Warum Harry nicht der erste Royal ist, der alles in einem Buch enthüllt

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Prinz Harry hat bestätigt, dass er den „endgültigen Bericht“ über sein Leben veröffentlichen wird – in seinen Memoiren will er alles preisgeben.

Prince Harry walking in the procession at Windsor Castle, Berkshire, during the funeral of the Duke of Edinburgh. Picture date: Saturday April 17, 2021. PA Photo. See PA story FUNERAL Philip. Photo credit should read: Victoria Jones/PA Wire
Prinz Harry veröffentlicht ein Buch (Symbolbild: Getty Images)

Die Nachricht kam sowohl für den Palast als auch für die Öffentlichkeit als Schock. Berichten zufolge hatte Harry seiner Familie vor der Ankündigung am Montag nichts von dem Projekt erzählt.

Als er und Meghan Markle sich von ihren Pflichten als hochrangige Royals zurückzogen, löste Harry damit eine der größten Krisen der „Firma“ (wie das Königshaus auch bezeichnet wird) seit Jahrzehnten aus. Allerdings ist er keineswegs der Erste, der seine Seite der Geschichte in Buchform veröffentlicht.

Edward VIII. schrieb auch ein Buch

Harrys und Meghans dramatischer Schritt wurde mit der Abdankung von 1936 verglichen, als König Edward VIII. auf die Krone verzichtete, um die geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson zu heiraten.

Dieser wartete jedoch länger mit der Veröffentlichung seiner Autobiografie: 1951 erschien A King’s Story und stieß auf viel Interesse.

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Der Herzog von Windsor, der Onkel der jetzigen Königin, soll das Buch geschrieben haben, weil er enttäuscht war, dass er keinen Posten als Botschafter in den USA bekommen hatte.

In der Zusammenfassung des Buches heißt es: „Dies ist die Autobiographie des verstorbenen Herzogs von Windsor - Urenkel von Königin Victoria, Enkel von Edward VII, Sohn von George V und Cousin des deutschen Kaisers und des Zaren von Russland.“

Der Herzog von Windsor, bis zu seiner Abdankung König Edward VIII. von Großbritannien, in New York mit einem Exemplar der Erstausgabe seines Buches „A King's Story“ im Jahr 1951. (Hulton Archive/Getty Images)
Der Herzog von Windsor, bis zu seiner Abdankung König Edward VIII. von Großbritannien, in New York mit einem Exemplar der Erstausgabe seines Buches „A King's Story“ im Jahr 1951. (Hulton Archive/Getty Images)

„Das Buch erzählt die Geschichte der frühen Jugend des zukünftigen Königs in Sandringham, seine Jahre an der Marineschule auf der Isle of Wight, am Magdalen College in Oxford, in der Armee im Ersten Weltkrieg und seine offiziellen Reisen nach Kanada, Indien, Australien und Neuseeland.“

„Schließlich wird er nach dem Tod seines Vaters König. Er widersetzt sich den Wünschen von Stanley Baldwin, dem Premierminister, als er darauf besteht, Wallis Simpson, die zukünftige Herzogin von Windsor, zu heiraten. Das Buch behandelt seine Abdankung und seine Heirat.“

Während der Herzog das Geld brauchte, nachdem er von der königlichen Familie finanziell nicht mehr unterstützt wurde, will Harry die Einnahmen für wohltätige Zwecke spenden.

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Seine Frau, Wallis Simpson, die zur Herzogin von Windsor wurde, schrieb ebenfalls ihre Memoiren. Diese erschienen mit dem Titel The Heart has its Reasons (auf Deutsch: Ein Herz hat seine Gründe) vier Jahre nach denen des Herzogs. Ein Rezensent von Simpsons Buch auf Goodreads sagte: „Sie muss charmant, eigenwillig, entschlossen und voller innerer Stärke gewesen sein, um dieses Leben mit dem Herzog zu leben.“

Robert Jobson, Adelsexperte des Evening Standard, sagte gegenüber MailOnline: „Es [Harrys Buch] wird ein internationaler Bestseller werden, aber zu welchem Preis für die Monarchie? Niemand wird sich verstecken können.“

„Es ist nicht das erste Mal, dass ein hochrangiger Royal im ‚Exil‘ seine Memoiren schreibt ... der ehemalige König Edward VIII. hat seine auch niedergeschrieben. Sein Buch wurde in den 50er Jahren unter großem Medienrummel veröffentlicht. Es war eine Sensation. Aber das hier wird für Aufruhr im Hause Windsor sorgen.“

Auch Prinzessin Diana hielt ihre Erlebnisse fest 

Obwohl der Herzog und die Herzogin von Windsor in den 50er Jahren viele Geheimnisse um die Royals lüfteten, gab es eine gewisse Versöhnung des Herzogs mit Mitgliedern der Familie. Einige akzeptierten Simpson jedoch nie und mieden ihn wegen ihr weiterhin.

Die Queen selbst lud ihn 1969 zur Amtseinführung von Prinz Charles als Prinz von Wales ein, was er jedoch ablehnte. Sie besuchte ihn auch gelegentlich, wenn er in London war.

Diana hielt ihre Gedanken und Erlebnisse auf Tonbändern für den Journalisten Andrew Morton fest, der daraus 1992 Diana: Her True Story (deutscher Titel: Ihre wahre Geschichte in ihren eigenen Worten. 1961 – 1997) machte. Dabei gab er nicht sofort zu, dass die Prinzessin selbst seine Hauptquelle gewesen war.

Das Buch wurde als die „längste Scheidungsklage in der britischen Geschichte“ bezeichnet und stand 18 Wochen lang auf der Bestsellerliste der New York Times.

