Wahl in Frankreich: Macron greift Le Pen frontal an

In der ersten Runde der Präsidentschaftswahl hatte Marine Le Pen den zweiten Platz erreicht. Foto: Michel Euler

Vor der entscheidenden Stichwahl in Frankreich hat Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron seine rechtspopulistische Konkurrentin Marine Le Pen mit ungewöhnlicher Härte angegriffen.

«Sie kommt aus einer Partei, die sich dauerhaft geweigert hat, die Gesetze der Republik zu respektieren», sagte der sozialliberale Anwärter am Mittwochabend bei einer Wahlkampfveranstaltung im nordfranzösischen Arras.

Umfragen sehen Macron bei der Stichwahl am 7. Mai deutlich vorne. Er hatte den ersten Wahlgang am Sonntag mit 24 Prozent gewonnen, Le Pen kam mit 21,3 Prozent auf den zweiten Platz.

«Sie (Le Pen) hat sich geweigert, sich den Richtern der Französischen Republik zu fügen», sagte Macron. Der 39-Jährige spielte auf die Affäre um Assistentenjobs im Europaparlament an. Die französische Justiz untersucht, ob Abgeordnete der Front National aus Mitteln des Parlaments Assistenten bezahlten, die tatsächlich für die Partei tätig waren. Le Pen war von Ermittlungsrichtern einbestellt worden, hatte sich aber geweigert, der Vorladung während des Wahlkampfs nachzukommen. Le Pen wies die Vorwürfe mehrfach zurück.

«Sie gibt vor, aus dem Volk zu kommen, aber sie ist eine Erbin», sagte Macron vor seinen Anhängern. Die Front National war von Le Pens Vater Jean-Marie Le Pen gegründet worden.

Die 48 Jahre alte Le Pen hatte Macron am Mittwoch mit einem Überraschungsbesuch bei einer von der Schließung bedrohten Fabrik in Amiens überrumpelt. Während der Ex-Wirtschaftsminister mit Gewerkschaftsvertretern über das Werk sprach, besuchte die Rechtspopulistin streikende Mitarbeiter.

Eine mit zahlreichen Cyberattacken auf politische Organisationen in Verbindung gebrachte Hackergruppe soll auch die Wahlwahlkampagne von Macron ins Visier genommen haben. Macrons Bewegung «En Marche!» teilte mit, die Kampagne sei laut der auf IT-Sicherheit spezialisierten Firma Trend Micro Ziel der Gruppe «Pawn Storm» geworden. Westliche IT-Sicherheitsfirmen vermuten dahinter eine Gruppe mit mutmaßlicher Nähe zu russischen Geheimdiensten, die auch hinter Hackerangriffen auf den Parteivorstand der US-Demokraten und die CDU von Bundeskanzlerin Angela Merkel stecken soll.

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