Wahl in Frankreich: Kommt erst Le Pen und dann der Frexit?

Die Franzosen entscheiden am Sonntag über die Zukunft ihres Landes - und Europas.

Auf den Pariser Champs-Élysées pulsiert das Leben, als wäre nichts geschehen. Ein Jogger trabt die Prachtstraße hinauf. Eine Verkäuferin strebt ihrem Arbeitsplatz entgegen. „Weil man ja irgendwie weiterleben muss“, wie sie sagt. Aber es ist durchaus etwas geschehen, etwas, das Auswirkungen auf die Präsidentschaftswahlen haben dürfte, Frankreich womöglich auf Jahre hinaus verändern wird.

Welche Auswirkungen der noch in der Nacht zum Freitag von der Terrormiliz IS reklamierte Anschlag auf den Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen haben wird, ist offen. Neue Meinungsumfragen gibt es nicht. Aber dass die Terrorattacke auf der „schönsten Avenue der Welt“, wie die Pariser sagen, Auswirkungen haben wird, steht außer Frage.

Die Franzosen werden am Sonntag innerlich aufgewühlt die Wahllokale aufsuchen, zornig die einen, resigniert, gar verängstigt, die anderen. Zu vermuten steht, dass hiervon diejenigen Kandidaten profitieren, die sich diese Emotionen zunutze zu machen pflegen. Zwei der vier in der Wählergunst vorne liegenden Präsidentschaftskandidaten haben dies kurz nach Anschlag vor 4,7 Millionen Fernsehzuschauern vorexerziert. Im Kreis der bei France 2 versammelten Bewerber um das höchste Staatsamt haben die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der Konservative François Fillon Öl ins Feuer gegossen.

Die im flammend roten Kostüm erschienene Chefin des Front National bekundete ihren Zorn darüber, dass Frankreich islamistischen Gewalttätern hilflos ausgeliefert sei. Sie wartete mit der beunruhigenden Feststellung auf, dass weder sozialistische noch konservative Regenten in den vergangenen Jahren das Notwendige gegen den Terror unternommen hätten und empfahl sich als Präsidentin, die für Sicherheit und Ordnung sorgen werde. Mit Le Pen im Elysée-Palast wäre das nicht passiert, lautete die Botschaft.

Fillon überraschte mit dem die Ängste mehrenden Hinweis, das benachbarte 17. Arrondissement sei ebenfalls Schauplatz blutiger Angriffe. In der ihm eigenen staatsmännischen Gelassenheit stellte er dann klar, seine Landsleute würden bei ihm schmerzlich vermisste Geborgenheit finden. Beide suggerieren, sie könnten das Unmögliche vollbringen, die Franzosen vor Terror bewahren.

Emmanuel Macron, bis zu den tödlichen Schüssen in der Wählergunst knapp vorne liegend, schlägt andere Töne an. Keine 40 Jahre alt und politisch wenig erfahren, taugt der Sozialliberale nicht zum Schutz verheißenden Landesvater. Macron warnt davor, das Geschäft der Terroristen zu besorgen, in Panik zu verfallen, sich am Wahltag von Angst und Zorn leiten zu lassen.

Fahndung nach Belgier

Staatschef François Hollande bittet derweil zu einer weiteren Krisensitzung in den Elysée-Palast. Das Ergebnis ist wenig spektakulär. Es erschöpft sich im Wesentlichen in Gesten. Eine Visite bei den zwei verletzten Polizisten zählt dazu. Es ist ja längst alles getan, was der Staat im Kampf gegen den Terror tun kann. Seit der Anschlagsserie vom November 2015 leben die Franzosen im Ausnahmezustand. 7000 Militärs werden am Sonntag 50.000 Polizisten und Gendarmen unterstützen.

Sicherheit garantiert das Großaufgebot freilich nicht. Verunsicherung stiftet dazu, dass sich der zum Attacke auf den Champs-Élysées bekennende IS nicht C. als Täter...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung

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