Corona: Was für Schutzmasken gibt es und wen schützen sie?

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 6 Min.

In Österreich ist es ab sofort Pflicht, während des Einkaufens einen Mund- und Nasenschutz zu tragen. Mittelfristig soll das für den gesamten öffentlichen Raum gelten. Auch in Deutschland wird derzeit über das Pro und Contra einer Maskenpflicht diskutiert. Doch was für Schutzmasken gibt es eigentlich und was bringen sie? Ein Überblick.

Maske ist nicht gleich Maske, denn sie schützen unterschiedlich. Die meisten sind nicht für den Selbstschutz, sondern schützen andere Menschen vor einer Infektion. (Symbolbild: gettyimages / kake1967)
Maske ist nicht gleich Maske, denn sie schützen unterschiedlich. Die meisten sind nicht für den Selbstschutz, sondern schützen andere Menschen vor einer Infektion. (Symbolbild: gettyimages / kake1967)

Im Wesentlichen gibt es drei Gruppen von Masken: Die „Community-Masken“, die aus handelsüblichen Stoffen selbst hergestellt werden. Medizinische „Mund-Nasen-Schutzmasken“, das sind Papiermasken, die aus dem medizinischen Alltag bekannt sind. Und zuletzt „Filtrierende Halbmasken“, die es in drei FFP-Stufen gibt.

Filtrierende Halbmasken

Viel wird im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus SARS-Cov-2 derzeit über die sogenannte FFP-Zertifizierung von Gesichtsmasken gesprochen. „FFP“ steht dabei für „Filtering Facepiece“ („filtrierende Halbmasken“), es gibt sie in drei Klassen: FFP1, FFP2 und FFP3.

Sie unterscheiden sich nach aufsteigender Dichtigkeit und damit auch in ihrer Schutzwirkung. FFP1 ist laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin nicht für den Schutz vor Viren geeignet. Masken der Klassen FFP2 und FFP3 schützen hingegen die Träger und Trägerinnen vor CMR-Stoffen, also vor Stoffen, „die carzinogen, mutagen, reproduktionstoxisch“ sind.

Das bedeutet, FFP2- und FFP3-Masken dienen dem Selbstschutz. Laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) halten sie „Partikel, Tröpfchen und Aerosole“ ab. FFP2-Masken gelten immerhin als „infektionshemmend“, FFP3-Masken können tatsächlich gut über einen kurzen Zeitraum vor Viren schützen – wenn sie korrekt, also luftdicht, angelegt sind. Es gibt Filtrierende Halbmasken in zwei Ausführungen: mit und ohne Ausatemventil.

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Masken ohne Ventil filtern sämtliche Atemluft – also beim Ein- und Ausatmen. Sie dienen daher nicht nur dem Selbstschutz, sondern auch dem Fremdschutz. Für den Fall, dass der Träger oder die Trägerin selbst infiziert ist.

Masken mit Ventil hingegen filtern nur die eingeatmete Luft und sind nicht für den Fremdschutz ausgelegt. Sie machen aber das Atmen insgesamt leichter, weil die Luft nicht durch das sehr dichte Material gesaugt werden muss.

Medizinischer Mund-Nasen-Schutz (OP-Masken)

Sie dienen nicht dem Selbstschutz, sondern vor allem dem Fremdschutz. Sie halten größere, möglicherweise infektiöse, Tröpfchen des Trägers oder der Trägerin auf. Die würden ansonsten beim Sprechen, Niesen oder Husten in die Luft gelangen.

Das ist auch ihr Zweck im medizinischen Alltag: Die Masken schützen den Patienten oder die Patientin davor, dass keine Tröpfchen, die beim Atmen oder Sprechen des behandelnden Arztes oder der behandelnden Ärztin entstehen, in offene Wunden eindringen können.

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MNS-Masken schützen hingegen nicht den Träger oder die Trägerin vor feinen Aerosole, in denen Coronaviren durch die Luft fliegen. Das liegt daran, dass nicht durch das Vlies der Maske eingeatmet wird, sondern durch die offenen Ränder der Seite. Erregerhaltige Tröpfchen oder Aerosole gelangen deshalb trotz Maske in den Mund oder die Nase. Weil das neuartige Coronavirus SARS-Cov-2 vor allem am Anfang einer Infektion in sehr großer Zahl im Rachenraum vorhanden ist, verteilt es sich beim Sprechen stark in der Luft.

