Während Menschen in häuslicher Quarantäne sind, übernehmen Ziegen eine Kleinstadt in Wales

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Die Tiere leben seit rund 150 Jahren in der Nähe der Kleinstadt Llandudno. Früher wurden sie wegen ihrer weichen Wolle gezüchtet, heute grasen sie eigentlich frei auf den grünen Weiten, die Llandudno umgeben. Weil die Straßen der Kleinstadt derzeit aber menschenleer ist, fressen sich die Kaschmirziegen durch die Vorgärten.

Eine Herde Kaschmirziegen hat die walisische Kleinstadt Llandudno übernommen, während sich die Menschen in häuslicher Quarantäne befinden. Foto: APimages / Peter Byrne / PA Wire
Eine Herde Kaschmirziegen hat die walisische Kleinstadt Llandudno übernommen, während sich die Menschen in häuslicher Quarantäne befinden. (Foto: APimages / Peter Byrne / PA Wire)

Wenn sich der Mensch in seine eigenen vier Wände zurückzieht, dann holt sich die Natur zurück, was eigentlich ihr gehört: In Llandudno, einer Kleinstadt an der Nordküste von Wales, bilden nun Kaschmirziegen die Vorhut der Tierwelt. Sie nutzen die Abwesenheit des Menschen und erobern das leergefegte Stadtgebiet.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hat es sich die Ziegenherde in dem rund 20.000-Seelen-zählenden Städtchen seit vier Tage bequem gemacht. Eigentlich leben sie auf einer naheliegenden Landzunge, die in die Irische See hineinragt. Jetzt aber hauen sie sich die Mägen voll mit Gartenhecken und Blumenbeeten.

Rührende Tierfreundschaft: Eine Eule und zwei Hunde kennen sich schon ihr ganzes Leben

Ziegen suchen sonst nur bei schlechtem Wetter Schutz in der Stadt

Wie viele Länder, hat auch Wales strenge Maßnahmen gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 eingeführt. Dazu zählt das „Social Distancing“, Geschäfte und Schulen sind geschlossen, Behörden fordern die Menschen auf, zuhause zu bleiben.

Weil deshalb das öffentliche Leben zum Erliegen gekommen ist und das Stadtgebiet von Llandudno menschenleer, konnten die Kaschmirziegen ungestört einfallen. Die Stadträtin Carlo Marubbi sagt im Gespräch mit Reuters, dass die Ziegen ansonsten nur bei sehr schlechtem Wetter den Schutz des Stadtgebietes suchen würden. Jetzt aber hätten die Tiere wohl verstanden, dass etwas Ungewöhnliches vorgehe. „Ich glaube, sie fühlen sich auch ein wenig einsam und sind deshalb hergekommen, hier nach dem Rechten zu sehen“, sagt sie.

Tierschutz: Diese Supermärkte kommen ihrer Verantwortung nicht nach

Ist es das, was alle mit Herdenimmunität meinten?

Die Ziegenherde, es sind rund 150 Tiere – manche haben erst im Februar Nachwuchs bekommen – sind eine bekannte und beliebte Attraktion der Stadt. Marubbi sagt, die meisten Einwohner und Einwohnerinnen hätten deshalb auch nichts dagegen, dass ihre Gartenpflanzen von den Ziegen angeknabbert würden. „Ich bin großer Fan, ich liebe die Tiere, weil sie Charakter haben“, sagt sie.

Die Ziegen vo Llandudno sind mittlerweile zum Twitter-Trend geworden. Unter dem Hastag #Llandudno und #goats finden sich zahlreiche Videos und Kommentare. Die klingen etwa so: „Ich grüße unsere neuen Ziegen-Herrscher.“ Oder: „Siri, zeige mir ein Video über Herdenimmunität.“ Und: „Mein Herz setzte kurz aus, als ich sah, dass Llandudno au Twitter trendet. Ich habe schlechte Nachrichten erwartet. Umso mehr freue ich mich, dass es um wilde Ziegen geht, die die Stadt übernommen haben.“

Tier-Freundschaft: Dieses Schaf fühlt sich offenbar wie ein Hund