Waipu.tv-Stick im Test: Das Kabelfernsehen aus dem Internet

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Berlin (dpa/tmn) - Sie sehen gerne fern? So richtig mit Nummerntasten auf der Fernbedienung und schnellem Zappen durch die Kanäle? Feste Sendezeiten und ein Fernsehprogramm sind für Sie kein Graus, weil Sie gerne um exakt 20.15 Uhr den Spielfilm am Abend schauen?

Da sind Sie in guter Gesellschaft - zumindest, wenn man der Marktforschung des Online-TV-Anbieters Waipu.tv glaubt. Denn dort hat man etliche Tausend Nutzerinnen und Nutzer des Angebots sowie weitere Menschen befragt, was sie sich wünschen würden, falls Waipu.tv mal einen TV-Stick herausbringen würde.

Das Angebot: klassisches Fernsehen plus Streaming

Das Ergebnis: Es soll alles wie beim Fernsehen sein - und dazu gerne ein wenig Streaming. Fertig ist der Waipu.tv-4k Streaming Stick genannte Anstecker für den Fernseher. Er hat Großes vor: Das Gerät soll das klassische Kabel- oder Satellitenfernsehen beerben.

Moment - was Waipu.tv ist, fragen Sie? Kurz: Ein TV-Anbieter mit eigenem Glasfasernetz. Klassische Fernsehsender und weitere TV-Inhalte werden über das Exaring genannte Netzwerk innerhalb Deutschlands übertragen. Das eigene Leitungsnetz soll für eine schnelle und stabile Übertragung sorgen. Nur auf dem letzten Weg zum Empfänger wird das «normale» Internet genutzt.

Nach eigenen Angaben ist der Video-on-Demand-Dienst aktuell für rund 640 000 Nutzerinnen und Nutzer die «primäre Fernsehquelle». Die schauen momentan per App auf ihren Smart-TV, Streamingboxen oder über das Smartphone.

So kommt das Angebot auf den Fernseher

Mit dem neuen Stick soll das Programm einfacher zugänglich sein. Die Installation ist einfach. Der Stick wird in einen freien HDMI-Anschluss am Fernseher gesteckt. Wer ein Android-Smartphone hat, braucht eigentlich nur dem Google Assistent «Mein Gerät einrichten» zu sagen, ab geht's. Alle anderen müssen dem Einrichtungsassistenten folgen, was aber auch nur 20 Sekunden länger dauert.

Ein Waipu.tv-Konto braucht man auch noch, das Angebot des Dienstes ist schließlich nicht umsonst. Ab 5,99 Euro im Monat geht es los mit mehr als 100 TV-Kanälen und Zusatzangeboten, 12,99 Euro kostet das volle Angebot, knapp 20 Euro sind es mit zusätzlichem Netflix-Abo.

Wer daheim Kabelanschluss oder Satellitenschüssel hat, fühlt sich mit dem Waipu-Stick schnell heimisch. Das liegt auch an der Fernbedienung. Die hat neben eigenen Tasten für Netflix, Youtube und die Waiputhek - dazu später mehr - tatsächlich noch Nummerntasten.

Dokus, Krimis und andere Fernseherlebnisse

Für viele überzeugte Streamer und Mediatheken-Nutzer, die längst nicht mehr linear fernsehen, wirkt das wie ein Zeitsprung in die Vergangenheit. Um die geht es hier aber gar nicht: «Das Fernseherlebnis steht im Vordergrund», heißt es dazu von Christoph Bellmer, dem CEO der Waipu-Mutter Exaring.

Soll heißen: Dieser Stick ist für Leute gemacht, die gerne fernsehen. Deswegen ist auch dieser Test eine Wiederentdeckung des klassischen Linear-TV. Denn der Waipu-Stick wirft gleich beim ersten Einschalten einen Donna-Leon-Krimi, der in Venetien spielt, auf den Bildschirm. Und auf den Nachrichtensendern laufen immer noch Dokus über geheime Wunderwaffen des Zweiten Weltkriegs. Als wäre man nie weg gewesen.

