Wann kommt der nächste Finanzcrash? Journalist Dirk Laabs bei „Markus Lanz“

Zu Gast bei Markus Lanz: (v. l.) Bettina Tietjen, Klaas Heufer-Umlauf, Martin Suter und Dirk Laabs (Bild: Screenshot ZDF)

10 Billionen Euro kostete laut einer Studie der Commerzbank die Finanzkrise 2010. Davon, dass der nächste Crash kommt, sind die meisten Finanzexperten überzeugt. Das wurde am Mittwochabend bei „Markus Lanz“ diskutiert.

Die nächste Finanzkrise kommt – davon ist der Journalist Dirk Laabs spätestens seit den Dreharbeiten für seine Dokumentation „Geheimakte Finanzkrise – Droht der nächste Jahrhundert-Crash?“ überzeugt. Bei den Dreharbeiten habe man viele verschiedene Leute gesprochen – von Wolfgang Schäuble über Hans Eichel bis hin zu hochrangigen Bankern. „Es gibt keinen, der nicht vor einer Krise gewarnt hätte“, erklärte Laabs in der Sendung. „Alle haben gesagt: ‚Euch muss klar sein, die nächste Krise kommt und sie wird mutmaßlich schlimmer‘“. Der Chef der Deutschen Bank habe sogar erklärt, dass er deswegen nachts nicht schlafen könne. „Hätten sie ein Datum für uns“, fragte Moderator Lanz. Laabs verwies auf die Prognose des Chefs der Deutschen Bank: „Er sagte, zwischen drei und fünf Jahren.“

In seinem Buch „Bad Bank – Aufstieg und Fall der Deutschen Bank“, dass am 17.09. veröffentlicht wird, beschreibt Laabs den Moment der absoluten Panik im Bankwesen – weil selbst der damalige Chef Josef Ackermann nicht weiterwusste. „Man dachte immer, der Ackermann, der weiß, was er macht, der leitet die größte Bank der Welt, wenn alles schiefgeht, fragen wir ihn und er hat ’ne Lösung. Dann hat mir ein hochrangiger Beamter beschrieben: Als man realisiert hat, der weiß es selbst nicht, war die Panik absolut. Man dachte wirklich, dass sei das Ende des Kapitalismus, der Wertschöpfung. Die Panik war sehr groß, weil man merkte, dass diejenigen, die diese Maschine gebaut haben, sie nicht beherrscht haben.“

Journalist Dirk Laabs sprach für seine Recherche mit hochrangigen Vertretern der Finanzwelt. (Bild: Screenshot ZDF)

Auch die Rolle der Politik wurde diskutiert. Besonders ein Interviewausschnitt mit dem ehemaligen Finanzminister Hans Eichel sorgte für Aufregung. Eichel erklärte darin: „Dann kommt ein Warren Buffett, der dann mal drüber redet, was da wirklich passiert: Dass die Derivate sowas wie finanzielle Massenvernichtungswaffen sind. Das hätten uns auch hochbezahlte, hochverantwortliche deutsche Banker sagen können und wir hätten dann vielleicht andere Gesetze gemacht.“

Hier, so waren sich die Gäste einig, hat der Gesetzgeber versagt. Laabs erklärte, die Gesetze wären eindeutig von den Finanzlobbys verfasst worden. „Und sie haben es abgesegnet, weil sie keine Ahnung haben“, attestierte Moderatorin Bettina Tietjen.

Warum die Politik dennoch darauf eingestiegen sei, fragte Lanz. Laabs Antwort: „Wunschdenken. Sie wollten dieses Problem von der Backe haben, wollten nicht auch noch die Banken marode haben, weil die Wirtschaft schon so nicht wirklich lief.“ Die Politik agierte nach dem Motto „Vielleicht klappt‘s ja“.

Bezüglich der Frage, wie man sein Geld sicher investieren kann, fand man in der Diskussionsrunde keinen Konsens. Darüber, dass die nächste Finanzkrise – in welchem Zeitraum auch immer – so gut wie sicher sei, waren sich an diesem Abend im Prinzip alle einig.