VW und PSA könnten ihre Einstiegsmodelle streichen

feedback@motor1.com (Stefan Wagner)
VW up! GTI concept

Der Profit im Kleinstwagen-Segment wird immer dünner

Das Kleinstwagen-Segment ist in Europa noch immer relativ stabil. Im Jahr 2017 hatten die Superminis einen Anteil von acht Prozent am Gesamtmarkt. Aber auch hier geht gerade ein Wandel vonstatten. Denn aufgrund strikter werdender Emissionsgesetze und dem Wunsch der Kundschaft nach immer mehr Technologie in den Fahrzeugen, wird es für die Hersteller zunehmend schwieriger, vernünftige Profite mit den ganz Kleinen zu generieren.

Was die ganz Kleinen können

In einem Bericht von Automotive News Europa haben sowohl Volkswagen als auch die PSA-Gruppe Ungewissheit bezüglich des Kleinstwagen-Marktes geäußert. VW-Boss Herbert Diess beschwerte sich über strengere Emissionsgrenzwerte ab 2020. Er fürchtete, die Kleinstwagen könnten hier keinen positiven Beitrag mehr leisten. Bisher war der geringe CO2-Ausstoß immer eine der Überlebensgarantien der A-Segment-Autos. Um die ab 2030 geltenden Grenzwerte einzuhalten, müsste der VW Up etwa 3.500 Euro teurer werden. Aktuell startet der Up bei 10.625 Euro. "Ich bin nicht sicher, wie viele Kunden sich unsere Einstiegsmodelle dann noch leisten könnten", sagte Diess.

Was PSA betrifft, so wird befürchtet, dass die Produktion der Kleinstwagen Peugeot 108 und Citroen C1 bald enden könnte. Derzeit baut man die Autos in einem Joint Venture mit Toyota (die Japaner steuern den Aygo bei) in einem gemeinsamen Werk in Tschechien. Es ist jedoch vorgesehen, dass Toyota die Fabrik im Jahr 2021 übernimmt. Das wird angeblich dazu führen, dass PSA das Segment komplett verlässt.

"Die Voraussetzung, Gewinn in diesem Segment zu machen, ist für jeden Autobauer mit mehr und mehr Druck verbunden, wegen all der Technologie, die wir zusätzlich unterbringen müssen", sagte PSAs operativer Direktor für Europa Maxime Picat im Januar gegenüber Journalisten.

Die Erhöhung der Preise, die aufgrund der modernen Technologien und der Einhaltung von Emissionsgrenzen immer unvermeidbarer scheint, beraubt die Kleinstwagen ihrer hauptsächlichen Daseinsberechtigung - nämlich das günstigste Angebot auf dem Markt zu sein. 

Ohne Kooperationen geht quasi gar nichts mehr. Das musste auch Opel spüren, das seine beiden kleinsten Modelle Karl und Adam einstampfen wird. 

Manche Industrie-Vertreter wie Citroen-Chefin Linda Jackson sehen eine mögliche Zukunft der Kleinsten eng an die Elektrifizierung gekoppelt. Günstiger wird das die Fahrzeuge aber auch nicht machen, zumindest nicht in absehbarer Zeit.

Quelle: Automotive News Europe