Auch Netflix, Youtube und Co. sind im Angebot

Die weitere Einrichtung geht schnell, aber nicht immer problemlos. Netflix-App, Youtube-App, ARD-Mediathek - alles ist leicht zu finden. Da der TV-Stick mit Googles Android TV läuft, gibt es eine riesige Auswahl an Diensten, die sich integrieren lassen. Und drückt man aus Versehen einen falschen Knopf, landet man fast immer wieder bei Donna Leon im Ersten und sieht schöne Kanalszenen in Venedig.

Neben dem klassischen TV mit 120 bis 167 Kanälen gibt es noch diverse Themenkanäle hinzu - je nach gebuchtem Tarif. Zum Beispiel den Kanal für skandinavische Krimis. Leider ohne Originalton. In den etwas höherpreisigen Paketen ist auch die Waiputhek enthalten. Hinter dem Namen verbirgt sich eine On-Demand-Videothek mit deutschen und internationalen Filmen. Ein paar bekannte und große Titel sind dabei.

Die Software des Sticks schafft es, dieses große Angebot sauber zu strukturieren. Die Suche, das Programm mit Informationen zu Filmen, Dokus und Co.: klappt alles super. Sogar das Zappen macht Spaß - das geht mit dem Stick fast so schnell wie früher am analogen Kabelanschluss. Beste Funktion: Einmal Pfeil nach unten drücken - und sofort wird mit einem kleinen Bild und einer Kurzinfo angezeigt, was auf allen anderen Kanälen läuft. QuickZapper nennt Waipu das.

Und dann gibt es noch eine praktische Aufnahmefunktion. Hier wird im Rechenzentrum von Waipu gespeichert, was man sich später ansehen will - teils auch nach Serien, Staffeln und Folgen geordnet. So wie der alte Videorekorder, nur besser.

Für wen sich der Waipu-TV-Stick eignet

Und wer braucht das jetzt? Vielleicht hilft eine kleine Beispielrechnung: Wer den Kabelanschluss im Mehrfamilienhaus mitmietet, zahlt dafür je nach Hausgröße, Lage und Anbieter meist mehr als das kleinste Abomodell von Waipu. Wer einen Einzelanschluss im Einfamilienhaus hat, zahlt dafür deutlich mehr. Da mittlerweile die meisten Haushalte einen Breitbandanschluss haben, könnte man mit dem Umstieg auf das Fernsehen über das Internet monatlich einige Euros sparen.

Wer die Schüssel am Balkon oder auf dem Dach hat, spart vielleicht das HD+-Abo oder den neuen Empfänger und die Kabelverlegerei für einen weiteren Fernseher. Je nach Abonnement lassen sich bei Waipu zwei bis fünf Geräte gleichzeitig betreiben. Und wer Waipu.tv bisher per App nutzt: Der Stick funktioniert im Vergleich einfach besser.

Wer also TV mit all seinen Eigenheiten mag und dazu noch streamt, fände mit dem Waipu-TV-Stick einen HDMI-Stecker, der all das auf aktuellen und auch auf schon ein paar Jahre alten Fernsehern leicht bedienbar bündelt. Für knapp 60 Euro oder alternativ 3 Euro Miete im Monat (hängt vom Abo ab) ist er nicht sonderlich teuer.

Ob der Stick nun wirklich das Ende von Kabelanschluss und Sat-Schüssel bedeutet, sei mal dahingestellt. Eine prüfenswerte Alternative ist er für Fernsehfreunde aus Kostengründen und wegen der Fülle an Kanälen und Funktionen. Wer sich eh schon längst vom klassischen linearen Fernsehen verabschiedet hat, ist mit den Streamingboxen von Roku, Fire TV, Apple und Co. aber besser bedient.

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