Wegen Grundfreibetrag - Ab 1. Juli müssen viele Rentner plötzlich Steuern zahlen

Rente: Höhe, Durchschnitt und Co.<span class="copyright">Getty Images/iStockphoto</span>
Rente: Höhe, Durchschnitt und Co.Getty Images/iStockphoto

Zum dritten Mal in Folge steigen die Renten um mehr als vier Prozent. Deshalb können sich 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner ab Juli über ein Plus von 4,57 Prozent freuen. Damit kommen viele mit ihrer Rente aber auch erstmals über den geltenden Rentenfreibetrag.

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Ab Juli gibt es mehr Geld für die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland. Mit der jährlichen Rentenanpassung steigen die Altersbezüge erstmals in Ost und West gleichermaßen um 4,57 Prozent. Das ist das erste Mal seit der Wiedervereinigung vor mehr als 30 Jahren. Gleichzeitig hat die Bundesregierung auch den Grundfreibetrags von 10.908 Euro auf 11.604 Euro angehoben. Finanzminister Christian Lindner plant sogar eine zeitnahe Anhebung auf 11.784 Euro - rückläufig zum 1. Januar. Die Rentner profitieren doppelt: Sie bekommen monatlich mehr ausbezahlt und müssen nicht befürchten, ihre Rente versteuern zu müssen.  

Soweit die Theorie. Doch wie sieht es in der Praxis aus?

So viel Rente gibt es mehr ab 1. Juli 2024

Ein Rentner mit einer Rente von 1.000 Euro erhält durch die Erhöhung ab 1. Juli dann 45,70 Euro mehr im Monat. Dabei handelt es sich allerdings um monatliche Bruttobeträge - also vor Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Die jährliche Erhöhung gilt nach Angaben der Rentenversicherung sowohl für Altersrentner als auch für diejenigen, die wegen Erwerbsminderung vorzeitig in Rente gehen (Erwerbsminderungsrente). Die Anhebung erfolgt automatisch. Die Bezieher müssen nichts unternehmen.  

Mehr Rentner müssen ab Juli Steuern zahlen

Die Rentenerhöhung hat aber auch einen bitteren Beigeschmack.

Übersteigt die Jahresrente eines Rentners nach Abzug des individuellen Rentenfreibetrags und steuermindernder Aufwendungen - wie Krankheitskosten oder haushaltsnahe Dienstleistungen - den Grundfreibetrag von 11.604 Euro (oder geplant 11.784 Euro) für Alleinstehende, ist er verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben und die Anlage R auszufüllen. Liegt die monatliche Bruttorente unter oder genau bei diesem Betrag, ist sie steuerfrei.

Bei Verheirateten gilt hingegen der doppelte Grundfreibetrag. Sie werden steuerpflichtig, sobald nach den Abzügen insgesamt mehr als 23.208 Euro (geplant: 23.568 Euro) Jahresrente übrig bleiben.

Rund 114.000 Rentner müssen ab 1. Juli erstmals Steuern auf ihre Rente zahlen. Sie sind ab Juli neu steuerpflichtig, weil ihre Rente dann über dem Grundfreibetrag liegt, so die Deutsche Rentenversicherung. Allerdings gilt auch: Der Grundfreibetrag ist stärker gestiegen als die Rente. Das bedeutet, dass 244.000 Rentner ab 2024 keine Steuern mehr zahlen müssen. Das teilte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums auf Anfrage mit. Zuerst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ darüber berichtet.

Wie werden Rentner besteuert?

Auf Einkünfte kann das Finanzamt Steuern erheben. Auch Renten sind Einkünfte - auch Alterseinkünfte genannt - und bilden daher zunächst keine Ausnahme.

Wie die Zahlungen steuerlich behandelt werden, hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab. Wer 2005 oder früher in Rente gegangen ist, muss 50 Prozent der Bruttorente - also den Betrag vor Steuern und Abgaben - versteuern. Durch eine Gesetzesreform steigt der steuerpflichtige Anteil der Rente für Neurentner seit 2005 jährlich an.

Bei Renteneintritt im Jahr 2024 sind bereits 84 Prozent der Bruttorente steuerpflichtig, ab dem Jahr 2040 soll schließlich die gesamte Rente steuerpflichtig sein. Es ist geplant, diese Übergangsfrist über das Jahr 2040 hinaus zu verlängern. Wichtig! Liegt die Rente unter 11.604 Euro (oder bald 11.784 Euro) pro Jahr, ist sie in der Regel steuerfrei.

Und zudem noch relevant: Jeder Rentner muss eine Steuererklärung abgeben, wenn das Finanzamt ihn dazu auffordert.