Ganz selbsterklärend, wie die Masken richtig zu tragen sind, ist es dabei nicht – wie man jüngst bei NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in Aachen gesehen hat. Aber er hat wenig später reagiert und ein Video auf Twitter veröffentlicht, wie es richtig geht:

Community-Masken

Eine gewisse Schutzfunktion für andere Menschen kann auch das richtige Tragen einer „Community-Maske“ bieten. Sie besteht meist aus handelsüblichen Stoffen und ist selbstgenäht. Wie das genau geht, haben wir in einem anderen Artikel erklärt. Aber es gibt derzeit zahlreiche Tutorials, wie jeder und jede eine Maske herstellen kann.

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Das ist momentan besser, als eine Maske zu kaufen. Weil medizinische Masken für den Einsatz im Gesundheitssystem gespart werden müssen, um dort die Menschen zu schützen, die an vorderster Linie gegen die Coronavirus-Epidemie kämpfen. Das Problem: Es gibt Lieferschwierigkeiten und Engpässe bei medizinischer Schutzausrüstung, deshalb sollten Privatpersonen ihre Ausrüstung selbst herstellen.

Wichtig ist: Bei selbstgebastelten Masken handelt sich nicht um „medizinischen Schutz“, sie dürfen nicht als „Medizinprodukt“ oder „Gegenstand der persönlichen Schutzausrüstung“ in Verkehr gebracht werden – so schreibt es das Bfarm. Aber eine selbstgebastelte Maske könne eine physische Barriere für größere Tröpfchen und „Mund- und Nasen-Schleimhautkontakt mit kontaminierten Händen“ sein. Christian Drosten, Virologe an der Charité in Berlin, erklärt den Nutzen einer Community-Maske so:

„Ich kann dann verhindern, dass meine feuchte Aussprache zum Beispiel auf die Supermarktkassiererin fliegt, wenn ich mit ihr rede und ich stehe, und sie sitzt vor mir. Ich kann vielleicht auch verhindern, dass – wenn ich huste und vergesse, mir die Hand vor den Mund zu nehmen – vielleicht doch ein bisschen was an gröberen Tropfen in dieser Maske hängen bleibt. Deswegen ist das natürlich eine gute Geste.“

Er sagt aber auch dazu:

„Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz dafür, dass man sich selbst durch solche Masken schützen kann. Das liegt einfach daran: Man atmet ein etwas länger im Raum stehendes Aerosol auch seitlich durch so eine Maske ein.“

Dennoch: Tragen alle Menschen Masken, dann gibt es auch einen gewissen Schutz für alle. Für den richtigen Gebrauch hat das Bfarm die folgende Liste an Regeln aufgeführt:

  • Die Masken sollten nur für den privaten Gebrauch genutzt werden

  • Die gängigen Hygienevorschriften sind weiterhin einzuhalten

  • Auch mit Maske sollte der von der WHO empfohlene Sicherheitsabstand von mindestens 1.50 m zu anderen Menschen eingehalten werden

  • Beim Anziehen einer Maske ist darauf zu achten, dass die Innenseite nicht kontaminiert wird, die Hände sollten vorher gründlich mit Seife gewaschen werden

  • Die Maske muss richtig über Mund, Nase und Wangen platziert sein und an den Rändern möglichst eng anliegen, um das Eindringen von Luft an den Seiten zu minimieren

  • Bei der ersten Verwendung sollte getestet werden, ob die Maske genügend Luft durchlässt, um das normale Atmen möglichst wenig zu behindern

  • Eine durchfeuchtete Maske sollte umgehend abgenommen und ggf. ausgetauscht werden

  • Die Außenseite der gebrauchten Maske ist potentiell erregerhaltig. Um eine Kontaminierung der Hände zu verhindern, sollte diese möglichst nicht berührt werden

  • Nach Absetzen der Maske sollten die Hände unter Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln gründlich gewaschen werden (mindestens 20-30 Sekunden mit Seife)

  • Die Maske sollte nach dem Abnehmen in einem Beutel o.ä. luftdicht verschlossen aufbewahrt oder sofort gewaschen werden. Die Aufbewahrung sollte nur über möglichst kurze Zeit erfolgen, um vor allem Schimmelbildung zu vermeiden

  • Masken sollten nach einmaliger Nutzung idealerweise bei 95 Grad, mindestens aber bei 60 Grad gewaschen und anschließend vollständig getrocknet werden. Beachten Sie eventuelle Herstellerangaben zur maximalen Zyklusanzahl, nach der die Festigkeit und Funktionalität noch gegeben ist

  • Sofern vorhanden, sollten unbedingt alle Herstellerhinweise beachtet werden

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