Tropenarztes unter anderem in Kamerun und Tansania auswuchs.

"Ich habe selbst ein CO2-schlechtes Gewissen", sagt der Vielflieger Carsten Maschmeyer. Er möchte Chris Kaiser unterstützen. Und siehe da: Gewinne interessieren den Star-Investor diesmal nicht! (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)
"Ich habe selbst ein CO2-schlechtes Gewissen", sagt der Vielflieger Carsten Maschmeyer. Er möchte Chris Kaiser unterstützen. Und siehe da: Gewinne interessieren den Star-Investor diesmal nicht! (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)

Öko-Unternehmer verspricht: "Wir sind kein Wohltätigkeitsverein"

Was er mit seinem Unternehmen "B'n'Tree" aufsetzen möchte, darf man als eine Revolution auf dem Tourismusmarkt verstehen. Die Grundidee: Seine Vermittlungsplattform arbeitet mit den weltweit führenden digitalen Reiseportalen zusammen. Wer über B'n'Tree bei einem der Branchen-Großen wie Booking.com oder anderen kooperierenden Anbietern eine Reise bucht, sorgt dafür, dass Kaisers digitale Firma eine Vermittlungskommission erhält. Und die wird "nachhaltig" investiert: Für jede Buchung lässt Chris Kaiser einen Baum oder gleich mehrerer Bäume pflanzen.

Seit dem Start von B'n'Tree konnte er so bereits über 100.000 neue Bäume in zwölf verschiedenen Ländern platzieren. Damit wurden auch Jobs geschaffen. Jetzt möchte er wachsen - und die Wälder wollen das auch. Mehr noch: Die Idee ließe sich laut Chris Kaiser auch über die Touristikbranche hinaus ausbauen.

Von einer "Win-Win-Win"-Idee sprach der enthusiastische Gründer, dessen Begeisterungskraft rasch auf die "Löwen" übersprang. Und das wohl auch, weil er - trotz aller idealistischer Öko-Phantasie - auch genau ihre Sprache spricht, die Sprache des Kapitals. "Wir sind kein Wohltätigkeitsverein", sagt Chris Kaiser über sein Startup, "sondern ein Unternehmen". Seine Begründung: Er will nicht bloß auf Spender oder auf unbezahltes Engagement von Ehrenamtlichen angewiesen sein. Seine Erfahrung zeige nämlich: Sobald die nächste Krise um die Ecke kommt, werden solche Leistungen gerne wieder zurückgefahren. Seine Baumpflanzungsfirma aber soll Bestand haben. Und prosperieren.

Qual der Wahl: Am Schluss des "Höhle der Löwen"-Staffelfinales muss der Öko-Unternehmer Chris Kaiser eine Entscheidung treffen. Er entscheidet sich für das Kombi-Angebot von Carsten Maschmeyer und Judith Williams.  (Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius)
Qual der Wahl: Am Schluss des "Höhle der Löwen"-Staffelfinales muss der Öko-Unternehmer Chris Kaiser eine Entscheidung treffen. Er entscheidet sich für das Kombi-Angebot von Carsten Maschmeyer und Judith Williams. (Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius)

"Wir wollen keinen Gewinn mit Ihnen machen"

Für sein kurios klingendes, aber absolut ernst gemeintes Konzept hat er sogar einen Namen: "Wir müssen den 'Karitalismus' erfinden", sagte Chris Kaiser. Damit meint er, dass das karitative Element mit dem kapitalistischen zusammenkommen müsse. Noch deutlicher macht er das durch zwei möglichst gegegensätzliche Pole: Falls der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im großen Stil in Öko-Projekte investierte, würde weltweit schnell der Vorwurf scheinheiligen "Greenwashings" laut. Andersherum würde einer Aktivistin wie Greta Thunberg eine gefährliche Nähe zum Profitstreben nahegelegt, wenn sie ein Modell wie B'n'Tree verfolgte. Chris Kaisers Lösung: ein Mix! Er will der "Mark Thunberg" der "Löwen" werden.

Die Wirkung? Tatsächlich weitgehend sensationell. Von einem Thema, "das ich großartig finde", schwärmte ganz schnell die Investorin Judith Williams. "Was mich wirklich überzeugt hat, das sind Sie", lobte sie Chris Kaiser. Und mit Carsten Maschmeyer hatte sie ganz rasch ein Idealisten-Bündnis geschmiedet. "Ich habe selber ein CO2-schlechtes Gewissen", gestand der vielfliegende Global-Unternehmer Maschmeyer. Für ihr Kombi-Angebot sprangen die beiden weit über ihre Schatten - zur großen Überraschung aller Beteiligten. "Wir wollen bei Ihnen investieren", sagte Judith Williams für das Interessenten-Duo. "Aber wir wollen keinen Gewinn mit Ihnen machen."

Wie oder was nun genau? Chris Kaiser war mit der Forderung in die Sendung gekommen, zur Unterstützung seiner Projekte 75.000 Euro aufzurufen und dafür zehn Prozent der Firmen-Anteile abzugeben. Maschmeyer und Williams überrumpeln ihn mit einem Gegenangebot, das es in dieser Form in der "Höhle der Löwen" noch nie gegeben hatte: Beide wollen Chris Kaiser die gewünschte Summe zur Verfügung stellen, verlangen dafür aber eine Beteiligung in Höhe von 25,1 Prozent.

