Warum es keine gute Idee ist, nach der Entbindung die Plazenta zu essen

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Längst nicht mehr nur in Esoterikerkreisen entflammen Diskussionen darüber, ob es gesund oder schädlich ist, nach der Entbindung den Mutterkuchen zu essen. Die medizinische Einschätzung dazu ist klar: Ärzte raten davon aus mehreren Gründen ab.

Die Plazenta bildet sich zu Beginn einer Schwangerschaft und ist zehn Monate lang eine Lebensquelle für das Baby. (Bild: Getty Images)

Kim Kardashian hat es schon gemacht, Tom Cruise ebenfalls – und Starkoch Jamie Oliver hat sogar Rezepte kreiert, bei denen der Geschmack der Plazenta besonders gut zur Geltung kommen soll. Der Trend, nach der Entbindung den Mutterkuchen zu essen, hält sich nun schon mehrere Jahre. Dabei warnen mehrere Ärzte eindringlich davor, dass die Nachteile des Verzehrs klar überwiegen.

Die Aufgabe der Plazenta

Die Plazenta bildet sich bei Beginn der Schwangerschaft. Bestehend aus mütterlichem, aber auch embryonalem Gewebe, ist dieses Organ zehn Monate lang eine Lebensquelle für das Baby. Der Mutterkuchen, dessen Form tatsächlich ein bisschen wie ein Kuchen aussieht, versorgt das Ungeborene über die Nabelschnur mit Sauerstoff und Nahrung.

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Ihre Hauptaufgaben sind der Austausch von Nähr- und Stoffwechselprodukten zwischen Mutter und Kind sowie die Bildung verschiedener Hormone. Ist das Kind geboren, stößt der Körper der Mutter kurze Zeit später auch die Plazenta ab – mit der sogenannten Nachgeburt.

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Viele Befürworterinnen argumentieren damit, dass es auch in der Tierwelt weit verbreitet ist, die Plazenta nach einer Geburt zu fressen. Dabei ist dieses Verhalten Forschern zufolge nicht darauf zurückzuführen, dass sich das Muttertier dadurch mit Nährstoffen versorgt. Vielmehr geht es darum, dass der Verwesungsgeruch Raubtiere anziehen könnte. Als Hauptargumente werden bei (werdenden) Müttern oftmals folgende Argumente angebracht: angeblich soll die Plazenta eine Vielzahl an Nährstoffen enthalten, die Milchbildung anregen, postpartalen Depressionen entgegenwirken und Schmerzen lindern. Allerdings konnten Studien solche oder ähnliche vermeintliche Vorteile bis heute nicht belegen.

Ärzte und Behörden warnen

Der Gynäkologe Dr. Alex Farr hat zu diesem Thema geforscht und schreibt im "American Journal of Obstetrics and Gynecology": "Da Plazentophagie potenziell schädlich ist und keinen nachgewiesenen Nutzen hat, sollten Ärzte davon abraten." Gegenüber dem Online-Portal "Stylebook" erklärt der Arzt: "Es gibt Hinweise darauf, dass bakterielle Infektionen durch den Verzehr der Plazenta übertragen werden können. Ebenso erscheint es theoretisch möglich, dass auf diese Weise Viruserkrankungen übertragen werden. Zu beidem haben wir bisher jedoch noch kaum zuverlässige Daten."

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Außerdem sei zu befürchten, dass Schwermetalle und Toxine, die sich im Laufe der Schwangerschaft in der Plazenta ansammeln, über die Muttermilch auf das Neugeborene quasi zurückübertragen werden können.

Auch die US-Gesundheitsbehörde warnt davor, den Mutterkuchen zu essen, nachdem sich das gesunde Baby einer Amerikanerin nach der Geburt mit B-Streptokokken infiziert hatte. Damit angesteckt hatte es sich offenbar, weil die Mutter nach der Geburt Plazenta-Pillen eingenommen hatte. "Drei Tage nach der Geburt hatte die Mutter die getrocknete und zu Pillen verarbeitete Plazenta erhalten und begann, dreimal täglich zwei Kapseln einzunehmen", heißt es in einer Mitteilung der US-Gesundheitsbehörde.