Erleichterungen für Geimpfte und Genesene treten am Sonntag in Kraft

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Bundesratsgebäude.

Menschen, die vollständig gegen das Coronavirus geimpft oder von der Krankheit genesen sind, haben ab Sonntag wieder mehr Freiheiten. Der Bundesrat stimmte am Freitag der entsprechenden Verordnung zu, damit kann sie in Kraft treten. Für die Geimpften und Genesenen entfallen nunmehr Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen, sie werden zudem Menschen mit negativem Testergebnis gleichgestellt.

Geimpfte und Genesene brauchen ab Sonntag keinen negativen Test mehr, wenn sie zum Beispiel einkaufen oder zum Friseur gehen oder einen botanischen Garten besuchen. Wer geimpft oder genesen ist, kann sich im privaten Rahmen ohne Einschränkungen treffen. Ausgangsbeschränkungen gelten nicht mehr für geimpfte und genesene Personen. Für sie kann eine Quarantäne auch nur noch in Ausnahmefällen angeordnet werden.

Die Erleichterungen gelten für die Betroffenen 14 Tage nach Erhalt der vollständigen Impfung. Bei drei der vier zugelassenen Vakzine sind dafür zwei Impfungen notwendig. Wer eine Coronavirus-Infektion hinter sich hat, braucht entsprechend einen Genesenennachweis. Die vorherige Infektion muss durch einen PCR-Test nachgewiesen werden, der mindestens 28 Tage sowie höchstens sechs Monate zurückliegt.

"Das ist ein ganz wichtiger Schritt hin zu mehr Normalität", sagte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) zu der beschlossenen Verordnung. "Wenn die Infektionszahlen weiter sinken, werden zügig weitere Schritte folgen." Das könnte insbesondere auch den Bereich Gastronomie und Hotels betreffen, zu dem die Verordnung noch keine Festlegungen trifft.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) verteidigte die Neuregelung vor der Länderkammer, warnte aber auch vor einer Spaltung der Gesellschaft. Die bereits Geimpften sollten nicht triumphieren, sondern Respekt jenen gegenüber zeigen, die noch kein Vakzin verabreicht bekommen haben. Es sei "kein Modell für die Zukunft", die Menschen bei der Einschränkung von Grundrechten so unterschiedlich zu behandeln, sagte der CDU-Chef.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) riet den Geimpften, ihren Impfpass oder eine Bestätigung ihres Arztes mit sich zu führen. Die Entwicklung eines digitalen Impfpasses auf europäischer Ebene müsse schneller gehen, forderte Müller im Deutschlandfunk. Im öffentlichen Raum würden die neuen Regelungen wie bisher durch Polizei und Ordnungsämter kontrolliert, für den privaten Bereich mahnte Müller Eigenverantwortung an.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet von den Lockerungen einen Impuls für den Konsum in Milliardenhöhe. Die "Rheinische Post" zitierte am Freitag aus einer IW-Studie, wonach das Institut mit einem Plus im Einzelhandel und in der Gastronomie von mehr als acht Milliarden Euro pro Monat rechnet.

Den vollständigen Impfschutz haben nach Angaben vom Freitag bislang knapp 7,4 Millionen Menschen in Deutschland - und damit 8,8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Insgesamt haben 26,2 Millionen Menschen mindestens eine Impfdosis erhalten - das sind 31,5 Prozent der Gesamtbevölkerung.

jp/cha

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