Wahlkampfrede: Wie Martin Schulz auch in Gabriels Heimat die SPD begeistert

In Wolfenbüttel zeigen sich die beiden SPD-Granden als beste Freunde.

Eigentlich soll es der Abend des Sigmar Gabriel sein. Im eigenen Wahlkreis im niedersächsischen Wolfenbüttel steht seine Kür zum Bundestags-Direktkandidaten auf der Tagesordnung. Doch als er mit Martin Schulz auf die Bühne zu schreitet, geht Gabriel – noch wenige Tage SPD-Parteichef – zwar neben, aber auch etwas hinter seinem Nachfolger. Als die beiden das Podium besteigen, reißt anfangs allein Schulz die Arme nach oben. Gabriel applaudiert.

Es ist die Generalprobe für die Übergabe des Staffelstabs auf dem SPD-Bundesparteitag am Sonntag in Berlin – vom alten an den neuen Vorsitzenden. Und an den Kanzlerkandidaten. Hier in der Lindenhalle, wo sonst das Wolfpack Wolfenbüttel Basketball spielt und der Schlagersänger Jürgen Drews oder der Comedian Matze Knop auftreten, spricht Schulz weniger als sonst über das Land, dafür aber umso mehr über Sigmar Gabriel. Und damit auch über sich selbst.

Gabriel und er seien „ganz ähnliche Charaktere und Temperamente“, sagt Schulz. Deshalb sei es gut, dass manches Gespräch, das zwischen ihnen stattgefunden habe, nicht nach draußen gedrungen sei.

Umarmung wie aus einem Liebesfilm

Schulz spricht auch über die Härten, denen Politiker in der Öffentlichkeit oft ausgesetzt seien. Er hält die Faust geballt, als er sagt: Jeder müsse selbst die Frage an sich richten, was er sich zumuten könne und wolle. Er weiß: Gabriel hat viel eingesteckt, ihm selbst fliegt die Zuneigung gerade nur so zu. Eine Garantie dafür, dass es so bleibt, gibt es nicht.

„Ich bin dankbar dafür, dass ich diesen Mann meinen Freund nennen darf“, sagt Schulz über Gabriel. Ihre Umarmung könnte einem Liebesfilm entstammen. Schulz und Gabriel nehmen einander bei den Händen, blicken sich ins Gesicht und ziehen die Köper schwungvoll aneinander. Nur ein Kuss fehlt.

Die Botschaft ist klar: Martin Schulz, der neue König der Sozialdemokraten, würdigt den Mann, der für ihn abgedankt hat. Sigmar Gabriel hat sich vor knapp zwei Monaten unter die überlebensgroße Statue Willy Brandts in der SPD-Zentrale in Berlin gestellt und eingeräumt, Schulz sei der bessere Kanzlerkandidat. Dessen Gesicht sah dabei aus wie das eines kleinen Jungen, der zu Weihnachten die lange gewünscht Spielkonsole bekommen hat. Auch Gabriel lächelte. Professionell.

Diejenigen, die es gut mit Gabriel meinen, sagen, er habe an diesem Tag die SPD gerettet. Indem er auch noch auf den Verzicht auf den Parteivorsitz erklärte, habe Gabriel sich zum Wohle aller das eigene Herz herausgerissen. Kritiker meinen, Gabriel habe in Wirklichkeit sich selbst gerettet. Einen aussichtslosen Wahlkampf, ein niederschmetterndes Ergebnis und das Karriereende: mehr habe er nicht zu erwarten gehabt. Jetzt sei er Außenminister. Beide Sichtweisen sind richtig.

Schulz befriedet die SPD

Wie aber kann es sein, dass mit einer einzigen Veränderung für die SPD auf einmal alles anders ist? Dass dort 10.000 Menschen eintreten, so viele, dass der Partei zwischenzeitlich die Parteibücher ausgehen? Dass ausgerechnet der designierte Vorsitzende der 150 Jahre alten SPD in Internetclips gefeiert wird, als sei er ein Popstar? Dass die Umfragewerte der Partei jetzt stabil über 30 Prozent liegen? Oder, anders gefragt: Was macht bei Schulz den Unterschied?

In der Partei verweisen viele darauf, dass Schulz das sozialdemokratische Aufstiegsversprechen perfekt verkörpere. Schulz spricht gern und viel davon, dass er Fußballprofi werden wollte und sich selbst überschätzte. Er geriet ins Straucheln, hatte Alkoholprobleme und schaffte es mit Hilfe von Freunden und Familie zurück ins geordnete Leben. Er, der Buchhändler ohne Abitur, wurde zum Präsidenten des Europäischen Parlaments. Eine beeindruckende Vita. Doch auch Gabriel, Sohn einer alleinerziehenden Krankenschwester, hat eine echte Aufsteigerbiografie.

Andere in der Partei betonen, Schulz habe bereits gute Akzente gesetzt. Gemeint ist die Forderung nach einem Arbeitslosengeld Q, mit dem Menschen die Chance zur Qualifizierung gegeben werden soll, damit sie nicht in Hartz IV abrutschen. Es ist eine Korrektur...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung

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