Wahltriumph für Rot-Grün in Hamburg - FDP fliegt nach Nachzählung raus

Haushoher Sieg trotz deutlichen Verlusten: Die im Bund kriselnde SPD festigt bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg ihre Macht. Die Grünen erstarken, bleiben aber in der Juniorrolle. Zwei Parteien mussten besonders lang zittern. Mögliche Verwechslung bei Hamburg-Wahl stellt FDP-Ergebnis infrage

SPD-Spitzenkandidat und Erster Bürgermeister Peter Tschentscher auf der Wahlparty seiner Partei.

Das Wichtigste in Kürze:

  • SPD trotz Verlusten weiter stärkste Kraft

  • Grüne legen deutlich zu

  • CDU stürzt historisch ab

  • Linke bleibt stabil

  • AfD schafft Wiedereinzug knapp

  • FDP nach Auszählung nicht im Landtag

Nachzählung: FDP hat es nicht geschafft

Die FDP ist bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg ganz knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kamen die Freidemokraten auf 4,9 Prozent und verpassten so den Einzug ins Landesparlament. Allerdings gewann FDP-Spitzenkandidatin Anna von Treuenfels-Frowein in ihrem Wahlkreis Blankenese ein Mandat. Nach ersten Zahlen vom Sonntagabend hatte die FDP noch bei 5,0 Prozent gelegen. Bei der Wahl vor fünf Jahren holte die FDP 7,4 Prozent.

Wahlhelfer zählen in der Alsterdorfer Sporthalle die Stimmen aus (Bild: Daniel Reinhardt/dpa)

Triumph für Rot-Grün

SPD und Grüne haben in Hamburg einen klaren Wahlsieg eingefahren. Bei der Bürgerschaftswahl in dem Stadtstaat landete die SPD von Bürgermeister Peter Tschentscher weit vor dem grünen Regierungspartner.

Trotz Verlusten setzte sie sich damit vom jahrelangen Negativtrend der Partei im Bund ab. Die CDU rutschte auf ihr bundesweit schlechtestes Landtagswahlergebnis seit knapp 70 Jahren. AfD und FDP bleiben ganz knapp in der Bürgerschaft.

Wie das Landeswahlamt am Montag mitteilte, schaffte die AfD den Wiedereinzug in die Bürgerschaft mit 5,3 Prozent (2015: 6,1 Prozent). Stärkste Kraft wurde die SPD von Bürgermeister Peter Tschentscher mit 39,2 Prozent (45,6). Auf Platz zwei landeten die Grünen unter Spitzenkandidatin Katharina Fegebank mit 24,2 Prozent (12,3). Auf die CDU entfielen 11,2 (15,9), auf die Linke 9,1 Prozent (8,5).

Ergebnisse der Bürgerschaftswahl 2020 - Stimmenanteil, Veränderung ggü. 2015 und Sitzverteilung; (Bild: dpa: Grafik: A. Zafirlis/J.Reschke; Redaktion: J. Schneider)

Die wahrscheinlichste Regierungsvariante ist die Fortsetzung der seit 2015 bestehenden rot-grünen Koalition. Tschentscher kündigte bereits an, zuerst mit den Grünen zu sondieren. Fegebank sprach von einem klaren Wählerauftrag, Rot-Grün fortzuführen. Die Grünen hatten allerdings lange gehofft, selbst stärkste Kraft zu werden und Fegebank zur Regierungschefin zu machen. Neben Rot-Grün wäre rechnerisch auch eine Koalition von SPD und CDU möglich, politisch ist das jedoch unwahrscheinlich. “Wir stehen bereit zu Gesprächen”, sagte CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinberg.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) erhofft sich vom überraschend guten Ergebnis der SPD einen Push auch im Bund. Er sei “super glücklich” über das Hamburger Ergebnis, sagte der Vorgänger von Tschentscher. Grünen-Chef Robert Habeck nannte die starken Zugewinne der Grünen ein “fulminantes” Ergebnis und Auftrag auch im Bund. Zu verdanken sei das auch dem “Mut, Ja zu sagen, aus der Herausforderer-Position um Platz eins zu kämpfen”.

Mehrere Parteien sagten ihre Wahlkampfabschlussveranstaltungen nach dem Anschlag von Hanau am Mittwochabend ab. Die anderen Parteien hatten die AfD indirekt mitverantwortlich gemacht.

AfD-Spitzenkandidat erleichtert über Wiedereinzug in Bürgerschaft

Hamburgs AfD-Spitzenkandidat Dirk Nockemann hat sich erleichtert über den knappen Wiedereinzug seiner Partei in die Hamburgische Bürgerschaft gezeigt. "Knapp drin ist in diesem Fall ein großer Erfolg, weil wir uns den Kampagnen des gesamten politischen Establishments dieser Stadt Hamburg ausgesetzt gesehen haben", sagte Nockemann am Sonntag. Im Wahlkampf habe es "unselige rhetorische Überspitzungen" seitens der anderen Parteien gegenüber der AfD gegeben. "Wir sind in die Nähe eines irrsinnigen Attentäters gerückt worden, dem wir angeblich durch unsere Formulierungen Munition geliefert hätten: Etwas so Wirres, etwas so Verdrehtes und Schändliches uns gegenüber habe ich noch in gar keinem Wahlkampf wahrgenommen", sagte er.

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