Wahrzeichen in Nationalfarben: So gehen andere Länder mit der "Trauerbeleuchtung" um

Nach welchen Kriterien wird in Paris, Madrid, Rom, Tel Aviv oder Athen entschieden?

In Berlin wird aktuell darüber diskutiert, warum das Brandenburger Tor nach dem Anschlag in St. Petersburg nicht in den Nationalfarben Russlands angestrahlt wurde – wie es davor schon so viele traurige Male für andere Städte passiert war. Die Entscheidung fiel gemäß einer „Richtlinie“ der Senatskanzlei, die im Januar schriftlich fixiert worden war – nach einer Serie von Anschlägen, die klar machte, es muss eine Regel her, sonst wird die Geste zur  inhaltsleeren Tradition.

Seitdem gilt also, dass das Brandenburger Tor nur noch dann in Nationalfarben leuchten soll, wenn die Anschlagsorte auch Partnerstädte sind. Oder – hier beginnt die Willkür – wenn es „Orte mit besonderem Bezug“ sind, wie etwa Orlando, wo der Täter in einer Schwulendisko gemordet hatte. Eine Art "Trauerbeleuchtung" war vor allem beim zweiten verheerenden Anschlag in Paris internationaler Konsens, wie unsere Bilder aus anderen Städten zeigen. Doch nach welchen Kriterien wird dort eigentlich entschieden, wann beleuchtet wird und wann nicht? Wir haben uns bei unseren Korrespondenten umgehört.

Spanien

Madrid hat bisher nur einmal aus Solidarität mit den Opfern eines Terroranschlags sein Rathaus, den Cibeles-Palast, anstrahlen lassen: in den Farben der französischen Fahne nach den Pariser Attentaten in der Nacht vom 13. November 2015. Es war eine Initiative der Stadtregierung. Am 2. September 2016, zum ersten Todestag des Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi, wurde das Rathaus zur Erinnerung an "alle, die ihr Leben auf der Flucht vor dem Krieg verloren haben", in grünes Licht getaucht. Eine öffentliche Debatte darüber, welcher Anlässe auf diese Weise gedacht werden sollte, hat es in Spanien noch nicht gegeben.

Am Dienstag hat nun die Regionalregierung von Madrid eine russische Fahne mit Trauerflor am Balkon ihres Sitzes an der Puerta del Sol aufgehängt. Fahnen mit Trauerflor seien auch bei früheren Attentaten aufgehängt worden - so auch die deutsche nach dem Berliner Anschlag, sagte ein Sprecher der Regionalregierung auf Anfrage der Berliner Zeitung. Die Möglichkeit zur Fassadenbeleuchtung gibt es hier aber erst seit Anfang dieses Jahres, und sie wird nicht für die Solidaritätsbekundungen mit Anschlagsopfern benutzt. Martin Dahms

Frankreich

Wenn der Pariser Eiffelturm des Nachts in bunten Farben erstrahlt, ist das ein schlechtes Zeichen. Dann hat draußen in der Welt wieder der Terror gewütet, erweist Paris den Nationalfarben des heimgesuchten Landes die Ehre. Ob nach den Attentaten auf dem Brüsseler oder Istanbuler Flughafen oder auch nach dem Münchner Amoklauf im vergangenen Juli: Stets zeigte der Eiffelturm Flagge. Auf Anordnung der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo geschah dies. Sie ist in ihren Entscheidungen frei. Kriterien, wann es weithin sichtbar Solidarität zu bekunden gilt, gibt es...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung

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