Warum sind da nur Männer auf dem Foto des saudi-arabischen Mädchenrats?

Saudi-Arabien will mit einem Mädchenrat den ersten Schritt in Richtung Gesellschaftsreform gehen. (Bild: ddp images)

Dieses Bild sorgt für Aufruhr: Vor Kurzem machte ein Foto des angeblich ersten Treffens eines saudi-arabischen Mädchenrates die Runde durch die Twitter-Gemeinde. Saudi-Arabien, das ohnehin nicht gerade für seine Frauenrechte bekannt ist, brachte damit eine hitzige Diskussion in Gang. Denn auf dem Bild ist nicht eine einzige Frau zu sehen.

Was viele bereits wissen: Frauen dürfen in Saudi-Arabien weder ohne männliche Begleitung Auto fahren noch reisen. Außerdem müssen sie sich komplett bedecken und haben nicht dieselben politischen Rechte wie Männer. Die Regierung begründet all das mit einem islamischen Regelwerk – auch wenn der Koran diese Verbote nicht explizit vorgibt.

Nun hat Saudi-Arabien aber erstmals einen regionalen Mädchenrat für die Provinz al-Qasim ins Leben gerufen, der dafür sorgen soll, dass die Stimmen der Mädchen im Land gehört werden – solange dies „im Einklang mit dem islamischen Recht“ geschehen würde. Das gab die saudische Nachrichtenagentur SPA letzte Woche bekannt. Das Foto zur feierlichen Eröffnung des Mädchenrates zeigt allerdings 13 Männer und keine einzige Frau.


Die Empörung im Netz war groß, doch nur wenige kannten die wahren Hintergründe. Das Foto zeigt nämlich nicht, wie von vielen angenommen, den eigentlichen Mädchenrat, sondern Abgesandte, die zur Eröffnung eingeladen wurden – darunter auch der saudische Prinz Faisal bin Mishaal bin Saud bin Abdulaziz. Laut der saudischen Tageszeitung „Al Riyadh“ besteht der eigentliche Rat tatsächlich aus 39 weiblichen Mitgliedern.

Er ist Teil eines gesellschaftlichen Reformversuchs der Regierung, die sich unter anderem zum Ziel gesetzt haben soll, in den nächsten drei Jahren mehr als 140.000 Jobs für Frauen zu schaffen, so die englischsprachigen „Arab News“.

Als bärtige Altmännerrunde, die sich als angeblicher Mädchenrat verkauft, wurde dieses Bild größtenteils von Anhängern der syrischen Regierung verbreitet. Der Grund: Saudi-Arabien liefert Waffen nach Syrien – ein Land, in dem bereits seit sechs Jahren Bürgerkrieg herrscht. Zudem wird Saudi-Arabien von syrischer Seite vorgeworfen, islamistische Terroristen zu unterstützen.

Auch wenn der Aufschrei im Netz teilweise auf Falschinformationen beruht: Fakt ist, dass Frauen in Saudi-Arabien in der Öffentlichkeit streng von Männern getrennt werden und auch in den Medien kaum Platz finden – selbst dann, wenn es eigentlich um sie geht. Die Frauen saßen während der Eröffnung nämlich in einem gesonderten Zimmer und verfolgten die Ansprache per Liveschaltung mit.

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