Es beschreibt detailliert ihre Probleme in einer lieblosen Ehe, ihren Kampf gegen Bulimie und Charles' Affäre mit Camilla, seiner jetzigen Frau.

Autor Andrew Morton mit einem Exemplar seines Buches „Diana: Her True Story – In Her Own Words“, im Jahr 2017. Nach ihrem Tod brachte er 1997 eine Neuausgabe des Buches heraus. (Chris J Ratcliffe/AFP via Getty Images)
Autor Andrew Morton mit einem Exemplar seines Buches „Diana: Her True Story – In Her Own Words“, im Jahr 2017. Nach ihrem Tod brachte er 1997 eine Neuausgabe des Buches heraus. (Chris J Ratcliffe/AFP via Getty Images)

Zwei Jahre nach Erscheinen dieses Buches 1992 arbeitete Charles eng mit Jonathan Dimbleby zusammen, der dann 1994 eine autorisierte Biografie über den Prinzen von Wales veröffentlichte.

Charles beschrieb darin detailliert seine Kindheit, bezeichnete seinen Vater, Prinz Philip, als streng und tyrannisch und sagte, die Queen habe sich physisch und emotional von ihm distanziert.

Sarah Fergusons Buch löste Kritik aus

In dem Jahrzehnt war viel los in Sachen königliche Memoiren, denn auch Sarah Ferguson, die Herzogin von York, veröffentlichte ihre erste Autobiografie, Meine Geschichte. Damals nannte der Daily Mirror das Buch einen „Schockplan“ und sprach von einem „entsetzlichen Verhalten“. Ferguson genoss ihren Erfolg und schrieb noch eine zweite Autobiografie mit dem Titel Finding Sarah.

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Das Leben der königlichen Familie ist nach wie vor von Geheimnissen umhüllt, trotz ihrer zunehmenden Sichtbarkeit durch soziale Medien, Interviews sowie hochkarätiger Arbeit und Verpflichtungen.

Royale Biografien tragen dazu bei, den Deckel ein wenig zu lüften, aber Memoiren bieten eine weitere Ebene des Einblicks in eine Welt, die für die meisten Menschen unerreichbar ist.

Einige der Rezensionen der Bücher zeigen, warum sie weiterhin beliebt sind. Ein Rezensent des Buches des Herzogs von Windsor auf Amazon schrieb: „Es war faszinierend zu lesen, was Edward selbst schrieb und nicht, was andere Leute über ihn schrieben.“

Ein Rezensent desselben Buches in den USA merkte an: „Ich denke, es gibt einen guten Einblick in sein Leben als Heranwachsender und selbst als Royal war er immer noch ein Mensch, der seine Erfolge und Herausforderungen hatte, wie wir alle auch.“

„Er wurde in eine sehr schwierige Lage gebracht und ehrlich gesagt kann ich nicht über ihn urteilen, niemand kann das – wenn er die Person aufrichtig geliebt hat, dann kann ich verstehen, dass er abgedankt hat.“

Wallis Simpson, die spätere Herzogin von Windsor, veröffentlichte ihre Memoiren nach ihrem Mann. (Universal History Archive/Universal Images Group via Getty Images)
Wallis Simpson, die spätere Herzogin von Windsor, veröffentlichte ihre Memoiren nach ihrem Mann. (Universal History Archive/Universal Images Group via Getty Images)

Einige argumentieren jedoch, dass der Schleier des Geheimnisses entscheidend für den Erfolg der königlichen Familie ist, so dass es schädlich sein könnte, zu viel zu enthüllen.

Braucht die Monarchie ihre Geheimnisse?

Adels-Korrespondentin und Biografin Katie Nicholl wies gegenüber CBC darauf hin: „Die Öffentlichkeit will alles über das royale Leben wissen und gelegentlich bekommen wir Schnipsel davon, aber die Magie der Monarchie ist das Geheimnis, das sie umgibt, und die Royals bemühen sich sehr – und machen einen sehr guten Job – dieses aufrechtzuerhalten.“

Autorin Penny Junor fügte hinzu: „Als ich vor über 35 Jahren begann, über die Royals zu schreiben, gab es eine Art Mauer um den Buckingham Palace und alles Royale. Sie waren da, um einen zu verjagen. Und das hat sich sehr geändert.“

Aber während Junor der Meinung ist, dass es bedeutende Veränderungen in Harrys Leben gegeben hat, sind sie offensichtlich nicht genug für den Prinzen, der nun seine Geschichte in seinen eigenen Worten erzählen will.

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Bei der Ankündigung seiner Memoiren sagte er: „Ich schreibe dies nicht als der Prinz, als der ich geboren wurde, sondern als der Mann, der ich geworden bin. Ich habe im Laufe der Jahre viele Hüte getragen, sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne, und ich hoffe, dass ich mit dem Erzählen meiner Geschichte – den Höhen und Tiefen, den Fehlern und den gelernten Lektionen – dazu beitragen kann zu zeigen, dass wir, egal woher wir kommen, mehr gemeinsam haben, als wir glauben.“

„Ich bin zutiefst dankbar für die Möglichkeit, das zu teilen, was ich im Laufe meines bisherigen Lebens gelernt habe, und ich freue mich darauf, dass die Menschen einen Bericht aus erster Hand über mein Leben lesen können, der akkurat und absolut wahrheitsgetreu ist.“

Harrys Memoiren werden Ende 2022 erscheinen.

Rebecca Taylor

VIDEO: Prinz Harry: Er veröffentlicht seine Memoiren

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