Kampf gegen Waldbrände in glühender Hitze in Türkei und Griechenland geht weiter

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Inmitten glühender Hitze haben tausende Feuerwehrleute in der Türkei und Griechenland am Dienstag weiter gegen die schlimmsten Waldbrände seit Jahren gekämpft. Erneut mussten Einwohner und Touristen vor den Flammen in Sicherheit gebracht werden. In der Türkei näherte sich das Feuer am Abend immer weiter einem Wärmekraftwerk, Bauern mussten ihr Vieh aus brennenden Ställen an die Strände scheuchen.

Nach Angaben der türkischen Regierung wurden seit der vergangenen Woche im ganzen Land mehr als 150 Brände registriert. Mehr als 5000 Feuerwehrleute waren im Einsatz, die Polizei schickte Wasserwerfer zu den Löscharbeiten.

Bei den Bränden in der Türkei kamen mindestens acht Menschen ums Leben, darunter laut Medienberichten auch ein türkisch-deutsches Paar. Der türkische Mann und seine in Deutschland geborene binationale Frau hätten in Manavgat in der südlichen Provinz Antalya versucht, ihren Hund aus den Flammen zu retten, berichtete ein Nachbar der Zeitung "Hurriyet". Die beiden seien gestorben, der Hund habe überlebt.

In der Stadt Milas näherte sich ein großes Feuer einem Wärmekraftwerk. Die Situation sei sehr ernst, warnte der Bürgermeister in einem Video im Onlinedienst Twitter. Die Flammen rückten immer dichter auf das Kraftwerk zu.

Im Urlaubergebiet Marmaris an der Ägäis-Küste sahen Reporter der Nachrichtenagentur AFP, wie Bauern ihr Vieh aus brennenden Ställen an den Strand scheuchten. "Das Feuer kam rasend schnell", berichtete Mevlut Tarim, der mehrere seiner Tiere durch dichten Rauch hindurch rettete. "Eine meiner Kühe starb, sie verbrannte."

Seit Jahresbeginn wurden nach Behördenangaben schon fast 95.000 Hektar Fläche durch Brände zerstört. In den Jahren 2008 bis 2020 waren es im gleichen Zeitraum durchschnittlich rund 13.500 Hektar. Am Montag hatte die EU Löschflugzeuge in die Türkei geschickt, um bei der Bekämpfung der Waldbrände zu helfen.

Präsident Recep Tayyip Erdogan dankte am Dienstag im Onlinedienst Twitter allen "freundlichen Ländern", die Hilfe gesandt hätten. Damit wollte er offenbar Kritik entkräften, er habe zu zögerlich und nur unwillig Hilfe von außen angenommen. Der Staatschef steht vor allem in den Onlinenetzwerken zunehmend in der Kritik wegen seines Krisenmanagements.

Die Brände wurden von Rekordtemperaturen von über 40 Grad Celsius begünstigt. Die Hitze führte in vielen Städten auch zu einem Rekordanstieg des Stromverbrauchs. Dadurch fiel der Strom in Großstädten wie Istanbul und Ankara immer wieder aus, was die Kritik an Erdogan verstärkte.

Auch in Griechenland herrschen Rekordtemperaturen, das Land ächzt seit der vergangenen Woche unter der schlimmsten Hitzewelle seit mehr als 30 Jahren. In einigen Teilen des Landes wird in dieser Woche mit Höchsttemperaturen von 43 Grad Celsius gerechnet. Die Temperaturen erschwerten den Kampf gegen die Flammen - und begünstigen immer neue Brände.

Am Dienstag brach ein neuer Waldbrand nördlich der Hauptstadt Athen aus. Wegen des Feuers am Fuße der Parnitha-Bergkette musste nach Angaben der Feuerwehr ein Teil der Autobahn gesperrt werden, die Athen mit dem Norden und Süden des Landes verbindet. Der Zivilschutz verschickte Warnmeldungen an die umliegenden Bewohner. Medienberichten zufolge wurden zudem dutzende Kinder aus einem nahegelegenen Ferienlager in Sicherheit gebracht.

Auch in Italien und Spanien brennen derzeit Wälder und Felder. In Zeiten der Klimakrise erreiche das Ausmaß der Feuer eine neue Dimension, erklärte die Umweltschutzorganisation WWF. In Südeuropa würden seit 2017 immer häufiger sogenannte "Megabrände beobachtet, die wahre Feuerstürme erzeugen".

jes/dja

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