Warum wir so obsessiv Pakete verfolgen

·Freiberufliche Journalistin
·Lesedauer: 4 Min.

Ob Kleidung, Küchengeräte oder Elektronikartikel – all das bestellen wir häufig im Online-Handel. Bis zur Ankunft der Ware verfolgen wir dann den Sendungsverlauf, fragen den Status oft mehrfach ab. Aber warum ist das eigentlich so?

Wer online shoppt, hat seine Pakete immer im Blick. (Bild: Getty Images)
Wer online shoppt, hat seine Pakete immer im Blick. (Bild: Getty Images)

Shoppen im Internet macht Spaß. Für viele von uns spielen dabei nicht nur die große Auswahl an Produkten und günstige Preise eine Rolle, sondern auch die schnelle und pünktliche Lieferung der gewünschten Ware. Vor dem Klick auf den Kaufen-Button, checken die meisten von uns auch den geplanten Zustellungstag.

Bis das Päckchen bei uns zu Hause ankommt, können wir den Sendungsverlauf detailliert verfolgen. Wann wurde das Paket auf den Weg gebracht und wann weitertransportiert? Zu welcher Uhrzeit kommt die Sendung in der Empfangsregion an, wurde sie noch aufs Zustellfahrzeug geladen und wenn ja, wann steht das Auto vor unserer Haustür?

Livetracking dank GPS

Dank GPS lässt sich in vielen Fällen die genaue Ankunftszeit verfolgen, manchmal über Livetracking sogar die Anzahl der verbleibenden Zustellstopps, ehe wir an der Reihe sind. Da spielt neben der Vorfreude auf die bestellte Ware auch immer Aufregung und Spannung mit.

Online-Shopping: Blick auf regionale Marktplätze kann sich lohnen

Warum das so ist, erklärt Owen O`Kane, Psychotherapeut und Autor von Ten to Zen: Ten Minutes a Day to al Calmer, Happier you: Auch kleine Ereignisse können uns motivieren und positiv stimmen, wenn wir uns niedergeschlagen fühlen, insbesondere während der Pandemie, die mit vielen unerwarteten Enttäuschungen einhergeht.

Das sei der Grund warum sich Menschen auf Reservierungen im Restaurant sowie Friseurtermine freuen und eben auch darauf, Pakete zu erhalten.

Auslöser der Glücksgefühle

"Es ist die Vorfreude, dass etwas Positives und Gutes passieren wird, wenn Sie dieses Paket erhalten, und viele Leute erkennen, dass es sich gut anfühlt, eine Bestellung aufzugeben und darauf zu warten", sagt er.

Dabei ist es nicht der Kauf selbst, der für Glücksgefühle sorgt. Experten sind der Meinung, dass es die Vorfreude auf das Warten ist, die für gute Stimmung sorgt – wohl ein wenig so, wie wir als Kinder aufgeregt auf den Weihnachtsabend gewartet haben.

Kommt das Paket mit der bestellten Ware an, lässt die Aufregung nach. "Es geht darum, dass wir uns auf etwas freuen können", erklärt O'Kane. "Wenn man sich auf etwas freut, kann man sich auf ein Gefühl verlassen: 'Okay, was auch immer gerade passiert, es ist nicht für immer' und man ist beruhigt, dass sich die Dinge verbessern können."

Das Leben wird beherrschbarer

Für manche Menschen könne sich das Warten auf ein Paket auch wie eine „imaginäre positive Zukunft“ anfühlen, in der sie ihren Bedarf an Alltagsdingen kontrollieren, wodurch sich das Leben beherrschbarer und weniger eintönig anfühle.

Es kann in unserem Leben hilfreich sein, für gute Ereignisse in der Zukunft zu sorgen, da sind sich Experten einig.

Online-Shopping: Mehr Pakete auf die Schiene

Das Warten auf freudige Ereignisse kann uns helfen, schwierige Situationen zu bewältigen, etwa eine anstrengende Arbeitswoche durchzustehen. Zudem bringen sie Farbe ins Leben der Menschen, meint auch Ryan Howes, klinischer Psychologe aus Pasadena, Kalifornien. "Sie lenken sich von anderen Gefühlen ab, die sich möglicherweise nicht so angenehm sind, wie Sorgen, Langeweile oder sogar Angst. Wenn man sich ein positives Ereignis in der Zukunft vorstellt, spürt man nur diese freudige Vorfreude“, erklärt Howes.

Wenn der Versand nicht klappt

Aber eine Online-Bestellung kann auch das Gegenteil auslösen, nämlich dann, wenn es mit dem Versand nicht klappt. Wir sind daran gewöhnt, dass Bestellungen pünktlich eintreffen und verbinden mit ihnen Erwartungen. Werden die nicht erfüllt, schlägt die Vorfreude bei manchem in Ärger um. „Wir fühlen uns abgezockt, manchmal auf persönlicher Ebene. Wir alle wollen faire Transaktionen, und wenn wir unseren Teil dazu beitragen und der andere seinen Part nicht erfüllt, ist Ärger oft die Folge“, sagt Howes.

Bewusst mit Bestellungen umgehen

Grundsätzlich empfehlen die Experten, bewusst mit Online-Bestellungen umzugehen. Natürlich spricht nichts dagegen, sich hin und wieder zu verwöhnen und selbst zu beschenken. Sie warnen jedoch davor, damit größere Probleme überdecken zu wollen.

Denn die verschwinden dadurch nicht, Online-Bestellungen bieten nur eine schnelle, vorübergehende Ablenkung. Ein langfristig gesünderer Bewältigungsmechanismus bestehe darin, nach innen zu schauen und sein Leben mit „Achtsamkeit, Dankbarkeit und Genuss“ zu schätzen. "Es geht nicht darum, zu haben, was man will, sondern zu wollen, was man hat", sagt O`Kane.

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