Warum stehen auf Alkoholflaschen von Bier, Wein & Co. keine Nährstoffangaben?

Angelika Zahn
Freie Journalistin

Wie viele Kalorien hat mein Radler oder Glas Sekt? Ein Blick aufs Etikett der Flasche reicht nicht, um das herauszufinden. Aber warum sind eigentlich alle Lebensmittel mit Nährwertangaben versehen, nur Alkoholika nicht? Wir klären auf...

Bislang befinden sich auf Prosecco-, Wein- und Bierflaschen keine Nährwertangaben. Das soll sich bald ändern. (Bild: Getty Images)

Es heißt nicht umsonst “Bierbauch“: Alkoholische Getränke haben ordentlich Kalorien, die sich bei regelmäßigem Konsum deutlich an der Figur bemerkbar machen. Dabei hat Bier mit rund 40 bis 50 Kalorien pro 100 Milliliter noch vergleichsweise wenig Kalorien. Bei Wein sind es schon 70 bis 80 Kalorien pro 100 Milliliter. Und süße Cocktails wie zum Beispiel Caipirinha sind mit rund 320 Kalorien pro Glas richtige Kalorienbomben.

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Doch diese Infos muss der Konsument selbst recherchieren: Auf den Flaschen und Verpackungen von Bier, Wein und Co. findet man keine Nährwertangaben wie Kalorienzahl, Zucker oder Kohlenhydrate, so wie es auf allen anderen Lebensmitteln seit Jahren gang und gäbe ist. Warum ist das so?

Lebensmittelinformations-Verordnung greift nicht für Alkoholika

Eigentlich gilt bereits seit dem 13. Dezember 2014 die Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) verbindlich in allen EU-Mitgliedstaaten. Und die verpflichtet alle Lebensmittelhersteller, die Nährwertangaben standardisiert auf ihrem Produkt anzugeben. Einzige Ausnahme: Getränke mit mehr als 1,2 Prozent Alkohol. Die Alkohol-Lobby war offenbar stark genug, um das damals durchzusetzen.

Jetzt rudert man in der EU allerdings zurück: Die Ausnahme sei nicht gerechtfertigt, heißt es in einem Bericht, und die Hersteller sollen freiwillig die Angaben machen. Die Begründung: Das sei längst überfällig, da sie für die Verbraucher wichtig seien.

Nährwert- und Kalorienangaben sucht man auf Bierflaschen heute vergebens. (Bild: Getty Images)

Bald wird Bier gekennzeichnet

Die deutsche Bierbranche handelt jetzt offenbar in vorauseilendem Gehorsam: Der Deutsche Brauer-Bund und der Verband der Privaten Brauereien Deutschland haben zum Jahreswechsel 2018/2019 gemeinsam eine Initiative für mehr Transparenz bei der Kennzeichnung von Bier gestartet: Auf freiwilliger Basis will man schrittweise die Etiketten aller Biere und Biermischgetränke mit der Angabe des Brennwertes (Kalorien/Joule) versehen.

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Schnaps und Wein sollen nachziehen

Und wie sieht es bei Schnaps und Wein aus? Der Bundesverband Wein und Spirituosen gab kürzlich bekannt, dass eine Kalorienkennzeichnung auch dafür geplant sei. Auf EU-Ebene gebe es schon seit Frühjahr 2018 einen gemeinsamen Vorschlag der Alkoholindustrie für ein neuartiges E-Label. Über einen QR-Code sollen die Verbraucher dann alle Informationen über das Getränk – darunter auch die Nährwertangaben – mit dem Handy abrufen können. Wann genau die Kennzeichnung kommt, ist aber noch nicht bekannt.

Bis es soweit ist, haben Interessierte die Möglichkeit, über den Kalorienrechner auf der Seite “Kenn dein Limit“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Kalorienzahl jedes alkoholischen Getränks zu checken.

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