Die durchtrainierte "FitOaty"-Gründerin Christina Schwarz war eine Unternehmerin ganz nach dem Geschmack von Nils Glagau (links). Er stellte seine Bedenken hintan, dass ihre Fertig-Gerichte ja eigentlich gekühlt in den Handel kommen müssen, und kaufte sich für 80.000 Euro ein Viertel der Firmenanteile. (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)
Die durchtrainierte "FitOaty"-Gründerin Christina Schwarz war eine Unternehmerin ganz nach dem Geschmack von Nils Glagau (links). Er stellte seine Bedenken hintan, dass ihre Fertig-Gerichte ja eigentlich gekühlt in den Handel kommen müssen, und kaufte sich für 80.000 Euro ein Viertel der Firmenanteile. (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)

Nils Glagau ändert in Rekordzeit seine Meinung

Allerdings: Genau diese Sperr-Minorität soll bei der erstbesten Gelegenheit künftigen neuen Mitarbeitern des Baum-Startups zur Verfügung gestellt werden, um sie an der Firma zu beteiligen. Sobald das Geschäft gut läuft, wollen die "Löwen" nur irgendwann ihr Start-Geld zurückhaben. "Wir wollen keinen Gewinn machen", sagt Carsten Maschmeyer. Aus seinem Mund hat man so etwas wohl noch nie gehört.

Doch in den Moment der Verblüffung platzten dann gleich noch zwei weitere "Löwen", die sich mit lautstarkem Gebrüll zu Wort meldeten. Mehr noch: Nils Glagau hatte in Windeseile seine Meinung geändert. Zunächst hatte er noch vorschnell ein vermeintlich schwammiges Konzept kritisiert und gesagt: "Ich bin nicht überzeugt." Nun schloss er sich flugs mit dem ebenfalls viel fliegenden Kollegen Georg Kofler für ein Gegen-Bündnis zusammen. Ohne Geld wollte auch Glagau Chris Kaiser nicht ziehen lassen.

"Ich möchte dich beim Wort nehmen", sagte Kofler zu dem Öko-Unternehmer. "Was du uns hier vorführst, ist Glaubwürdigkeit." Plötzlich stand ein ebenfalls sehr ernst zunehmendes Gegen-Angebot im Raum: Glagau und Kofler zeigten sich sogar bereit, den Betrag für B'n'Tree auf 100.000 Euro aufzustocken - im Gegenzug für 20 Prozent an der Firma.

Die Gründer der Kaffeegetränk-Marke "Mary's Cocunut Coffee" aus München können sich freuen. Ausgerechnet der Handelsexperte Ralf Dümmel, der selbst angeblich privat nur wenig Kaffee trinkt, fand ihr Produkt besonders lecker. Er steigt mit 30 Prozent ein und zahlt dafür 100.000 Euro. (Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius)
Die Gründer der Kaffeegetränk-Marke "Mary's Cocunut Coffee" aus München können sich freuen. Ausgerechnet der Handelsexperte Ralf Dümmel, der selbst angeblich privat nur wenig Kaffee trinkt, fand ihr Produkt besonders lecker. Er steigt mit 30 Prozent ein und zahlt dafür 100.000 Euro. (Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius)

Wenn der Rat-Geber sich rar macht ...

Plötzlich hatte Chris Kaiser, der zuvor noch so selbstbewusst kaum um Worte und Erklärungen verlegen war, die Qual der Wahl. Und ein Riesen-Problem: Er zog sich in den Studio-Hintergrund zurück, um ein klärendes Wort mit einem Firmen-Mentor zu wechseln. Sein kaum vorstellbares Pech: Der Kollege war nicht zu erreichen, am Handy meldete sich lediglich die Mailbox.

Also war Weltretter Chris auf sich allein gestellt. "Die Wahl ist extrem schwierig", sagte er. "Es sind tolle Angebote." Dann gab er sich einen Ruck - und wählte das Unterstützer-Team Maschmeyer-Williams. "Mama, das ist das vernünftigste Startup, das du je gemacht hast", nahm Judith Williams überglücklich die von ihr erwartete Jubel-Reaktion ihrer Kinder vorweg. Und Maschmeyer blieb mal wieder das Schlusswort: "Auf die Bäume, los!"

Das furiose Finale überstrahlte alles, was sonst noch in der Schluss-Episode der neunten "Höhle der Löwen"-Staffel geschah. Mit ihrem extrem leckeren Fitness-Hafer-Frühstück der Marke "FitOaty" setzte sich die kämpferische Bodybuilderin Christina Schwarz bei Investor Nils Glagau durch, und das "Mary's Dream Coffee"-Gründer-Trio überzeugte Ralf Dümmel. Leider noch nicht so richtig weit war dagegen die Nürnberger Schneiderin Lydia Walter mit einer kessen, Schmutz-abweisenden Koch- und Gastro-Schürze sowie die "Routago"-Gründer, die mit einer hochintelligenten Fußgänger-Navigationshilfe den Alltag von Sehbeeinträchtigten und Blinden erleichtern wollen. Allerdings: Auch ohne Deal gibt's ja immer die Chance, noch mal wiederzukommen. Die neue "Höhle der Löwen"-Staffel startet im Herbst.

Die erfahrenen IT-Unternehmer Gerd Güldenpfennig (links) und Stefan Siebert wollen mit ihrem Fußgänger-Navi "Routago" den Alltag von Blinden und Sehbeeinträchtigten leichter machen. Ihr Wunsch: 600.000 Euro für 20 Prozent am Unternehmen. Doch kein Deal kam zustande! (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)
Die erfahrenen IT-Unternehmer Gerd Güldenpfennig (links) und Stefan Siebert wollen mit ihrem Fußgänger-Navi "Routago" den Alltag von Blinden und Sehbeeinträchtigten leichter machen. Ihr Wunsch: 600.000 Euro für 20 Prozent am Unternehmen. Doch kein Deal kam zustande! (Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)