Wassermangel in Stausee lässt antike verlorene Stadt auftauchen

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Eine extreme Dürre hat im Irak dafür gesorgt, dass in einer Talsperre die Ruinen einer 3.400 Jahre alten Stadt aufgetaucht sind.

Im Mosul-Stausee ist eine antike Stadt aufgetaucht. (Bild: REUTERS/Khalid Al-Mousily)
Im Mosul-Stausee ist eine antike Stadt aufgetaucht. (Bild: REUTERS/Khalid Al-Mousily)

Ein Team deutscher und kurdischer Archäologen hat die Stadt untersucht, die inmitten der Mosul-Talsperre im Norden des Iraks aufgetaucht war, nachdem seit Dezember große Mengen an Wasser entnommen werden mussten, um die Felder während einer Dürreperiode zu bewässern.

Bei den Ruinen handelt es sich wahrscheinlich um die bronzezeitliche Stadt Zachiku, die am Tigris gelegen ein Knotenpunkt im Großreich Mittani zwischen 1550 und 1350 v.Chr. war. "Da die Stadt direkt am Tigris lag, könnte sie eine wichtige Rolle dabei gespielt haben, das Zentrum des Mittani-Reichs, das im heutigen nordöstlichen Syrien liegt, mit der östlichen Peripherie zu verbinden", wird die an den Ausgrabungen maßgeblich beteiligte Juniorprofessorin Ivana Puljiz von der Universität Freiburg in einer Mitteilung zitiert.

Die Existenz der Ruinen war Forschern schon länger bekannt, doch lagen die Überreste der antiken Stadt seit dem Bau der Staumauer in den 1980er-Jahren beinahe durchgehend unter Wasser. Lediglich im Jahr 2018 konnte dasselbe Forscherteam bereits eine aus dem See aufgetauchte Palastanlage untersuchen.

Gut konservierte Gebäude dank eines Erdbebens?

Nachdem der Wasserspiegel im Dezember vergangenen Jahres erneut drastisch fiel, arbeiteten die Archäologen im Januar und Februar zwei Monate lang mit Hochdruck an der Stätte, ehe der Stausee die Stadt wieder versenkte.

Dabei konnte das Team weitestgehend den Stadtplan rekonstruieren und mehrere Großbauten sowie eine massive Befestigungsanlage mit teils meterhohen Mauern freilegen. Dass die Bauwerke aus Lehmziegeln nach Jahrtausenden an der Oberfläche und nun mehreren Jahrzehnten unter Wasser noch so gut erhalten sind, habe die Fachleute überrascht. Mit dafür verantwortlich war wohl ein großes Erdbeben um 1350 v. Chr., das die Stadt zerstört hat. Einstürzende Mauern könnten die begrabenen Gebäude und Strukturen konserviert haben.

"Dass die Keilschrifttafeln unter Wasser überdauert haben, grenzt an ein Wunder"

Eine der nennenswertesten Entdeckungen aus der versunkenen Stadt sind fünf Keramikgefäße mit über 100 Keilschrifttafeln, bei denen es sich zumindest teilweise um Briefe handeln könnte. "Dass die Keilschrifttafeln aus ungebranntem Ton so viele Jahrzehnte unter Wasser überdauert haben, grenzt an ein Wunder", sagt Peter Pfälzner von der Universität Tübingen. Von den Tafeln erhofft man sich neue Erkenntnisse über das Ende der Stadt.

Mittlerweile ist die Stadt Zachiku wieder in der Talsperre versunken. Das Forscherteam hat die Ruinen davor jedoch mit einer Plastikplane und Kies abgedeckt, um sie vor weiteren Wasserschäden zu schützen.

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