Warum der mutmaßliche 9/11-Drahtzieher vermutlich auch in zwanzig Jahren nicht verurteilt wird

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Khalid Sheikh Mohammed bei seiner Verhaftung 2003 (Bild: Reuters)
Khalid Sheikh Mohammed bei seiner Verhaftung 2003 (Bild: Reuters)

Dieser Artikel ist Teil der Yahoo Reihe „An diesem Tag“

Vor genau zwei Jahrzehnten wurden bei den Anschlägen vom 11. September in den USA fast 3.000 Menschen getötet, als Terroristen das World Trade Center angriffen.

Der frische New Yorker Morgen des 11. September 2001 verwandelte sich in eine dramatische Szene von Chaos, Zerstörung und Tragödie, nachdem zwei Flugzeuge in das World Trade Center in Manhattan geflogen waren.

Das Pentagon in Washington DC wurde ebenfalls von einem Flugzeug getroffen, während die Passagiere und die Besatzung der United 93 die Entführer überwältigen konnten, bevor sie ihr geplantes Ziel in Washington DC treffen konnten. Man nimmt an, dass es sich dabei entweder um das Weiße Haus oder das Kapitol handelte.

Die United 93 stürzte auf ein Feld in Somerset County, Pennsylvania, bevor die Terroristen ihren Anschlag verüben konnten – alle 44 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben.

Am Samstag jährt sich der tödlichste terroristische Anschlag in der Geschichte der USA zum 20. Mal, aber Khalid Sheikh Mohammed, der Drahtzieher der Anschläge, steht noch immer nicht vor Gericht und dies wird wohl auch in den nächsten 20 Jahren nicht der Fall sein.

Rauchschwaden aus dem World Trade Center nach den Anschlägen vom 11. September 2001. (AFP)
Rauchschwaden aus dem World Trade Center nach den Anschlägen vom 11. September 2001. (AFP)
Ein Luftbild zeigt die Stelle, an der das World Trade Center nach dem Terroranschlag vom 11. September einstürzte. (AFP)
Ein Luftbild zeigt die Stelle, an der das World Trade Center nach dem Terroranschlag vom 11. September einstürzte. (AFP)

„Ein fatales Zusammenspiel von Komplikationen“

Mohammed wurde im März 2003 in Pakistan gefangen genommen und ist seit 2006 im Gefangenenlager Guantanamo Bay inhaftiert.

Im Jahr 2008 wurde er wegen Kriegsverbrechen und Mordes angeklagt und sein Vorverfahren wurde diese Woche wieder aufgenommen – doch sein Verteidiger glaubt, dass der Prozess erst in zwei Jahrzehnten abgeschlossen sein wird.

David Nevin, der Mohammed seit 2008 vertritt, erklärte in der Sendung „Today“ von BBC Radio 4: „Wir haben es hier mit einem fatalen Zusammenspiel von Komplikationen zu tun, die viele Ursachen haben, aber größtenteils an der Folter und daraus resultierenden Umständen liegen. Dies erschwert die Bearbeitung des Falles massiv.“

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Nevin sagte, dass „die Größenordnung für einen vollständigen Abschluss des Prozesses sich etwa im Bereich von 20 Jahren bewegt“, und er fügte hinzu: „Wenn Berufung eingelegt wird, wird es lange dauern.“

Ein neuer Richter muss sich auch mit etwa 35.000 Seiten von Protokollen früherer Anhörungen und Tausenden von Anträgen vertraut machen.

Nevin bezeichnete ihn als den „größten Strafprozess in der Geschichte der Vereinigten Staaten“.

„Vertuschung von Folter“

Das Vorverfahren gegen Mohammed wurde am Dienstag fortgesetzt. Einige Experten stimmen mit Nevin darin überein, dass es noch viele Jahre dauern könnte, bis ein Ergebnis vorliegt – falls es überhaupt zu einem Prozess kommt.

Madeline Morris, Jura-Professorin aus Duke, leitet die Guantanamo Defence Clinic. Sie erzählte NBC News: „Hier hat im Grunde kein Prozess stattgefunden. Es ist nicht unbedingt eine ausgemachte Sache, dass es zu einem Prozess kommen wird.“

Skizze des Gerichtssaals mit dem angeklagten Drahtzieher des 11. Septembers, Khalid Sheikh Mohammed, der nach einer Anhörung am Dienstag den Medienvertretern zuwinkt. (AFP)
Skizze des Gerichtssaals mit dem angeklagten Drahtzieher des 11. Septembers, Khalid Sheikh Mohammed, der nach einer Anhörung am Dienstag den Medienvertretern zuwinkt. (AFP)

James Connell, Anwalt des Guantanamo-Häftlings Ammar al-Baluchi, fügte hinzu, dass „die Vertuschung der Folter“ der Grund dafür sei, „dass wir uns alle in Guantanamo zur 42. Anhörung der 9/11-Militärkommission am 15. Jahrestag des Transfers dieser Männer zusammenfinden.

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Die Verteidiger sagen auch, dass es Jahre gedauert hat, bis sie Zugang zu geheimen Beweisen gegen ihre Mandanten hatten, und dass sie immer noch nicht alles haben, was sie für den Prozess brauchen, berichtete NBC.

„Hauptdrahtzieher“

Osama Bin Laden wird zwar am ehesten mit dem 11. September in Verbindung gebracht, doch laut der 9/11-Kommission, die die Anschläge untersuchte, war Mohammed der „Hauptdrahtzieher“.

Es war Mohammed, der den Plan entwickelte, die Vereinigten Staaten mithilfe von Flugzeugen anzugreifen, und er war es, der Al-Quaida diese Idee vortrug.

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