Wegen diskriminierender Namen: Insekten werden umbenannt

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Es geht um eine Motten- und eine Ameisenart: Beide tragen im Englischen umgangssprachlich das Äquivalent des Z-Worts im Namen. Weil es sich dabei um eine diskriminierende Fremdzuschreibung handelt, wird diese nun geändert. Vorschläge für neue Namen kann jede*r einreichen.

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Die Raupe Lymantria dispar. Nach der Verpuppung wird aus ihr eine Motte schlüpfen. Foto: Symbolbild / gettyimages

Die US-amerikanische Gesellschaft für Entomologie („Entomological Society of America“, kurz ESA), hat ein Programm gestartet, um bestehende Insektennamen auf den Prüfstand zu stellen: das Better Common Names Project.

Insektennamen oft Jahrzehnte alt

Der Grund: Einige umgangssprachliche Bezeichnungen sind diskriminierend und unangemessen. Anstoß für das Programm gegeben haben Lymantria dispar und Aphaenogaster araneoides. Die beiden Insekten tragen die englische Version des Z-Wortes in ihren Namen.

Kursiv geschrieben ist dabei ihr wissenschaftlicher Name. Die sogenannte binäre Nomenklatur tritt immer paarweise auf und besteht aus Artname und Beschreibung. Beides bleibt unverändert. 

Nicht aber die umgangssprachlichen Namen der Motten- und der Ameisenart – hier hat die ESA zu Vorschlägen aufgerufen. Lymantria dispar und Aphaenogaster araneoides könnten dabei nur der Anfang sein, denn es gibt tausende umgangssprachlich etablierte Insektennamen.

Forschende, die sie entdeckten, haben die Tiere oft in einer Zeit beschrieben, in der diskriminierendes Denken und Sprechen fest etabliert war. Die Z-Motte (im deutschen Sprachraum besser bekannt als Schwammspinner) wird mindestens seit dem Jahr 1908 so bezeichnet.

Worte sind wichtig

Zu ihrem frisch aufgesetzten Programm schreibt die ESA in einer aktuellen Mitteilung: „Insektenforscher*innen, Wissenschaftler*innen aus verwandten Disziplinen und die interessierte Öffentlichkeit sind dazu eingeladen, alternative Namenvorschläge für Insektenarten, die rassistische Stereotype aufrechterhalten, einzubringen“

Im Gespräch mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk NPR in den USA sagt ESA-Geschäftsführer Chris Stelzig: „Wie wir etwas bezeichnen, ist absolut wichtig. Und der bisherige Name für Lymantria dispar war verletzend für Sinti und Roma.“

Der Verband Deutscher Sinti und Roma schreibt dazu, dass das Z-Wort eine in ihren Ursprüngen bis ins Mittelalter zurückreichende Fremdbezeichnung der Mehrheitsbevölkerung sei und von der Minderheit als diskriminierend abgelehnt werde.

Namen werden oft geändert

Umgangssprachliche Insektennamen zu ändern ist keine Seltenheit. Dazu sagt Stelzig im NPR, dass die ESA regelmäßig die Namen anpasse, meist allerdings aus wissenschaftlichen Gründen, wenn neue Namen eine bessere Beschreibung der Insekten darstelle.

Ein Antrag auf Änderung von Lymantria dispar und Aphaenogaster araneoides ging bereits vergangenes Jahr ein. Im Juni diesen Jahres wurde er nun von der ESA bewilligt.

Bedauern geht schon Jahre zurück

Nicht beleidigt, sondern erfreut reagierte auf die Meldung Terry McGlynn. Der Professor für Biologie an der California State University Dominguez Hills ist nach eigenen Angaben für die Etablierung des Namens Z-Ameise verantwortlich.

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Darüber hat er bereits 2019 in einem Blogeintrag geschrieben: „Es war eine schlechte Entscheidung, die Ameise mit einer ethnischen Herabwürdigung zu bezeichnen.“ Die geplante Umbenennung der ESA nannte McGlynn diese Woche auf Twitter daher als „großartige Neuigkeit“.

Video: Gegen die Schwerkraft - Ameisen schleppen Eidechse Wand hinauf

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