Warum Kim Jong-un Jeans, ausländischen Filmen und Slang den Krieg erklärt

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Alles Fremde verbannen und alle, die sich nicht daran halten, bestrafen – das sieht ein neues Gesetz in Nordkorea vor. Wer dabei erwischt wird, wie er ausländische Filme sieht oder auch nur im Jargon spricht, dem droht sogar der Tod.

North Korean leader Kim Jong Un visits a drill of long-range artillery sub-units of the Korean People's Army, in North Korea in this image released by North Korea's Korean Central News Agency (KCNA) on March 2, 2020.?KCNA?via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THIS IMAGE. NO THIRD PARTY SALES. SOUTH KOREA OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN SOUTH KOREA.     TPX IMAGES OF THE DAY
Alles, was nicht nordkoreanisch ist, duldet Kim Jong-un nicht (Bild: Reuters)

Früher wurden Nordkoreaner für derartige Vergehen ins Arbeitslager geschickt, nun, nachdem Kim Jong-un ein neues Gesetz verabschiedet hat, werden sie zum Tode verurteilt. In der staatlichen Zeitung "The Rodong Sinmun" hat der nordkoreanische Diktator verkündet, er wolle die "Invasion des kapitalistischen Lebensstils" bekämpfen, der aus dem "dekadenten Westen" nach Nordkorea vordringe. 

Den ersten Hinrichtungsfall gab es laut der südkoreanischen Nachrichtenseite "The Daily NK" auch schon: Vor den Augen seiner Familie soll ein Mann von einem Exekutionskommando erschossen worden sein, nachdem er illegal USB-Sticks und CDs mit südkoreanischer Musik verkauft haben soll. Er sei als "antisozialistisches Element" zum Tode verurteilt worden.

Der Mann, ein leitender Ingenieur der Wonsan Farming Management Commission, soll Ende April von einem Erschießungskommando getötet worden sein. Rund 500 Menschen, darunter seine eigene Familie, sollen gezwungen worden sein, bei der Hinrichtung zuzusehen. Der Mann sei gemäß des eingeführten "Anti-Reaktionäre-Gedanken-Gesetzes" verurteilt worden.

"Ein Krieg ohne Waffen"

Doch es werden nicht nur diejenigen bestraft, die im Besitz von Filmen aus Südkorea, Japan oder den USA sind. "Anstößiges, individualistisches, anti-sozialistisches Verhalten" unter jungen Leuten soll ebenfalls unterbunden werden. Kim Jong-un möchte Umgangssprachen, ausländische Frisuren und Kleidung verbannen, die er selbst als "gefährliche Gifte" bezeichnet.

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Wie "The Daily NK" berichtet, sollen drei Teenager in ein Umerziehungslager geschickt worden sein, weil sie ihre Haare so trugen wie ihre K-Pop-Idole und ihre Hosen nur bis zum Knöchel reichten. Kim Jong-un führe einen Krieg, der keine nuklearen Waffen oder Raketen benötigt. Analysten behaupten, er wolle Informationen von außen stoppen, da das Leben in Nordkorea von Tag zu Tag schwerer wird. 

Millionen von Menschen hungern angeblich. Der nordkoreanische Diktator stelle mit dem Gesetz aber sicher, dass die Einwohner weiterhin mit der staatlichen Propaganda gefüttert werden, ohne Wind von dem Leben zu bekommen, das sich beispielsweise in glamourösen K-Dramen im südkoreanischen Seoul, einer von Asiens reichsten Städten, abspielt. 

Seit Beginn der Pandemie und der Schließung der Grenzen ist das Land ohnehin mehr von der Außenwelt abgeschnitten als je zuvor. Die Importe aus dem Nachbarland China sind eingeschränkt bis kaum vorhanden. Anfang des Jahres hatte Kim Jong-un selbst davon gesprochen, dass seine Leute mit "der schlimmsten Situation" konfrontiert sind, die es zu bewältigen gibt. 

Was genau steht in dem Gesetz?

"The Daily NK" ist im Besitz einer Kopie des neu eingeführten Gesetzes. "Es schreibt vor, dass ein Fabrikbesitzer bestraft werden kann, wenn einer seiner Arbeiter erwischt wird. Genauso können Eltern bestraft werden, wenn ihre Kinder problematisch sind. Das System der gegenseitigen Bewachung, das vom nordkoreanischen Regime unterstützt wird, wird mit diesem Gesetz energisch reflektiert", erklärte Chefredakteur Lee Sang Yong der "BBC". Er sagt, das Gesetz solle alle Träume und Faszination "zerstören", die die jüngere Generation vom Leben im Süden hat. 

Das Leben, wie es in
Das Leben, wie es in "Crazy Rich Asians" dargestellt wird, sollen die Nordkoreaner nicht kennen (Bild: ddp images)

Kim Geum-hyok, der inzwischen in Seoul, Südkorea, lebt, sagte der "BBC", dass er erst 16 war, als er 2009 dabei erwischt wurde, wie er einem Freund DVDs mit südkoreanischer Popmusik gab, die sein Vater aus China geschmuggelt hatte. Er sei wie ein Erwachsener behandelt und in einem geheimen Raum ausgefragt worden. Die Wachen hätten ihm nicht erlaubt, zu schlafen. Er sagte, er sei vier Tage lang ununterbrochen geschlagen worden. "Ich hatte Todesangst", erzählte er der "BBC".

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"Ich dachte, mein Leben ist zu Ende. Sie wollten wissen, wie ich das Video bekommen habe und wie viele Menschen es gesehen haben. Ich konnte nicht sagen, dass mein Vater die DVDs aus China mitgebracht hat. Was hätte ich sagen sollen? Es war mein Vater. Ich sagte gar nichts, ich sagte nur 'Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht. Bitte lasst mich gehen.'"

Geum-hyok gehört zu einer von Pjöngjangs Elite-Familien und seinem Vater gelang es, die Wachen zu bestechen, die ihn schließlich gehen ließen. Etwas, das unter dem neuen Gesetz von Kim Jong-un vermutlich nicht mehr möglich sein wird. 

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