Vzbv-Chef Müller: Scheuer muss Industrie im Dieselskandal zur Verantwortung zwingen

Auspuff eines Wagens

Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) aufgefordert, die Autoindustrie im Dieselskandal zur Verantwortung zu ziehen. "Der Verkehrsminister muss wissen, dass die Schonfrist für die deutsche Autoindustrie vorbei ist", sagte Müller der "Rheinischen Post" vom Mittwoch. Seine Glaubwürdigkeit nehme "großen Schaden", wenn er es nicht schaffe, die Hersteller in die Pflicht zu nehmen.

Der am Montag angeordnete Rückruf von mehreren hunderttausend Daimler-Fahrzeugen sei für die Verbraucher eine "schockierende Nachricht", sagte Müller weiter. Wer ein Auto für viel Geld kaufe, dürfe erwarten, "dass er das bekommt, was er bestellt hat". Auf den mit der Dieselkrise verbundenen Schäden dürften die Verbraucher nicht sitzenbleiben. "Darauf muss der Minister zügigst Antworten finden."

Daimler muss wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen deutschlandweit 238.000 Fahrzeuge zurückrufen. Die Bundesregierung hatte am Montag einen amtlichen Rückruf mehrerer Diesel-Modelle angeordnet, von denen europaweit insgesamt 774.000 Autos betroffen sind. Scheuer hatte sich zuvor in Berlin mit Daimler-Chef Dieter Zetsche getroffen. Daimler kooperiert mit den Behörden.

Der Städte- und Gemeindebund forderte ein Gesamtkonzept zur Beilegung der Dieselkrise. "Der Flickenteppich aus Einzelfalllösungen - wie etwa auch streckenbezogene Fahrverbote oder der Ruf nach einer weiteren Plakette - lösen die Luftreinhalteprobleme weder mittel- noch langfristig", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg dem "Handelsblatt". Bund, Länder und Kommunen müssten gemeinsame Konzepte umsetzen.

Landsberg bekräftigte zudem die Forderung der Kommunen, Dieselfahrzeuge der Klassen Euro 4 und Euro 5 mit Hardware nachzurüsten, damit die Stickstoffdioxidbelastung sinke.